Die bedeutende politische Philosophin Hannah Arendt beschreibt in ihrem Hauptwerk „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“, wie Verlassenheit, Orientierungslosigkeit und der Verlust gemeinsamer politischer Wirklichkeit Menschen für totalitäre Bewegungen empfänglich machen.
Überforderung kann also das Bedürfnis nach einfachen Erklärungen und eindeutiger Führung verstärken. Die 1951 erschienene Analyse ist gerade heute wieder nachvollziehbar und aktuell.
Überforderung als Grundbedingung der Angst
Denn Vereinzelung und Vereinsamung vieler Menschen in der Gegenwart in Deutschland führen zum Verlust von einst gelebter Gemeinschaft. Nicht nur die gesellschaftliche Bindekraft lässt nach, die es in der alten Bundesrepublik oder in der DDR durchaus noch gegeben hat. Die Kneipe und das Wirtshaus um die Ecke, die alten Eltern im eigenen Haus, die intakte Dorf- oder Kiezgemeinschaft und ein halbwegs gesicherter Arbeitsplatz sind vielerorts weggefallen und nicht durch gleichwertige Solidarwesen ersetzt worden.
Erschwerend erfährt der Bürger nicht nur seine eigene Überforderung angesichts der sich türmenden Herausforderungen. Sondern auch die eigentlichen „Lösungsanbieter“, die Politik und die Exekutive, fallen ihrerseits auf durch offensichtliche Überforderung. Das führt zu zunehmendem Verdruss beim Souverän.






