Nach der verheerenden Sturzflut am Himalaya sind in Nepal bereits mehr als 350 Todesopfer geborgen worden. Bis Donnerstagnachmittag seien 359 Tote registriert worden, erklärte die nepalesische Polizei. Die chinesischen Behörden haben bisher drei Todesopfer in der Region Tibet bestätigt. Damit fielen der Katastrophe in beiden Ländern mindestens 362 Menschen zum Opfer. Hunderte weitere Menschen werden noch vermisst, darunter zahlreiche Touristen.Nach Angaben der nepalesischen Polizei werden Dutzende Verletzte in Krankenhäusern behandelt. Sowohl in Nepal als auch in China werden zusammengerechnet mehr als 1300 Personen vermisst. Darunter befinden sich den Angaben zufolge auch fast 580 Touristen, darunter auch Deutsche. Tausende Retter sind auf beiden Seiten im Einsatz, um Überlebende zu finden. Nepals Armee fliegt Überlebende aus Katastrophengebiet Die nepalesische Armee flog bereits Hunderte Menschen aus dem betroffenen Gebiet aus. Unter den 336 Menschen seien auch 45 Ausländer, teilte die Armee auf Facebook mit. Nach Informationen, die über 20 Ausländer vorlagen, waren 11 von ihnen aus Indien, 6 aus China, 2 aus den USA und 2 aus Italien, wie Armeesprecher Raja Ram Basnet der Deutschen Presse-Agentur sagte.Der Chef der nepalesischen Touristenpolizei, Bishow Raj Adhikari, bestätigte der Nachrichtenagentur dpa, Hunderte Touristen seien bislang nicht erreichbar. Nach Angaben von Trekkingagenturen befänden sich darunter acht deutsche Staatsangehörige. Das Auswärtige Amt erklärte auf Anfrage, dass die deutsche Botschaft in Kathmandu mit den lokalen Behörden in engem Kontakt stehe. Eine Drohnenaufnahme zeigt, wie Schlamm die Gebäude nach verheerenden Überschwemmungen in Trishuli im Distrikt Nuwakot, Nepal, überdeckt. © AFP/Prabin Ranabhat Viele Tote wurden demnach viele Kilometer flussabwärts an der Grenze zu Indien entdeckt – und waren offenbar von den Fluten extrem weit mitgerissen worden. Ein Polizeisprecher sagte der Deutschen Presse-Agentur, teilweise seien nur Leichenteile gefunden worden. Hilfsangebote aus dem Ausland Aus dem Ausland kamen zahlreiche Beileidsbekundungen. Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) sprach den Betroffenen und Rettungskräften in der Region auf X sein Mitgefühl aus. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) signalisierte Nepal Deutschlands Bereitschaft zur Unterstützung. UN-Generalsekretär António Guterres sagte der Regierung in Nepal Hilfe durch Teams der Vereinten Nationen zu.Die USA sagten Nepal Hilfe mit Notunterkünften, frischem Wasser und anderen Hilfsgütern zu. Insgesamt belaufe sich die Katastrophenhilfe auf 500.000 US-Dollar (rund 430.000 Euro), teilte das Außenministerium mit.EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen versprach, europäische Unterstützung zu mobilisieren. Der Erdbeobachtungsdienst Copernicus sei zur Kartografierung der betroffenen Gebiete aktiviert worden, schrieb sie auf X.Die indische Regierung flog nach eigenen Angaben bislang 47,5 Tonnen Hilfsgüter nach Nepal, darunter Medikamente, Zelte, Decken, Solarlampen und Lebensmittel. Weitere Unterstützung werde geprüft, unter anderem der Einsatz von Behelfsbrücken für die Rettungsarbeiten. Ein beliebtes Wandergebiet für Besucher aus aller Welt Das Gebirge an der Grenze zwischen Zentralnepal und dem Südwesten Tibets gilt als beliebtes Wandergebiet. Am Mittwoch hatte es noch geheißen, 484 Touristen, darunter mehr als 290 Ausländer, etwa aus Deutschland, den USA und Spanien, würden vermisst. In Polizeikreisen wurde zu der Zeit bereits befürchtet, die Zahl der Vermissten könnte in die Tausende gehen.Empfohlener redaktioneller Inhalt An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden. Externen Inhalt anzeigen Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können. Die Angaben basierten dabei auf vorläufigen Zahlen von Reise- und Trekkingagenturen, die Touren durch die betroffene Region organisieren. Der Großteil der vermissten Touristen stammt demnach aus dem Nachbarland Indien (133). Zudem würden auch 47 US-Amerikaner, 34 Australier und 33 Briten vermisst. Auch acht Südkoreaner, die bei einem Wasserkraftwerk in dem Gebiet arbeiteten, werden vermisst, wie die Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf das Außenministerium in Seoul meldete. Große Zerstörungen Nach Berichten der Zeitung „The Kathmandu Post“ und anderer nepalesischer Medien richteten die Wasser- und Schlammmassen große Zerstörungen in Ortschaften und an Infrastruktur entlang des Flusses Bhotekoshi an, der im Hochland von Tibet entspringt und die nepalesische Provinz Bagmati durchfließt. Unter anderem seien Häuser und Brücken weggespült oder beschädigt worden. Eine Videoaufnahme zeigt Menschen, die fliehen, während eine Schlamm- und Wasserlawine Gebäude in einem Tal an der Grenze zwischen Nepal und China – in Gyirong in der chinesischen Region Tibet – zerstört. © REUTERS/Social Media Nepals Regierungschef Balendra Shah kündigte am Mittwoch den Einsatz der Armee und weiterer Sicherheitskräfte für die Rettungsmaßnahmen an. Armeeangaben zufolge sind 4000 Soldaten an den Such- und Rettungsmaßnahmen beteiligt und leisten notfallmedizinische Hilfe. Die Behörden gaben für die flussabwärts gelegenen Gebiete in dem Himalaya-Staat eine Katastrophenwarnung heraus. Sie soll zunächst drei Monate dauern, berichtet „Sky News“. Dieser Standbildausschnitt aus einer von der nepalesischen Polizei bereitgestellten Aufnahme (UGC) zeigt Fluten, die sich am 26. August 2026 nach Sturzfluten im Distrikt Rasuwa durch den Fluss Bhote Koshi wälzen. © AFP/-UGC Die britische BBC berichtet von Aufnahmen aus Tibet, auf denen zu sehen ist, wie eine Wasser- und Schlammwand auf Gebäude an einem Grenzübergang trifft. Weitere Bilder aus Nepal zeigten Menschen, die verzweifelt vor der herannahenden Flutwelle zu fliehen versuchten. Was hat die Sturzflut in Nepal ausgelöst? Die verheerende Sturzflut in Nepal ist nach Angaben der US-Erdbebenwarte USGS von einem Gletscherabbruch ausgelöst worden. Die USGS, die zunächst ein Erdbeben als Ursache für das Unglück vermutet hatte, erklärte am Donnerstag, die gemessene seismische Aktivität sei auf die abgehende Eis- und Gerölllawine zurückzuführen gewesen.Empfohlener redaktioneller Inhalt An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden. Externen Inhalt anzeigen Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können. Die USGS hatte am Mittwochmorgen zunächst ein Erdbeben der Stärke 4,4 nahe der Grenze zwischen Nepal und China gemeldet. Am Donnerstag erklärte sie dann, in der Grenzregion habe sich am Mittwoch um 8.37 Uhr Ortszeit „ein seismisches Ereignis der Stärke 5,2 ereignet“. Weitere Analysen hätten ergeben, dass es dabei nicht um ein Erdbeben gehandelt habe, sondern um einen Gletscherabbruch mit anschließender Eis- und Gerölllawine und „katastrophalen Folgen“.Auch das Internationale Zentrum für integrierte Bergentwicklung (Icimod) in Kathmandu geht davon aus, dass eine Lawine aus Eis und Geröll von einem Gletscher die Sturzflut auslöste. Die Lawine habe erst den Fluss Lhende blockiert und dann die gigantische Flutwelle freigesetzt, sagte der Icimod-Experte Saswata Sanyal.Wissenschaftler sehen den Klimawandel als einen entscheidenden Treiber für derartige Ereignisse. Die Erderwärmung schaffe Bedingungen, die Fels und Eis im Hochgebirge destabilisierten, erklärte Simon Cox vom Forschungsinstitut Earth Sciences New Zealand. Dies mache Zusammenbrüche und kaskadenartige Gefahren häufiger. China warnt vor Risiko durch neuen See Auf nepalesischer Seite habe sich durch die Sturzflut an einer Flussmündung ein Stausee gebildet, berichtete das chinesische Staatsfernsehen unter Berufung auf das Ministerium für Wasserressourcen, es bestehe das Risiko eines Dammbruchs. In dem neuen See hätten sich bereits zwei Millionen Kubikmeter Wasser gesammelt, weitere drei Millionen Kubikmeter könnten hinzukommen. Der See sei auch schon übergelaufen, hieß es. Ein am 27. August 2026 aufgenommenes Drohnenfoto zeigt einen Stausee, der sich nach einem Schlammlawinenabgang in Nepal gebildet hat. © imago/Xinhua/Li Jian Im Staatsfernsehen liefen Aufnahmen aus der Luft, die den See zeigten. Dieser soll nahe dem von der Sturzflut dramatisch überspülten Grenzposten Gyirong, doch noch auf dem Gebiet Nepals liegen. Die Behörden überwachten die Lage weiter und führten Berechnungen durch, hieß es. Vermisste auch im Südwesten Tibets Die Zahl der Vermissten auf chinesischer Seite hatte sich zuvor bereits auf mehr als 550 Menschen verdoppelt, darunter 260 Ausländer, wie das chinesische Staatsfernsehen berichtete. Chinas Staatsmedien meldeten bislang nur drei Todesopfer in dem betroffenen Kreis in Tibet.Die Schlammlawine habe die Straßen zu dem Grenzübergang sowie die Stromzufuhr und Kommunikationsverbindungen abgeschnitten, berichtete Chinas staatliche Nachrichtenagentur Xinhua. Videoaufnahmen in sozialen Medien und Fotos zeigten, wie die braunen Schlammmassen das Flusstal überspülten. China entsandte demnach zahlreiche Rettungskräfte mit schwerem Gerät in das Gebiet, rief eine erhöhte Katastrophenwarnstufe aus und stellte der Region Hilfsgelder zur Verfügung.Empfohlener redaktioneller Inhalt An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden. Externen Inhalt anzeigen Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können. Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping forderte, die Vermissten mit allen Mitteln zu suchen und Menschen in der Region in Sicherheit zu bringen, wie Xinhua meldete. Weiterhin soll er gefordert haben, das Frühwarnsystem zu stärken.Xi gibt solche Anweisungen in der Regel nur bei besonders schweren Unglücken. Zudem schickte er mit dem stellvertretenden Ministerpräsidenten Zhang Guoqing einen ranghohen Kader der Kommunistischen Partei in die betroffene Region, um die Rettungsmaßnahmen zu überwachen.Laut einem BBC-Reporter handelt es sich um die verheerendste Katastrophe in Nepal seit dem Erdbeben von 2015. Damals kamen 9000 Menschen ums Leben. (Tsp, AFP, Reuters, dpa)