Ich kann es nicht mehr hören: „Das hatten wir damals auch schon an“, tönt es mir regelmäßig von der Generation 40 Plus entgegen, wenn sie meine Low Waist Jeans oder meinen Alexander McQueen Skull Scarf erblicken. Sie haben dann diesen ganz bestimmten Blick drauf: irgendwas zwischen Nostalgie und Überlegenheit – zumindest bilde ich mir das ein.Je öfter ich diesen Kommentar hörte, desto mehr stellte sich bei mir ein Gefühl der Identitätskrise ein: Ist die Gen Z etwa eine Generation ohne eigenen Modestil? Tatsächlich fällt es mir schwer, eine modische Innovation zu benennen, die stellvertretend für unser heutiges Modezeitalter stehen könnte. Alles ist eine Referenz, ein Zitat, eine Kopie – oftmals eine schlechte.

Der rote Teppich als Archiv-Museum

Bei den kürzlichen Filmfestspielen in Cannes erschien Model und Gen Z-Stilikone Bella Hadid in einem Häkelkleid, das einen Auftritt von Jane Birkin auf ebenjenem Festival von 1969 zitierte. Modische Referenzen auf den roten Teppichen gehören in den letzten Jahren zum Lieblings-Promo-Einmaleins der Prominenten.Während Birkins Kleid hippieesk, luftig und locker saß, ist Hadids Version des französischen Modehauses Schiaparelli von 130 Mitarbeitern in insgesamt 22.160 Stunden penibel auf ihren Traumkörper zugeschnitten worden. Weg das verträumte, französische Flair – stattdessen ein enganliegendes Dress, optimiert für Klickzahlen. Statt eine modische Huldigung in dem Look zu sehen, sah ich eine Dystopie.