Regisseur Paweł Pawlikowski lässt Thomas und Erika Mann 1949 nach Deutschland reisen. Er spricht über Weglassen als Methode und Algorithmen als Gefahr.

Wann blüht es denn hier? Thomas (Hanns Zischler) und Erika Mann (Sandra Hüller) in „Vaterland“

Neue Visionen

In „Vaterland“ schickt Paweł Pawlikowski Thomas Mann und dessen Tochter Erika 1949 auf eine Reise durch das geteilte Nachkriegsdeutschland. Der polnische Regisseur, der mit „Ida“ den Oscar gewann und mit „Cold War“ international gefeiert wurde, verbindet dabei familiäre Tragödie und politische Bestandsaufnahme zu einem konzentrierten Schwarz-Weiß-Roadmovie. Im Garten eines Hotels in Cannes spricht der 67-Jährige ebenso lakonisch wie leidenschaftlich über seine anfängliche Abneigung gegen Thomas Mann, die Arbeit mit Sandra Hüller und Hanns Zischler – und eine Filmbranche, in der Algorithmen mehr und mehr über Kunst entscheiden.

taz: Herr Pawlikowski, Sie haben einen Teil Ihrer Jugend in den 1970ern in Westdeutschland verbracht. Welche Beziehung hatten Sie damals zu Thomas Mann?