Was bei einem Sieg der AfD drohtWenn rechte und rechtsextreme Parteien in Europa in den vergangenen Jahren an oder in die Nähe der Macht kamen, dann durchliefen sie meist eine ähnliche Entwicklung: Sie rückten ein kleines Stück in die Mitte, wenn auch oft nur symbolisch, sie schraubten ihre radikalsten Forderungen zurück oder trugen sie zumindest weniger demonstrativ vor sich her. So war es beispielsweise bei den Postfaschisten unter Giorgia Meloni in Italien oder der Le-Pen-Truppe Rassemblement National in Frankreich.

AfD-Politiker Ulrich Siegmund (M.): Verrohung im politischen Diskurs

Anders ist es hingegen in Deutschland. Je stärker die AfD in Umfragen zulegt, desto enthemmter, radikaler gibt sich ihr Spitzenpersonal. Man könnte es auch umgekehrt formulieren: Je extremer die Positionen sind, die die Partei einnimmt, desto mehr Zulauf erhält sie. Jedenfalls kann sich beispielsweise in Sachsen-Anhalt laut Umfragen fast die Hälfte der Wählerinnen und Wähler vorstellen, am kommenden Sonntag für eine rechtsextreme, verfassungsfeindliche Partei zu stimmen (mehr dazu hier ).Nun gibt es manche, die sagen: Sollen sie doch mal machen. Die AfD, so geht das Argument, werde sich schon entzaubern, wenn sie erst einmal Regierungsverantwortung trägt. Es ist eine Haltung, die man sich leisten können muss, weil man beispielsweise selbst keiner Minderheit angehört, nicht muslimisch ist oder homosexuell und nicht in Sachsen-Anhalt lebt – und somit nicht unmittelbar von einer AfD-Regierung betroffen wäre.