Kaum hat man begriffen, dass weite Jeans wieder angesagt sind, erklärt uns das Internet, sie seien schon wieder peinlich. Jetzt komme die Skinny Jeans, wird da behauptet. Die Mode ist heute demokratischer als je zuvor – und genau da liegt das Problem.

Es gab einmal eine Zeit, da hatte die Mode gesetzte Jahreszeiten. Im Frühjahr kam etwas Pastelliges, im Herbst Beerentöne, und irgendwann sagten ein paar Modemacher und eine Zeitschrift in Paris, dass Röcke jetzt kürzer oder länger werden. Dann wartete man, bis dieser neue saisondefinierende Trend in die Läden kam und trug es mehrere Monate. Heute reicht es, morgens fünf Minuten auf TikTok zu verbringen, und einem wird vorgehalten, dass man bereits drei modische Leben verpasst hat.

„Coastal Grandmother“ ist durch. „Clean Girl“ ist längst over. „Mob Wife“ war ohnehin nur ein Leopardenschal mit PR-Abteilung. „Gorpcore“, „Normcore“, „Tenniscore“ oder irgendein anderes Core wurden abgelöst vom neuen trendigen Buzzword „-maxxing“. Wer sich heute eine Strickjacke anzieht, betreibt vermutlich bereits Cardigan-Maxxing. Schnell finden sich bei Instagram und TikTok Jünger jeder neuen Stilreligion, die den neuen Trend kopieren und hypen.

Alle dürfen mitmachen – keiner darf bestimmen