Die Mehrheit der Deutschen befürwortet die bundesweite Einführung eines sogenannten Mietendeckels. Dies geht aus einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey hervor, die dem Tagesspiegel vorliegt.Demnach stehen 55,5 Prozent der Befragten einer deutschlandweiten Begrenzung der Mietpreise positiv gegenüber, 33,9 Prozent lehnen eine solche Regelung ab. 10,6 Prozent zeigen sich unentschlossen.Luigi Pantisano, Co-Vorsitzender der Linken, sieht sich bestätigt: „Die gesellschaftliche Mehrheit ist da, die rechtliche Möglichkeit ist da“, sagte er dem Tagesspiegel. „Was fehlt, ist der politische Wille dieser Bundesregierung.“ Luigi Pantisano, Bundesvorsitzender der Linkspartei. © dpa/Bernd von Jutrczenka Am Donnerstag hatte seine Partei ein neues Modell für eine stufenweise regulierte Mietpreise auf Bundesebene vorgestellt. Demnach sollen sich, nach einem sofortigen „Mietenstopp“ in angespannten Wohnungsmärkten, die zulässigen Mieten an einer neu zu berechnenden „echten Durchschnittsmiete“ orientieren. Liegt eine Miete darüber, soll sie auch bei bestehenden Mietverträgen auf diesen Durchschnittswert abgesenkt werden können.Zeitgleich legte die Linke ein Rechtsgutachten des Regensburger Professors Thorsten Kingreen vor, der den Vorstoß für verfassungskonform hält – zumindest, wenn der jeweilige Wohnungsmarkt nachweislich unter Druck steht. Vier von fünf SPD-Wählern für Mietendeckel Im April 2021 hatte das Bundesverfassungsgericht den Berliner Mietendeckel gestoppt, den ein Jahr zuvor der damalige rot-rot-grüne Senat erlassen hatte. Die Begründung der Karlsruher Richter: Einem Bundesland fehle die Gesetzgebungskompetenz für Mietrecht.82,3Prozent der SPD-Wähler wünschen sich laut Umfrage einen bundesweiten MietendeckelBauministerin Verena Hubertz (SPD) wies den Linken-Vorschlag am Freitag hingegen als unrealistisch zurück: „Dinge müssen auch umgesetzt werden können, brauchen Mehrheiten, und deswegen ist das keine Option“, sagte sie der dpa. Derlei Vorschläge müssten auch in der Realität praktikabel sein, so Hubertz weiter. Das vermisse sie beim neuesten Linken-Vorstoß. Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) hält einen Mietendeckel für keine realistische Option. © IMAGO/Bernd Elmenthaler/IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler Laut den Civey-Zahlen sehen die Anhänger ihrer Partei das jedoch anders. Demnach zeigen sich SPD-Anhänger besonders offen für einen Mietendeckel: 82,3 Prozent der befragten SPD-Wähler befürworten dessen Einführung.Sogar unter Sympathisanten der Union findet das Vorhaben eine Mehrheit. Von ihnen würde etwas mehr als die Hälfte, nämlich 50,2 Prozent, ein solches Instrument begrüßen. Weitere 13,5 Prozent zeigten sich unentschlossen.Die Äußerungen der Bauministerin zeigen deutlich, wie weit diese Bundesregierung an den Bedürfnissen der Menschen vorbeiregiert.Linken-Chef Luigi PantisanoIm gesamten politischen Spektrum lehnen lediglich die Anhänger zweier Parteien das Vorhaben ab: unter AfD-Wählern sind es 58,1 Prozent und unter FDP-nahen Befragten gar 73,9 Prozent. „Die Äußerungen der Bauministerin zeigen deutlich, wie weit diese Bundesregierung an den Bedürfnissen der Menschen vorbeiregiert“, sagt Linken-Chef Pantisano vor diesem Hintergrund dem Tagesspiegel. „Die SPD und ihre Minister entkernen sich politisch selbst.“ Wirtschaftsexperten warnen Wirtschaftsexperten warnen hingegen vor der Einführung eines bundesweiten Mietendeckels. Das Wirtschaftsforschungsinstitut DIW kam etwa bei einer Untersuchung der Auswirkungen des Berliner Mietendeckels zu dem Schluss, dass die Mieten zwar tatsächlich gesunken seien. Gleichzeitig habe sich das Angebot an Mietwohnungen am Markt allerdings halbiert.Auch der Bau neuen Wohnraums habe in jenem Zeitraum gestockt, heißt es in der DIW‑Untersuchung. Potenziellen Vermietern habe schlicht der finanzielle Anreiz gefehlt.