Raus aus Zürich: Die Bank Vontobel verlegt 2030 ihren Hauptsitz in den Kanton ZugVontobel wird in Baar einen neuen Hauptsitz beziehen. Steuerliche Vorteile sollen nicht ausschlaggebend für den Entscheid gewesen sein.31.08.2026, 09.10 Uhr3 LeseminutenFür 1500 Vontobel-Mitarbeitende wird Baar (ZG) zum neuen Arbeitsort.Visualisierung VontobelDie Bank Vontobel will ihren Hauptsitz nach Baar, in den Kanton Zug, verlegen. Das meldete das Zürcher Finanzhaus am Montag. Ein neuer Gebäudekomplex soll entstehen und zum neuen Hauptsitz werden. Der Bebauungsplan ist genehmigt, Baubeginn soll in wenigen Monaten erfolgen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der neue Vontobel-Campus wird im Quartier Lindenpark in Baar gebaut und soll ab 2030 der neue Arbeitsort für 1500 Bank-Mitarbeitende werden. Die Dachgesellschaft – die Vontobel Holding – und die Bankleitung werden ab dann ihren Sitz nach Baar verlegen. Mit dem Wegzug des Vontobel-Hauptsitzes verliert Zürich eine weitere Firma. Der Kanton hat 2025 netto am meisten Unternehmen an andere Standorte verloren.Baar dagegen festigt seinen Ruf als attraktiver Firmenstandort. Dort sind bereits die Private-Equity-Firma Partners Group, der Rohstoffriese Glencore, der Bauchemie-Konzern Sika und viele Finanzfirmen angesiedelt. Baar hat den tiefsten Steuerfuss des Kantons Zug und gehört zu den steuergünstigsten Gemeinden der Schweiz.Vontobel wird die neuen Gebäude nicht besitzen, sondern mieten.Visualisierung VontobelNicht nur steuerliche GründeAus dem Vontobel-Umfeld ist zu vernehmen, dass steuerliche Überlegungen nicht ausschlaggebend für die Standortwahl gewesen sein sollen. Steuern zu sparen sei zwar attraktiv, aber ein zu wenig wichtiges Argument für einen Entscheid, von solch strategischer Bedeutung. Wichtiger seien genügend Platz für weiteres Wachstum. Zudem solle die Zusammenarbeit zwischen den Mitarbeitenden gefördert werden. Etliche Open-Space-Bereiche sind dafür vorgesehen.Kosten dürfte Vontobel dennoch sparen, nicht nur bei der Steuerrechnung. Denn in Baar werden Mitarbeitende, die heute in der Stadt Zürich auf sieben Gebäude verteilt sind, zusammengezogen. Der heute grösste Bürostandort Vontobels an der Gotthardstrasse wird aufgehoben. Das Gebäude hätte aus vertraglichen Gründen bis 2032 sowieso geräumt werden müssen.Vontobels Standort an der Zürcher Gotthardstrasse wird aufgehoben.Ennio Leanza / KeystoneTrotz Sitzverlegung kehrt die Bank der Stadt Zürich nicht den Rücken. In einem Vontobel-Gebäude am Bleicherweg soll ein neuer «Kundenstandort» entstehen. Dort will die Bank mehr als 300 Mitarbeitende beschäftigen. Man will ein privates Restaurant einrichten und die Kunstsammlung der Bank beherbergen. Die IT-Infrastruktur ist vom Umzug nach Baar nicht betroffen. Gemäss einem Sprecher bleiben die Server der Bank in Zürich Albisrieden und im Hagenholz.Zürcher Identität?Vontobel ist stark mit der Stadt Zürich verbunden. Die Bank hat ihre historischen Wurzeln in der Limmatstadt und ist 1924 als Börsenagentur F.E. Haeberli & Co. gestartet. Der Bankgründer Jakob Vontobel übernahm die Agentur im Jahr 1936 und schaffte die Grundlage für die spätere Bank Vontobel.Dass die Bank mit dem Umzug einen Teil ihrer Zürcher Identität verlieren könnte, war bei den Eigentümerfamilien im Vorfeld des Standort-Entscheids offenbar ein Thema. Die Nachfahren halten eine Mehrheit des Aktienkapitals der Bank über Familien-Holdings. Die Zürcher Identität erachtet man an der Bankspitze aber nicht mehr als elementar.Die Bank positioniert sich seit Jahren als gesamtschweizerisches, internationales Finanzhaus. Deutschland, aber auch Grossbritannien und die USA sind wichtige Auslandsmärkte. Zürich soll nunmehr ein Standort unter vielen sein.Baar ist auch ein attraktiver Standort f¨ür andere Finanzhäuser wie die Partners Group.Gaetan Bally / KeystoneKein StatussymbolVontobel ist nicht der einzige Schweizer Vermögensverwalter, der sich einen neuen Hauptsitz gönnt. Ende 2024 ist der Private-Equity-Spezialist Partners Group in Baar in einen neuen Campus gezogen. Letztes Jahr bezog die Privatbank Lombard Odier einen geschwungenen Glasbau am Ufer des Genfersees. Konkurrentin Pictet ist daran, einen Campus im Genfer Vorort Carouge zu bauen. Und die Online-Bank Swissquote baut nach jahrelangen Querelen einen 60-Meter-Turm als neue Firmenzentrale in Gland, im Waadtland.Diese Firmen haben Hunderte Millionen Franken investiert und sind sowohl Bauherren wie Eigentümer ihrer Gebäude. Vontobel hingegen wird den Lindenpark in Baar als Mieterin beziehen, der Vertrag läuft über zehn Jahre. Dabei kann sie bei der Ausgestaltung und Nutzung mitreden. So wird auch ein Wohnhaus zum Vontobel-Campus gehören. In diesem werden die Bankmitarbeiter für 80 Wohnungen ein Vormietrecht erhalten. Die Gebäude bleiben aber im Besitz der Immobilienfirma Cham Swiss Properties.Vontobels Konkurrenten errichten mit Star-Architekten repräsentative Bauten, die Exklusivität und Erfolg ausstrahlen sollen. Der funktionale Lindenpark dürfte derweil nicht als neues Statussymbol gedacht sein. Top-Management wie Belegschaft werden dabei am selben Ort arbeiten. Damit hebt sich Vontobel auch von Konkurrenten wie Julius Bär und UBS ab. Bei diesen sitzt die Bankführung in der Zürcher Innenstadt, während viele Backoffice-Leute ihren Arbeitsplatz in den Aussenquartieren haben.Passend zum Artikel