Der Jeep Compass 4xe zeigt je nach Einsatzgebiet zwei GesichterIm leichten Gelände überzeugt der Offroader mit kräftigem E-Antrieb. Auf Asphalt aber bleibt er eher behäbig und energiehungrig – und das zum Premiumpreis.Simon Tottoli31.08.2026, 05.30 Uhr7 LeseminutenDie verspätet eingeführte dritte Compass-Generation kommt auf dem Markt noch nicht auf Touren. Die Allradversion 4xe soll nun mehr Schwung bringen.PDDer amerikanische Geländewagen- und SUV-Spezialist Jeep, der zum Stellantis-Konzern gehört, hat die Modellpalette des Modells Compass um ein Allradmodell erweitert. Es soll die bisher schwachen Compass-Verkäufe nicht nur in der Schweiz ankurbeln.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Denn per Ende Juli meldete Auto-Schweiz lediglich 166 Compass-Neueinlösungen für das laufende Jahr 2026. Bei manchen von ihnen handelte es sich um die Vorgängergeneration, von der in guten Jahren mehr als 1000 Einheiten auf die Schweizer Strassen gekommen waren. Die ersten Fahrzeuge der Neuauflage waren erst im März bei den Händlern verfügbar, denn die ursprünglich für Ende 2025 geplante Markteinführung musste aufgrund von Anpassungen der Produktionslinien im Stellantis-Werk in Melfi (Italien) verschoben werden.Zum Marktstart war der neue Compass als 1,2-Liter-Mildhybrid mit 107 kW (145 PS) ab 38 990 Franken oder als Elektrovariante mit 157 kW (213 PS) ab 45 990 Franken verfügbar, beide mit Frontantrieb. Kürzlich wurde die Palette um eine Plug-in-Hybridversion mit einer Systemleistung von 165 kW (225 PS) und 95 km elektrischer Autonomie erweitert (ab 43 990 Franken). Doch auch sie schickt ihre Kraft ausschliesslich an die Vorderräder. Deutlich mehr Aufwind dürfte die Baureihe erst mit der Allradversion 4xe erhalten, die im vierten Quartal zu den Händlern rollt.Der Jeep-CEO Fabio Catone rechnet damit, dass der Allradler europaweit auf rund 30 Prozent der Bestellungen kommt – «in der Schweiz werden es aber bestimmt mehr sein», ergänzt er. Tatsächlich ist auf dem Schweizer Markt eine weit höhere Quote realistisch, schliesslich machen 4×4-Fahrzeuge hierzulande regelmässig über die Hälfte der Neuzulassungen aus. Und viele von ihnen sind nicht einmal SUV, geschweige denn Offroader.Im Gegensatz zum Vorgänger, der auch als allradgetriebener Plug-in-Hybrid zu haben war, kann der neue Compass nur als Elektroauto mit Allradantrieb gekauft werden.PDBei geländetauglich wirkenden Modellen wie dem Jeep Compass gehört Allradantrieb für die meisten Schweizer Kunden dazu. So betrug die hiesige Allradquote bei der zweiten Compass-Generation 75 Prozent. Allerdings wurden bei ihr sowohl die Plug-in-Hybrid-Versionen wie auch zumindest optional die Benzin- und Dieselausführungen über alle vier Räder angetrieben. Die Neuauflage will Jeep dagegen lediglich vollelektrisch mit einem 4×4-Antrieb anbieten – mit 276 kW (375 PS) und einem Drehmoment von 577 Nm.Entwickelt sich der Antrieb zum Handicap?Ähnlich wie bei klassischen Sportwagenmarken geht die Transformation zum Elektroantrieb bei Geländewagen nur sehr schleppend voran. Dabei eignet er sich für den Offroad-Einsatz ideal, denn das volle Drehmoment steht nicht nur immer zur Verfügung, sondern lässt sich auch gezielter nutzen als mit einem Verbrenner. Zudem entfallen mechanische Komponenten wie ein Verteilergetriebe.Im Gelände kommen die Vorteile des E-Antriebs beim 4xe deutlich zur Geltung. Das aus dem Stand verfügbare Drehmoment beträgt an der Hinterachse mittels 14:1-Untersetzung bis zu 3100 Nm. So soll der Compass 4xe selbst ohne jede Traktion an den Vorderrädern Steigungen von 20 Prozent bewältigen.Als 4xe erhält der Compass unter anderem 10 Millimeter mehr Bodenfreiheit und eine robuste Kunststoffbeplankung.PDGegenüber den frontgetriebenen Versionen hat der Compass 4xe 10 Millimeter mehr Bodenfreiheit, nämlich 210 statt 200 Millimeter. Mit einer nur geringfügig an Offroad-Fahrten angepassten Karosserie und einer Wattiefe von 480 Millimetern ist er weit weg von waschechten Geländewagen, bringt für Fahrten abseits befestigter Strassen aber bessere Voraussetzungen mit als viele andere allradgetriebene SUV.Im mässigen Gelände leistet er ÜberdurchschnittlichesBei der Testfahrt auf einem leichten Offroad-Parcours kam der Compass 4xe locker voran. Weder loser Untergrund noch starke Steigungen oder Senken brachten ihn an seine Grenzen. Unsanfte Berührungen mit dem Boden blieben dank Unterfahrschutz, Seitenschwellern, Stossstangen sowie Front- und Heckschürzen aus Kunststoff für die Karosserie folgenlos.Erwartungsgemäss erledigte auch der elektrische Antrieb seine Sache tadellos und bewies wieder einmal, dass Fahren mit Strom im Gelände nicht nur leise, sondern auch souverän vonstattengeht. Einzig eine bessere Dosierbarkeit der Kraft über das Fahrpedal wäre wünschenswert, denn zuweilen setzt der Compass 4xe etwas mehr davon ein, als der Fahrer am Pedal eigentlich will, was zu ruckartigem Verhalten führt. Hier würden ein Kriechmodus oder ein Geländetempomat zur konstanten Einhaltung einer niedrigen Geschwindigkeit Abhilfe schaffen, doch beides ist für den Compass nicht erhältlich.Zwar ist auch der Compass 4xe mehr SUV als Offroader, doch kommt er im Gelände weiter als die meisten seiner Konkurrenten.PDAuch das Fehlen einer kamerabasierten Visualisierung des Untergrunds vor dem Fahrzeug belegt, dass der Compass 4xe kein echter Offroader ist. Immerhin zeigt er aber geländerelevante Informationen wie den Neigungswinkel oder den Lenkeinschlag an. Das hebt ihn nicht nur von den meisten anderen SUV, sondern auch von seinen Modellbrüdern ohne Allradantrieb ab.Zudem bietet der Fahrprogrammschalter einen zusätzlichen Modus: Bei 4WD-Lock werden beide Achsen konstant mit der maximalen Leistung versorgt, um durch unwegsames Gelände zu kommen. Weitere Modi für eine bedarfsoptimierte Kalibrierung von Antrieb und elektronischer Stabilitätskontrolle sind Auto, Sport, Snow und Sand/Mud. Im Offroad-Parcours, dessen Untergrund grösstenteils aus Erde und losem Gestein bestand, war letzterer aktiviert.Auf der Strasse ist er kein SportlerWeil auch ein Compass 4xe normalerweise auf befestigten Strassen unterwegs ist, dürfte für gewöhnlich der Automodus aktiv sein. Bei diesem ist die Leistung auf 90 Prozent begrenzt. Wer das volle Potenzial abrufen möchte, schaltet auf den Sportmodus um. Dann soll der Compass 4xe in 5,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigen. Ein sportlicher Wert, aber auf Asphalt fühlt sich der Allrad-Compass nicht wirklich wie ein Sportmodell an.Der festmontierte rote Abschlepphaken am Heck ist Beleg für den Anspruch von Jeep, dass der Compass 4xe mehr kann als normale SUV.PDZwar erledigt der Compass 4xe auch Zwischenspurts mit elektrischer Leichtigkeit, und die Lenkung des 4,55 Meter langen Allrad-SUV ist ausreichend präzise. Doch seine Fahrwerksabstimmung fällt eher weich aus, weshalb sich der Bug beim Beschleunigen sichtbar zum Himmel hebt und in zügig durchfahrenen Kurven eine deutliche Seitenneigung entsteht – trotz dem niedrigen Schwerpunkt durch die schwere Batterie im Unterboden.Jeep betont zwar, dass diese Wankbewegungen im Vergleich zu den Plattformbrüdern im Stellantis-Konzern dank Massnahmen am Fahrwerk um 20 Prozent geringer ausfallen, doch das scheint im Gelände mehr Vorteile zu bringen als auf der Strasse. Auf der Landstrassenfahrt überzeugt der Compass 4xe immerhin durch ein hohes Komfortniveau, das von bequemen Sitzen untermauert wird. Dazu passt auch die optimierte Geräuschdämmung, die Jeep unter anderem mit einer 11 Prozent dickeren Heckscheibe erreicht hat.Dank gemeinsamem Konzernbaukasten teilt sich der Jeep Compass weite Teile der Technik mit anderen SUV des Konzerns. Zu diesen zählen etwa der Peugeot 3008, der Opel Grandland und der Citroën C5 Aircross. Die für den Jeep Compass verantwortlichen Ingenieure haben es geschafft, ihrem Modell einen eigenen Charakter zu verleihen, der bei der Allradversion 4xe noch stärker zum Tragen kommt.Das Innenraumdesign orientiert sich an den anderen Compass-Varianten, die Verkleidungen sind indes robuster und abwaschbar.PDEinige wichtige Informationen für das Fahren im Gelände werden im Zentraldisplay zwar angezeigt, Unterbodenkameras sind jedoch nicht vorhanden.PDEin Blick auf die verschiedenen weiteren Besonderheiten des Compass 4xe belegt diese Eigenständigkeit. Während aussen die robusten Kunststoffteile, ein festmontierter Abschlepphaken am Heck und als Option matte Kunststoffaufkleber auf der Motorhaube Abenteuerlust versprühen, steigern im Interieur unter anderem robustere Sitzbezüge, abwaschbare Innenverkleidungen und kratzfeste Rücksitzlehnen mit zusätzlichen Befestigungspunkten für Kleinkram den Nutzwert.In Sachen Platzangebot fährt der Compass im guten Mittelfeld. Beim Allradler ist es grundsätzlich identisch wie bei den Varianten mit Frontantrieb. Eine kleine Einschränkung gibt es allerdings beim Kofferraumvolumen: Durch den Heckmotor, der eigens für den Compass 4xe entwickelt wurde, reduziert sich der Stauraum von 550 auf 515 Liter. Es fehlt ein Frunk, also ein kleiner vorderer Kofferraum für das Ladekabel oder andere Dinge, wie ihn viele Elektromodelle dieser Grösse bieten.Die beste Modellvariante ist auch die teuersteZumindest bei der Reichweite profitiert der Jeep Compass 4xe von einer Sonderbehandlung im Stellantis-Konzern. Als bisher einziges Modell auf der gemeinsamen Technikplattform kombiniert er die grösste verfügbare Batterie mit Allradantrieb. Sein Akku mit einer Nettokapazität von 96,1 kWh ermöglicht eine Reichweite von 606 km. So fällt die im Gegenzug eher geringe maximale Ladeleistung von 160 kW zumindest in der Theorie weniger ins Gewicht.Die Vordersitze des Compass 4xe sind sehr bequem, wobei der Textilbezug im Vergleich zu den Fronttrieblern unempfindlicher ausfällt.PDAuch auf den Rücksitzen gibt es widerstandsfähigere Bezüge, während die Vordersitzlehnen eine harte Kunststoffabdeckung mit Platz für Kleinkram bieten.PDWie alle Stellantis-Fahrzeuge muss auch der Compass mit gewöhnlicher 400-Volt-Technologie auskommen, was neben der Ladeleistung auch für den Energiebedarf keine optimale Voraussetzung ist. So fällt der provisorische Durchschnittsverbrauch mit 19,7 kWh / 100 km schon auf dem Papier eher hoch aus und steigt in der Praxis schnell Richtung 25 kWh / 100 km – obwohl der Luftwiderstandswert trotz der kantigen Designsprache gute 0,29 beträgt und damit deutlich weniger als bei den Vorgängergenerationen mit cw-Werten von 0,4 und 0,35.Im Vergleich mit diesen ist der neue Compass ein viel moderneres Auto. Als 4xe bietet er markentypische Merkmale, die andere weder mit innovativerer Technologie noch mit aufwendigem Marketing erreichen. So wird der Allrad-Compass für Markenfans, trotz oder gerade wegen seines Elektroantriebs, mit Abstand zur besten Option in der Modellreihe – aufgrund des Einstiegspreises von 52 990 Franken allerdings auch zur teuersten.Die Testfahrt wurde durch Jeep unterstützt.Passend zum Artikel
Jeep Compass 4xe – beeindruckend im Gelände, zurückhaltend auf Asphalt
Im leichten Gelände überzeugt der Offroader mit kräftigem E-Antrieb. Auf Asphalt aber bleibt er eher behäbig und energiehungrig – und das zum Premiumpreis.






