Der große polnische Soziologe Zygmunt Bauman hat zum Phänomen des Gefühls der „Angst“ Entscheidendes gesagt. Hätten früher Menschen eher konkrete Ängste vor Krieg und Hunger, so sei die moderne Angst diffuser. Diverse Unsicherheiten stünden im Vordergrund. Zusammengefasst sagt Bauman deutlich: Die größte Angst der Moderne ist die Angst, überflüssig zu werden.

Aufruf zu mehr Regulierung

Diese Furcht bemerken wir, schauen und hören wir genau hin, gerade an dem derzeitigen Kampf der Politik gegen die Macht der sozialen Medien. Wir können von einer Kampagne sprechen. Gerade hat die Langzeit-Bundeskanzlerin Angela Merkel in Straßburg von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (67) den Europäischen Verdienstorden mit dem höchsten Rang erhalten. Sie wurde insbesondere wegen ihrer Führungsautorität geehrt. Auch heute noch hat ihr Wort Gewicht, ihr Buch „Freiheit“ wurde hunderttausendfach verkauft.

Also hört man hin, wenn sie sich zu aktuellen Themen äußert. Und was tat die ehemalige Kanzlerin? Sie nutzte in ihrer Rede die Gelegenheit zu einem Angriff auf die sozialen Medien. Mehr Regulierung sei bei diesen und bei Künstlicher Intelligenz nötig, denn die Grundlage der Demokratie werde untergraben, würde man Lügen nicht zur Rechenschaft ziehen. Sie fügte dramatisierend hinzu: Europas Aufklärung sei durch die sozialen Netzwerke gefährdet, wenn „Fakten nicht mehr Fakten sind“ und „Wahrheiten Lügen genannt werden können“.