Warken: Kein großer Dissens zu Ost-Regierungschefs bei RenteKanzleramtschefin Nina Warken relativiert den Streit zwischen Kanzler Friedrich Merz und den CDU-Ministerpräsidenten aus dem Osten über die Renten-Reformpläne. Natürlich sei auch die Abschaffung der sogenannten Rente mit 63 ein zentraler Baustein, sagte die CDU-Politikerin in der ZDF-Sendung „Berlin direkt“. „Nur wir werden es mit Übergangsfristen machen, wir werden es mit Härtefallregelungen machen, das ist schon vorgesehen. Insofern sehe ich da auch gar keinen ganz großen Dissens zu den Ministerpräsidenten.“Die drei ostdeutschen CDU-Ministerpräsidenten Sven Schulze (Sachsen-Anhalt), Michael Kretschmer (Sachsen) und Mario Voigt (Thüringen) hatten sich gemeinsam gegen die Abschaffung der abschlagsfreien Frührente nach 45 Beitragsjahren gestellt. Bundeskanzler Merz betonte vergangenen Mittwoch, dass er daran festhalten will – und zeigte sich „etwas erstaunt“ über diese Wortmeldung, die seiner Überzeugung nach „nicht mit ausreichenden Sachargumenten unterlegt“ gewesen sei. Zugleich zeigte er sich offen für Härtefallregelungen, die auch von der Rentenkommission empfohlen werden.Warken sagte, die Kommission habe einen „sehr runden Vorschlag“ vorgelegt – jetzt sei es gemeinsam die Aufgabe, diesen Vorschlag umzusetzen. „Und natürlich wird es auch, so ist es auch vorgeschlagen, dort Möglichkeiten geben, auf besondere Lebensleistungen, auf besondere persönliche Situationen und Schicksale Rücksicht zu nehmen.“ Sie verwies auch auf den Vorschlag einer neuen Schutzrente für langjährige Beitragszahler, die wegen gesundheitlicher Einschränkungen ihren Beruf nicht mehr ausüben können. Merz: Rüstung „sehr viel kosteneffizienter“ machen Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) will Rüstungsprojekte zur Modernisierung der Bundeswehr „sehr viel kosteneffizienter“ machen. Zugleich verteidigte der Kanzler im ARD-Sommerinterview aber die geplante erhebliche Steigerung der Rüstungsausgaben. Er war darauf angesprochen worden, dass in der Rüstungsindustrie „Goldgräberstimmung, Champagnerlaune“ herrsche. „Das ist eine Diskussion, die ich natürlich sehe. Wir haben deswegen auch mit dem Verteidigungsminister verabredet, dass wir jetzt noch einmal die gesamten Beschaffungsverfahren und die Beschaffungsvorhaben überprüfen“, sagte Merz. Ziel sei eine moderne Bundeswehr. An Universitäten und Forschungseinrichtungen entstünden viele neue Ideen, und es gebe eine große Zahl von Unternehmensgründern. „Das muss überhaupt nicht so teuer sein. Die Ukraine zeigt uns im Übrigen, wie man es sehr viel preisgünstiger machen kann“, sagte Merz. Es gebe bereits Kooperationen mit dem Land und die Möglichkeit, gemeinsame Rüstungsunternehmen zu schaffen.Merz: Reaktion auf Russlands hybride Bedrohung „in den nächsten Tagen“ Bundeskanzler Friedrich Merz hat nach dem jüngsten Drohnenangriff auf den Flughafen Leipzig/Halle eine baldige und mit den internationalen Partnern abgestimmte Reaktion auf hybride Bedrohungen Russlands angekündigt. Die Ermittlungen stünden kurz vor dem Abschluss, sagte der CDU-Politiker am Sonntag im ARD-Sommerinterview. „Wir haben eine weitgehende Einigung in der Bundesregierung, wie wir reagieren, und das werden wir in den nächsten Tagen auch klar zum Ausdruck bringen“, kündigte Merz an. Auf die Frage, ob Deutschland überhaupt angemessen reagieren könne, falls Russland hinter dem Angriff stecke, sagte Merz: „Warten wir mal ab, was angemessen reagieren heißt.“Die Reaktion werde zwar von deutscher Seite erfolgen, sei aber mit der Europäischen Union und den NATO-Partnern abgestimmt, betonte der Kanzler. „Die Partner in der Europäischen Union und in der NATO werden davon nicht überrascht sein.“ Experten vermuten hinter dem Drohnenangriff auf den sächsischen Flughafen einen hybriden Angriff Russlands. Der Vorfall hat die Debatte über die Sicherheit der kritischen Infrastruktur in Deutschland und mögliche Gegenmaßnahmen verschärft. Zu dem Zwischenfall in Leipzig war es am 5. August gekommen. Nach Angaben der Behörden war eine Drohne mit Sprengstoff beladen, detonierte aber nicht. Merz nutzt Sommerinterview für Kritik an Merkel-Regierung Bundeskanzler Friedrich Merz hat im ARD-Sommerinterview deutliche Kritik an früheren Regierungsentscheidungen von Angela Merkel geübt. „Wir hätten im Jahr 2018 noch einiges korrigieren können, was zum Beispiel mit der Migrationskrise damals erst begonnen hat“, sagte Merz. 2017 seien Entscheidungen in diesem Politikbereich getroffen worden, „die auch damals schon falsch waren“. Seine Bundesregierung habe hingegen „die Migrationswende vollzogen“.Ebenso kritisch äußerte sich Merz zu den Entscheidungen früherer Bundesregierungen, aus der Kernenergie auszusteigen und den Einspeisevergütung im Energiesektor langfristig zuzusagen. Die Arbeit an einer neuen Energiepolitik sei „mühsam“. Ob die Kohlekraftwerke in Deutschland über das Jahr 2038 hinaus laufen sollten, sei „im Jahr 2026“ nicht zu diskutieren. Skeptisch äußerte sich Merz zu einer weiteren Absenkung des CO2-Preises, die CSU-Chef Markus Söder ins Gespräch gebracht hatte. Hohe Weltmarktpreise ließen sich nicht auf Dauer durch nationale Maßnahmen „wegsubventionieren“. Stattdessen müsse sich Deutschland international dafür einsetzen, dass die Straße von Hormus wieder geöffnet werde.Merz zeigte sich unbeeindruckt davon, dass er nach einem Jahr Amtszeit von der Bevölkerung in Umfragen negativer bewertet wurde als seine Vorgänger Angela Merkel und Olaf Scholz. „Jemand, der dem Land Veränderung zumutet, der ist zu Beginn nicht populär“, sagte der Bundeskanzler. Beliebtheitswerte seien nicht der Maßstab seiner Arbeit – „alleiniger Maßstab“ sei die Zukunftsfähigkeit des Landes für künftige Generationen.Keine Festlegung traf der Bundeskanzler dazu, ob das Amt des Bundespräsidenten von kommendem Jahr an von einem Mann oder eine Frau ausgeübt werden sollte. Für eine Frau als Bundespräsidentin habe er „viele Sympathien“. Die Frage, welches Geschlecht der Amtsinhaber habe, sei aber „weniger wichtig als die der Persönlichkeit“. Merz wies darauf hin, dass die Zusammensetzung der Bundesversammlung, die den Bundespräsidenten im Januar wählt, erst nach den Landtagswahlen im September feststeht.Auch auf die Frage, ob die CDU als mögliche Zweitplatzierte nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit der Linkspartei zusammenarbeiten werde, um einen AfD-Ministerpräsidenten zu verhindern, ging Merz nicht näher ein. Er sagte nur allgemein, dass die CDU „alles“ tun werde, „um zu verhindern, dass Sachsen-Anhalt an die Radikalen fällt. Das gilt sowohl für die AfD als auch für die Linkspartei“. Kritik an Forderung nach Verbot völkischer AfD-VerbändeDer Vorstoß von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) und Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne), „den völkischen Teil der AfD“ zu verbieten, hat bei den Bundestagsfraktionen von Union, SPD und Grünen unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen. Die beiden Politiker hatten in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung geschrieben, dass manche Politikansätze der AfD „unter bestimmten Voraussetzungen mit den obersten Zielen unseres Grundgesetzes noch vereinbar“ sein könnten. „Völlig anders“ verhalte es sich „mit dem völkischen Teil der AfD“.Der stellvertretende CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Günter Krings sagte der F.A.Z., das Grundgesetz ermögliche „ein Verbot von Parteien, aber nicht von einzelnen Flügeln, Strömungen oder Teilen einer Partei“. Es sei „nicht ohne Weiteres möglich, einen deutsch-nationalen und einen völkischen Teil der AfD so klar voneinander abzugrenzen, wie es für ein juristisches Verbotsverfahren erforderlich wäre. Und es dürfte auch schwierig werden, einzelne Landesverbände so eindeutig einer der beiden Seiten zuzuordnen.“ Die CDU/CSU lehnt ein AfD-Verbotsverfahren ab. Auch die Erste Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Bundestagsfraktion, Irene Mihalic, warnte davor, zwischen Strömungen oder Landesverbänden zu unterscheiden. „Generell kann ich die Initiative von Cem Özdemir und Boris Pistorius gut nachvollziehen“, sagte sie dem „Handelsblatt“. „Allerdings sehe ich die Gefahr, dass sich am Ende festsetzt, es gebe einen verfassungsfeindlichen und einen verfassungsgemäßen Teil der AfD.“ Das sei vielleicht früher so gewesen. „Mittlerweile ist aus meiner Sicht klar, dass die ganze AfD auf Kriegsfuß mit unserer demokratischen Verfassung steht“, sagte Mihalic. Unterstützung erhalten Pistorius und Özdemir aus der SPD-Bundestagsfraktion. Deren Erster Parlamentarischer Geschäftsführer, Dirk Wiese, sagte der F.A.Z., die beiden Politiker richteten „den Fokus richtigerweise auf die nachgewiesen rechtsextremen Landesverbände der AfD im Osten und Niedersachsen. Zwar ist dieser Ansatz in Teilen durchaus juristisches Neuland, aber es trifft genau diejenigen, die diese Demokratie offen ablehnen.“ BSW will mit AfD gegen Ukraine-Hilfen stimmenDas BSW will im Fall eines Einzugs in den Landtag in Sachsen-Anhalt nach der Wahl am kommenden Wochenende einen ersten Antrag gegen deutsche Ukraine-Hilfen gemeinsam mit der AfD verabschieden. „Wir hoffen, dass es mit den Stimmen der AfD eine Mehrheit für diesen Antrag im neuen Landtag geben wird“, heißt es in einem Papier der Spitzenkandidaten des BSW in Sachsen-Anhalt, Claudia Wittig und Thomas Schulze.Eine entsprechende Absprache dazu gebe es zwar nicht, sagte ein BSW-Sprecher am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP. Doch die Ablehnung der Ukraine-Hilfen sei „eine bekannte Position der AfD. Deshalb gehen wir davon aus dass sie zustimmen.“Dem Papier unter dem Titel „Sofortprogramm des BSW für ein friedliches Sachsen-Anhalt“ zufolge soll die neue Landesregierung aufgefordert werden, sich im Bundesrat gegen „die milliardenschweren Militärhilfen“ stark zu machen. „Wir wollen eine Politik, die wieder mehr an Köthen als an Kiew denkt.“ Die Unterstützung für die Ukraine belaste Deutschland finanziell und erhöhe die Gefahr, dass „der Krieg nach Deutschland getragen wird“. Jusos: SPD soll nicht nach rechts rückenDie Brandenburger Jusos zeigen sich kritisch gegenüber der Parteispitze im Bund und dringen auf mehr politische Reformen. „Gerade das Handeln der SPD auf Bundesebene gibt vielen Menschen nur wenig Hoffnung darauf, dass grundlegende politische Veränderungen möglich sind“, heißt es in einem Leitantrag des Landesvorstands der SPD-Jugendorganisation für eine Delegiertenkonferenz am 5. und 6. September in Schloss Gadow. „Doch die SPD ist nicht nur ihre Parteispitze in Berlin.“Die Jusos warnten die Partei davor, nach rechts zu rücken. „Deshalb kann unsere Antwort jetzt nicht sein, zu gehen und die Partei denjenigen zu überlassen, die sie weiter nach rechts führen wollen“, heißt es im Antrag. „Unsere Antwort muss sein, uns zu organisieren, Mehrheiten zu verändern und dafür zu kämpfen, dass die SPD wieder glaubwürdig für soziale Gerechtigkeit, Solidarität und gesellschaftlichen Fortschritt steht.“ SPD-Politiker unterstützen Vorstoß für AfD-VerbotDer innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Sebastian Fiedler, spricht sich für ein Verbotsverfahren gegen die radikalsten AfD-Landesverbände aus. Er unterstütze „den differenzierten Vorstoß“ von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) sowie des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Cem Özdemir (Grüne) aus der „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“, sagte der nordrhein-westfälische Abgeordnete dem „Handelsblatt“.Pistorius und Özdemir hatten sich in einem am Freitag veröffentlichten, gemeinsamen Beitrag für die F.A.S. „für eine baldmöglichste Einleitung eines Verbotsverfahrens“ ausgesprochen und einen Fokus „auf die eindeutig völkischen Landesverbände der AfD in Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg“ empfohlen. Das sei „rechtlich möglich, durch Belege gedeckt, von der Verfassung geboten“. Auch Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) stellt sich hinter die Forderung nach einem Verbotsverfahren gegen die AfD, auch wenn dies am Ende womöglich nur einige Landesverbände treffen könnte. Pistorius und Özdemir wiesen zu Recht darauf hin, „dass zumindest der völkische Teil der AfD gegen Artikel 1 Grundgesetz verstößt“, sagte Maier dem „Handelsblatt“. „Deshalb plädiere auch ich seit geraumer Zeit für ein Verbotsverfahren gegen die besonders radikalen Landesverbände“. Den ganzen Beitrag von Pistorius und Özdemir lesen Sie hier. Hannah SturmMerkel spricht über AfDEine Woche vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat Altbundeskanzlerin Angela Merkel dazu aufgerufen, sich für die Demokratie einzusetzen. „Ich glaube, wir müssen jetzt mal wieder, was wir viele Jahrzehnte nicht mussten, richtig für diese Demokratie kämpfen und uns einfach einsetzen und auch ein bisschen mutig sein und unser Wort stehen und sagen, das ist eine tolle Art zu leben“, sagte die CDU-Politikerin bei einer Veranstaltung in Berlin. Dabei betonte sie, dass die Mehrheit der Menschen nicht die AfD wähle. Es stimme, dass die AfD sehr stark in den neuen Bundesländern sei. Aber auch in den alten Bundesländern sei sie stärker geworden. „Sie ist ein gesamtdeutsches Phänomen geworden“, sagte Merkel. So habe die Partei etwa auch bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und in Rheinland-Pfalz Zuwächse gehabt. Mit Blick auf den Wahlkampf in Sachsen-Anhalt sagte Merkel, dass die AfD es zum Teil geschafft habe, „alle unsere Gespräche von morgens bis abends zu bestimmen“. Man wisse nicht mehr, was die anderen Parteien eigentlich wollten. Am 6. September wird in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt. Die AfD liegt in Umfragen zur Landtagswahl deutlich vorn. Siegmund ruft Sachsen-Anhalter zur Kontrolle bei Auszählung von Wahlergebnissen aufAfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund will nach eigenen Worten das Ergebnis der Landtagswahl am kommenden Sonntag in Sachsen-Anhalt auch dann akzeptieren, wenn seine Partei die absolute Mehrheit ganz knapp verfehlt. „Als Demokraten akzeptieren wir immer demokratische Ergebnisse“, sagte er auf eine entsprechende Frage der Deutschen Presse-Agentur bei dem Bundeskongress der AfD-Jugendorganisation „Generation Deutschland“ in Magdeburg. Er fügte hinzu, die Geschichte habe aber gelehrt: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“Siegmund verwies auf vereinzelte Unregelmäßigkeiten bei Wahlen in der Vergangenheit. „Wir reden hier nicht über Größenordnungen, aber es kann in Einzelfällen passieren“, sagte Siegmund. „Und deswegen werden wir diesen Strich darunter dann machen, wenn wir alle Informationen haben.“ Er mache keinem einen pauschalen Vorwurf. „Die allermeisten Kollegen aus den Kommunen in den ganzen Auszähllokalen machen einen sehr guten Job. Es geht um die ganz wenigen, die dann doch schwarze Schafe sind.“ Er empfehle jedem Sachsen-Anhalter, um 18.00 Uhr in sein Wahllokal zu gehen und dort mit auszuzählen, damit alles rechtssicher sei und es keine Vorhaltungen geben könne, sagte der AfD-Politiker. GD-Chef Hohm zieht einzigen Sachantrag zurück Der Vorsitzende der „Generation Deutschland“ Jean Pascal Hohm hat den einzigen Sachantrag des Bundeskongresses zurückgezogen. Die Resolution, die einen Europa-freundlicheren Ton anschlägt und sich für eine Reformierung des Euros statt seiner Abschaffung ausspricht, hätte offenbar keine Mehrheit bei den Delegierten gefunden. Ein auf dem Kongress eingebrachter Änderungsantrag forderte stattdessen eine Abschaffung des „identitätszerstörenden Euros“. Bevor es zu einer Abstimmung kam, zog Hohm den Antrag zurück. Er sagte in seinem entsprechenden Antrag zur Geschäftsordnung, er wolle den Bundeskongress nicht mit einer knappen Abstimmung beenden.AfD-Spitzenkandidat Siegmund: „Blutwurstkoalition“ oder ein AfD-MinisterpräsidentSpitzenkandidat Ulrich Siegmund tritt in Magdeburg bei dem Bundeskongress der „Generation Deutschland“ auf. Alle jubeln und klatschen, obwohl es schon Nachmittag und die Luft in der Halle verbraucht ist. Doch die Delegierten und Besucher sind extra für den Einzug Siegmunds noch mal in die Halle gebeten worden. „Ulli, Ulli“, rufen die jungen AfD-Politiker, die Fäuste in die Luft gereckt. Als Siegmund es auf die Bühne geschafft hat, dauert es lange, bis der Jubel abklingt. Siegmunds erste Worte gehen darin fast unter. „Ulli, ich will ein Kind von dir!", ruft einer – „Das regeln wir später“, gibt Siegmund zurück.Siegmund sagt, er sei „auch nur ein ganz normaler Mensch“ und bedankt sich für den Rückenwind. Die vulgäre Rede des Landesvorsitzenden Reichardt lobt er als „klare Worte“. Die „Generation Deutschland“, so Siegmund, sei die Zukunft. „Wir sind eine Mannschaft.“ Siegmund bekräftigt, dass seine erste Amtshandlung als Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt die Kündigung des Medienstaatsvertrages sei. „Klar wird das juristisch kompliziert, aber wir sind Probleme gewöhnt.“ Er glaubt nach eigener Aussage fest daran, dass er in das Amt gewählt wird. Es gebe zwei mögliche Szenarien für die Landtagswahl am nächsten Sonntag: Erstens: „Wir werden diese Wahl knapp nicht schaffen – dann gibt es die erste Blutwurstkoalition“ von CDU bis Linke in Deutschland, die nicht halten werde. Zweitens: „Wir werden Geschichte schreiben und 45 Prozent holen!“ – Siegmund sagt, er ziehe die Gewissheit, dass das klappen werde, aus dem Wahlkampf, in dem Menschen stundenlang anstünden für ein Foto mit ihm. „Egal, was nächste Woche passieren wird: Ich will euch mitgeben, dass wir die Zukunft sind. “Ulrich SiegmundTim Demuth ist neues Vorstandsmitglied der „Generation Deutschland“Tim Demuth ist neues Mitglied des Bundesvorstands der „Generation Deutschland“ (GD). Ohne Gegenkandidaten erhielt er 87,7 Prozent. Er wurde zum Beisitzer der Jugendorganisation der AfD gewählt.Demuth folgt Kevin Dorow nach. Dieser musste zurücktreten – in der GD hat er jedoch einen guten Ruf. Als sein Name auf dem Bundeskongress zum ersten Mal genannt wird, applaudieren die Delegierten in Magdeburg lange, bis er aufsteht und sich verbeugt. Dorow wurde mit einer Ämtersperre für zwei Jahre belegt, nachdem er auf dem Gründungstreffen der GD eine Losung, die auch die Hitlerjugend verwendet hatte, zum „Leitstern“ der neuen Jugendorganisation der AfD erhoben hatte. Gegen ihn wird auch staatsanwaltlich ermittelt. Demuth nimmt in seiner Bewerbungsrede dann auch deutlich Bezug auf seinen Vorgänger Dorow: Der sei einer „unserer herausragendsten Vertreter“. „Anstatt echte Straftäter abzuschieben“ konzentrierten die Strafverfolgungsbehörden sich auf die „Sprachpolizei“, meint Demuth. Er ruft: „Wir lassen und doch nicht von irgendwelchen BRD-Apparatschicks aus ihren Amtsstuben erzählen, was wir zu denken haben.“ Er wolle in Dorows „große Fußstapfen“ treten und weist auch nach Europa. Gemeinsam mit internationalen Partnern müsse man gegen die „antiweiße Gesinnung“ in Brüssel vorgehen. Tim Demuth war schon in der aufgelösten „Jungen Alternative“ im baden-württembergischen Landesvorstand. Medienberichten zufolge ist er vernetzt mit internationalen rechtsextremen Gruppen. In einem Instagram-Beitrag zu seiner Bewerbung für den GD-Landesvorstandsposten schrieb Demuth am 5. Mai 2026: „Wir sollten uns professionalisieren – doch was bedeutet das überhaupt? Es bedeutet keinesfalls eine Mäßigung in Wort und Schrift oder gar Denkverbote, sondern vielmehr Disziplinierung, also das Einhalten von Etikette und das Wahren von Stil.“ Mehr Informationen zu den Ermittlungen gegen Dorow lesen Sie hier. GD-Vorsitzender Hohm für Wehrpflicht und starke Rüstungsindustrie Der Vorsitzende der „Generation Deutschland“ (GD), Jean Pascal Hohm, spricht auf dem Bundeskongress die Landtagswahl an. In Sachsen-Anhalt werde die AfD „Geschichte schreiben“, weil sie „zum ersten Mal Regierungsverantwortung übernehmen“ könnte. Hohm lobt nicht nur den Wahlkampf, sondern auch die „harte Arbeit“ der GD. Im September werde sie die Marke von 3000 Mitgliedern erreichen. Doch es komme immer wieder zu Angriffen, etwa beim „Tag der Deutschen Jugend“ in Schwerin Anfang August. „Ich erwarte von keinem, dass er sich für seine politische Überzeugung von der Antifa durch die Stadt prügeln lässt“, ruft Hohm durch den Saal. „Wer sich und seine Mitstreiter schützt, wird immer den Rückhalt der GD haben!“ Die Besucher applaudieren tosend. „Wir vermeiden, wo es möglich ist, die körperliche Auseinandersetzung“, setzt Hohm nach. „Aber eines ist auch klar: Wir sind keine Opfer, und wir lassen und auch nicht zu Opfern machen.“ Inhaltlich legt Hohm den Fokus auf die Migration. „Deutschland muss das Land der Deutschen bleiben, dieser Grundsatz ist nicht verhandelbar“, sagt er. „Millionen sind gegen unseren Willen, gegen Recht und Gesetz, in dieses Land gekommen, Millionen müssen dieses Land wieder verlassen!“ Wieder jubelt der Saal. Hohm positioniert sich jedoch teils auch anders, als manche in der Mutterpartei es bisher tun. So fordert er die Wiedereinsetzung der Wehrpflicht und eine starke deutsche Rüstungsindustrie – wenn auch nicht, „um Material an die Ukraine zu verschenken“. Deutschland solle wieder Verantwortung für Europa übernehmen. Das Land habe Europa geprägt, „meist im positiven Sinn“. Nun solle Europa nicht zum Spielball von Großmächten werden. „Es wird nie wieder werden wie es einst war, aber dass es besser wird, als es jetzt ist, und dass die ethnokulturelle Identität unseres Volkes erhalten bleibt, dafür werden wir kämpfen.“Jean Pascal HohmMehr ladenTickarooLive Blog Software
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