Nach der verheerenden Flutkatastrophe in Nepal und Tibet erschwert der Zustand der geborgenen Leichen zunehmend die Identifizierung der Opfer. Von 233 im Distrikt Chitwan an der Grenze zu Indien geborgenen Toten konnten bislang lediglich vier identifiziert werden, wie die dortige Bezirksverwaltung mitteilte. Viele der Opfer waren durch die Wucht der Flut viele Kilometer mitgerissen worden.Die Leichen und menschlichen Überreste verwesten zunehmend, sagte der zuständige Bezirksbeamte Ganesh Aryal. Gesundheitsexperten warnten deshalb vor einem möglichen Risiko für die öffentliche Gesundheit.Die Behörden ordneten nun an, vor der Bestattung jeweils DNA-Proben von den Toten und gefundenen Überresten zu nehmen und nicht identifizierte Opfer dann an einem Ort im nepalesischen Devghat beizusetzen. Die Entscheidung sei bei einem Treffen der zuständigen Behörden gefallen, teilte die Bezirksverwaltung mit.Unabhängig von den von Leichenteilen stammenden Erregern steigt in den Überflutungsgebieten das Risiko etwa für Durchfallerkrankungen. Überschwemmungen können Abwässer und Fäkalien in Trinkwasserquellen spülen, Latrinen können beschädigt, Kläranlagen überflutet sein. In Notunterkünften und provisorischen Camps kann es an Hygiene mangeln.Eine häufig bei solchen Naturkatastrophen verstärkt auftretende Krankheit ist die Cholera, verursacht vom Bakterium Vibrio cholerae. Schlamm erschwert Rettungsaktionen Unterdessen läuft die Suche nach Überlebenden weiter: Enorme Schlammmassen und Regenfälle im Flut-Katastrophengebiet an der Grenze zwischen China und Nepal erschweren den Rettungsteams die Bergungsarbeiten.„Der schwierigste Teil ist der abgelagerte Schlamm als Folge der Flutwelle“, sagte Armeesprecher Raja Ram Basnet in Battar Bazar in der an Tibet grenzenden Provinz Bagmati. Dadurch sei es sehr schwierig, Hubschrauber in den betroffenen Gebieten wie Temure, Syabrubesi und Mailung zu landen oder zu starten.Derzeit sind laut Basnet unter anderem 14 Rettungshubschrauber in der Region im Einsatz. Bis zum Freitagabend (Ortszeit) gab die Katastrophenschutzbehörde des Landes die Zahl der Geretteten mit mehr als 4400 Menschen an. Laut offiziellen Angaben vom Samstagvormittag (Ortszeit) wurden bislang 149 Ausländer gerettet. Hunderte Tote und Tausende Vermisste Insgesamt liegt die Zahl der Todesopfer nach der verheerenden Sturzflut am Mittwoch nach jüngsten Informationen aus China und Nepal bei 623. In Nepal wurden mehr als ein Drittel der Leichen Dutzende Kilometer vom Katastrophengebiet entfernt im Bezirk Chitwan entdeckt, der im Süden des Landes an der Grenze zu Indien liegt.Zusammengerechnet gelten laut Angaben der chinesischen und nepalesischen Behörden mehr als 2500 Menschen als vermisst, wobei Nepal mit 1924 Vermissten, darunter 517 Ausländer, deutlich mehr gemeldet hatte. Zerstörung überall: Viele Nepalesen im Sturzflut-Gebiet haben alles verloren. © REUTERS/Adnan Abidi Auch von einigen deutschen Staatsbürgern fehlt nach wie vor jede Spur. Das Auswärtige Amt erklärte am Abend auf Anfrage: „Laut unserem Kenntnisstand befindet sich zum aktuellen Zeitpunkt eine hohe einstellige Zahl deutscher Staatsangehöriger unter den Vermissten.“ Die Auslandsvertretungen in China und Nepal stünden mit Familienangehörigen und lokalen Behörden „im engen Kontakt“, hieß es aus Berlin weiter. Deutsche Familie in Sicherheit gebracht In Nepal hatte die Armee zuvor eine vierköpfige Familie aus Deutschland gerettet. Ein Hubschrauber hatte sie in das Armeecamp Battar Bazar gebracht, weil von ihrem Aufenthaltsort über den Landweg kein Weiterkommen mehr möglich war.Die Armee bringt auf dem Gelände kontinuierlich Personen mit Hubschraubern in Sicherheit, die teilweise von der Außenwelt abgeschnitten waren. Bei Katastrophen ist in Nepal hauptsächlich die Armee für Such- und Rettungsaktionen zuständig. Viele Häuser im Sturzflut-Gebiet sind und bleiben unbewohnbar. © REUTERS/Francis Mascarenhas Als eine weitere Hürde nannte der Armeesprecher bestehende Tunnel im Gebirge, in denen Menschen festsaßen. Am Freitagmorgen (Ortszeit) seien erst vier Personen aus den Tunneln gerettet worden. Vermutlich befänden sich in ihnen noch zahlreiche Menschen.In einem Video war zu sehen, wie die Armee zwei mit Schlamm überzogene Arbeiter lebend aus einem Tunnel an einem Wasserkraftwerk zogen. Die Männer wurden von den Rettern auf dem Rücken zu einem Hubschrauber getragen.Erschwert werden dürften die Arbeiten außerdem durch strömenden Regen in Nepal, wie ein dpa-Reporter am Samstag berichtete. Asien steckt derzeit noch in der normalerweise bis September dauernden Monsun-Regenzeit. Auch Chinas Meteorologen hatten Regenfälle für das Wochenende erwartet. Im chinesischen Staatsfernsehen waren Suchmannschaften zu sehen, die sich am Samstagvormittag (Ortszeit) im Einsatzgebiet im Südwesten Tibets durch Geröll und Schlamm kämpften. Gefahr durch angestauten See bleibt Die Chinesen suchen verstärkt um den Grenzübergang Gyirong nach Opfern. Die tödliche Flutwelle, die nach Expertenmeinung am Mittwoch in Nepal durch einen Gletschersturz ausgelöst worden war, hatte sich ihren Weg durch ein enges und steiles Flusstal gebahnt und dabei den Grenzposten völlig zerstört. Der Übergang liegt auf dem Hauptverkehrsweg für Tourismus und Handel zwischen Nepal und China.Sorge bereitet den chinesischen Rettungskräften nach wie vor ein See, der sich als Folge der Sturzflut oberhalb von Gyirong neu angestaut hat. Sollte das Wasser den Damm aus Geröll und Schlamm durchbrechen, könnte eine weitere Flut das Tal hinunter schießen.Der Leiter eines Erkundungsteams, das dort Mess- und Überwachungsgeräte aufstellte, beruhigt allerdings: Weil das Wasser aus dem See bereits natürlich abfließe, habe sich die Gefahr deutlich verringert, zitierte das chinesische Staatsfernsehen Chen Hanxiao. (dpa, Tsp)