PfadnavigationHomeICONISTEssen & TrinkenFränkische KuriositätWasser kann jeder. Aus diesem Brunnen sprudelt BierVon Frank LorentzStand: 07:11 UhrLesedauer: 3 MinutenIn Franken nimmt man Bier ernst. So ernst, dass ein Dorf ihm gleich einen eigenen Brunnen gebaut hatQuelle: SimpleImages/Getty ImagesMitten in Frankens berühmter Weinregion steht ein ganz besonderer Brunnen: Zu besonderen Anlässen fließt hier Bier statt Wasser. Die Geschichte dahinter beginnt vor mehr als 350 Jahren.GoogleKlicken Sie hier, um sich Artikel von WELT in der Google-Suche bevorzugt anzeigen zu lassen.Jetzt aktivierenMan stelle sich eine Gruppe von Wanderern vor. Nach stundenlangem Marsch erreicht sie das fränkische Dorf Krautheim, das zu Volkach gehört. Auf einer Fläche von 500 Hektar wird in Volkach Wein angebaut, das macht die Stadt zum größten Weinort der Region. Hier entstehen so berühmte Tropfen wie der „Volkacher Ratsherr“ und der „Escherndorfer Lump“. Die Wanderer sind erschöpft, aber auch glücklich und vor allem sehr, sehr durstig. Als sie über die Krautheimer Landstraße spazieren, fällt ihr Blick auf einen steinernen, noch recht neu aussehenden Brunnen. Er hat die Form des Buchstabens L. Die Wanderer reiben sich die Augen: Aus dem Brunnen sprudelt Bier. Ja, Bier. Und nein: Das ist keine Fata Morgana.Der Krautheimer Bierbrunnen gilt als bundesweit einzigartig. Zum Verdruss so mancher Zeitgenossen sprudelt er nicht rund um die Uhr, sondern nur zu besonderen Anlässen. An diesem Wochenende zum Beispiel, denn da wird im Dorf Kirchweih gefeiert. Außerdem stößt man an auf 50 Jahre SV 76 Krautheim und 20 Jahre „Weißbier-Radweg“.Weinregion hin oder her: In Krautheim steht man auf Gerstensaft. Die Verbundenheit rührt daher, dass in dem Dorf seit 1654 die Privatbrauerei Friedrich Düll ein Bier namens Krautheimer braut. Als das Dorf ab 2010 erneuert und umgestaltet wurde, nutzte man die Gelegenheit, um der Biertradition mit dem Brunnen ein Denkmal zu setzen. 2022 ging er in Betrieb. Leider steigt das Getränk nicht wie Wasser aus den Tiefen des Bodens empor, sodass es sich beliebig abzapfen ließe. Ganz so märchenhaft ist die Geschichte nun auch wieder nicht.Die Konstruktion sieht vielmehr so aus: An der Vorderseite fließt Wasser aus einem – an einem Kupferbeschlag befindlichen – Hahn in ein Becken, so wie bei anderen herkömmlichen Brunnen auch. In der hitzegeplagten Gegenwart gibt es mehr Menschen denn je, die einen Schluck Wasser zu schätzen wissen. Seitlich am Brunnen ist ein zusätzlicher kupferner Beschlag angebracht, diesmal mit einem Zapfhahn versehen. Eine Tür lässt sich öffnen und ein 30-Liter-Fass hineinstellen. Fass anschließen, Tür zu, und schon strömt Pils oder Weiß- oder Kellerbier aus dem Zapfhahn.An dem seit Jahren sinkenden Bierabsatz in Deutschland konnte das innovative fränkische Ausschankverfahren nichts ändern. Doch es steht auch ziemlich alleine da. Um eine vergleichbare Gerstensaftquelle zu entdecken, muss man schon nach Slowenien fahren. In Žalec, einer Gegend mit langer Hopfenanbaugeschichte, sprudelt seit 2016 der Bierbrunnen „Zeleno zlato“, übersetzt: grünes Gold, womit der Hopfen gemeint ist. Sechs Bierhähne, sechs Biersorten: Davon können viele Kneipen nur träumen.Lesen Sie auchIn Deutschland wurde nur ein einziger Versuch bekannt, einen weiteren solchen Brunnen zu errichten. Die Satirepartei „Die Partei“ forderte einen 2023 in Solingen, im Rahmen eines Hitzeaktionsplans. Das Bier sollte gratis sein, so wie ja auch Wasser aus öffentlichen Trinkspendern nichts kostet. Ein Vertreter der Grünen bemerkte, der Vorschlag werde zu 90 Prozent umgesetzt, denn Bier bestehe zu 90 Prozent aus Wasser, und das sei an den öffentlichen Spendern auch weiterhin kostenlos. Der Stadtrat lehnte den Antrag ab. Für Bierbrunnenfans folgt daraus: Krautheim ist hierzulande alternativlos – nichts wie hin. Während der Brunnen dieses Wochenende auf Hochtouren Alkohol spendet, spielt das „Nudelberg Sextett“ Volksmusik. Wahrscheinlich bierernst.Unser Kolumnist Jan Weiler ist in den Sommerferien und meldet sich im September zurück. Bis dahin lesen Sie an dieser Stelle Geschichten aus dem Sommerloch.
Bier statt Wasser: Aus diesem Brunnen in Franken sprudelt Gerstensaft - WELT
Mitten in einer berühmten fränkischen Weinregion steht ein bundesweit einzigartiger Brunnen: Zu besonderen Anlässen fließt hier statt Wasser Bier. Dahinter steckt eine jahrhundertealte Dorftradition – und eine ziemlich ungewöhnliche Konstruktion.







