Die Umfragen in Sachsen-Anhalt beunruhigen viele Unternehmer und Wirtschaftsführer im Land. Was das für mögliche Konsequenzen für Firmen und Arbeitsplätze, aber auch für das Ansehen des Landes und die Rückwirkungen auf die Bundesregierung bedeutet, erklärt Unternehmer Christof Engelke, Mühlenbetreiber und Vizevorsitzender der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie.WirtschaftsWoche: Herr Engelke, Sie sind seit Jahren als Unternehmer in Sachsen-Anhalt tätig. Wie blicken Sie auf die Landtagswahl in zwei Wochen?Christof Engelke: Ich kenne die Umfragen, aber ich verstehe sie nicht. Die Landesregierung und insbesondere Ministerpräsident Sven Schulze hat für die Bürger und auch für die Unternehmen hervorragende Arbeit geleistet und mir ist es wirklich ein Rätsel, warum 40 Prozent sagen, dass sie AfD wählen wollen.Würde ein AfD-Sieg Ihrem Unternehmen schaden?Ob es unserer Firmengruppe betriebswirtschaftlich schadet, weiß ich noch nicht. Aber volkswirtschaftlich wäre eine AfD-Regierung von Nachteil. Zum einen wegen der Abschottungspolitik, die für eine Exportnation wie Deutschland extrem schädlich ist. Und zum anderen wäre das auf allen Ebenen enorm rufschädigend. Wer investiert noch in ein Land, in dem eine rechtsextreme Regierung sich ausprobieren will?Foto: PR/BVE Zur Person Familienunternehmer Christof Engelke betreibt Getreidemühlen an mehreren Standorten und engagiert sich als Vizevorsitzender der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie.Was ist Ihre größte Sorge?Dass Sachsen-Anhalt abgehängt wird und wir persona non grata werden. Wir haben eine sehr gute Agrarstruktur, eine sehr gute, aus der Landwirtschaft resultierende, verarbeitende Industrie und wir haben moderne Chemiebetriebe. Volkswirtschaftlich sind wir für ein so kleines Land hervorragend aufgestellt. Aber das könnte alles gefährdet werden, wenn die Investoren uns meiden und wir den Anschluss an die anderen Bundesländer verlieren. Wer will denn dann noch dahin ziehen?Haben Sie in Ihrem Unternehmen Mitarbeiter aus dem Ausland oder Menschen mit Migrationshintergrund?Ja, natürlich, ohne die funktioniert die deutsche Volkswirtschaft nicht mehr. Rund zehn Prozent unserer Belegschaft kommen aus dem Ausland oder haben familiäre Wurzeln in anderen Ländern. Und eines gilt doch für ganz Deutschland: Ohne ausländische Arbeitskräfte können wir einpacken – und ich rede nicht nur über Fachkräfte, sondern generell über Menschen, die die Arbeit machen. Wir haben doch schon Probleme, jemanden zu finden, der im Betrieb den Hof kehrt.