PfadnavigationHomePolitikDeutschlandAfD-Ziele unter der Lupe„10.000 Arbeitsplätze weg, 1600 Euro pro Kopf weniger“ – Wirtschaftsexperten warnen vor AfD-PlänenStand: 07:50 UhrLesedauer: 4 MinutenBeim IHK-Wahldialog in Halle-Dessau standen Spitzenpolitiker Sachsen-Anhalts zu Wirtschaftsthemen Rede und Antwort. WELT-Politikredakteur Nikolaus Doll war live vor Ort: „Viele Antworten haben mich nicht überzeugt.“Was passiert, wenn die AfD ihre wirtschaftspolitischen Vorstellungen in Ostdeutschland umsetzt? Ökonomen warnen vor weniger Wachstum, einer wachsenden Finanzierungslücke und Problemen bei Fachkräften. Ein Überblick der Einschätzungen.Rolle rückwärts bei Energie- und Klimapolitik, massive Steuerkürzungen und Vorrang für deutsche Fachkräfte: Die wirtschaftspolitischen Pläne der AfD vor den Landtagswahlen in Ostdeutschland senden aus Sicht von Ökonomen ein fatales Signal an Investoren, Wissenschaft und Arbeitnehmer aus dem Ausland. Experten halten die Ideen zudem für realitätsfern und nicht finanzierbar. Ein Überblick:Bei einer AfD-Regierung könnte Sachsen-Anhalt laut dem Wirtschaftexperten Reint Gropp ein Rückgang des Wirtschaftswachstums drohen. „Fremdenfeindliche Politik ist schlecht für die Wirtschaft. Vorläufige Schätzungen zeigen, dass das Wirtschaftswachstum in Sachsen-Anhalt um etwa ein halbes bis ein Prozent pro Jahr sinken könnte“ sagte der Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH) der „Süddeutschen Zeitung“. Lesen Sie auchDas derzeitige Wirtschaftswachstum in Sachsen-Anhalt kommt demnach durch Zuwanderung zustande. Die Zahl deutscher Beschäftigter sei rückläufig. „Wir können den Mehrwert, den Zuwanderer kreieren, nach bestimmten Jobs und Branchen sortieren“, erläuterte Gropp. „Dieser Mehrwert würde dann wegfallen.“ Betroffen seien viele Branchen. Hoch sei der Anteil ausländischer Beschäftigter mit 33 bis 40 Prozent in der Lebensmittelherstellung, im Baugewerbe, in der Gastronomie und in der Logistik. Das IWH hat die Entwicklungen in anderen Regionen untersucht, in denen rechtsextreme Parteien an die Macht kamen, darunter Sonnenberg in Thüringen mit einem AfD-Landrat, Großbritannien nach dem Brexit und norditalienische Gemeinden, die von der Lega Nord regiert werden. „In den von uns untersuchten Gegenden hat die Zuwanderung abgenommen“, sagte Gropp. „So etwas können wir dann auch in Sachsen-Anhalt erwarten.“Es sei eine „irregeleitete völkische Idee“, dass die AfD in Sachsen-Anhalt keine Ausländer haben wolle und dann alles besser werde. Damit schaffe die Partei eine Atmosphäre, „in der die Leute nicht mehr unterscheiden können zwischen guten Ausländern und sogenannten bösen Flüchtlingen“. Eine solche Atmosphäre hätte „riesige Auswirkungen“ auf die ausländische Bevölkerung allgemein: „Pflegepersonal, Ärzte, im Baugewerbe – viele würden sich überlegen, ob sie nicht lieber woanders arbeiten wollen.“Lesen Sie auchDie AfD argumentiert, dass ausländische Fachkräfte in Deutschland geborenen Arbeitnehmern die Jobs wegnehmen würden, und setzt auf Anreize für „deutsche“ Fachkräfte. In Mecklenburg-Vorpommern sollen Leistungsträger, die das Bundesland verlassen haben, durch „Rückgewinnungsprogramme“ zur Rückkehr ermuntert werden.Lesen Sie auch„Ich weiß nicht, wo diese Deutschen herkommen sollen“, sagte dazu IWH-Präsident Gropp. Vielmehr gebe es „gut ausgebildete Deutsche, die nicht mehr nach Sachsen-Anhalt gehen würden“.2,2 Milliarden Finanzlücke laut IWHDie AfD in Sachsen-Anhalt verspricht umfangreiche neue Sozialleistungen, Steuer-Senkungen und den Verzicht auf neue Schulden. Dem IWH zufolge ist der Abstand zwischen bezifferbaren Kosten des Wahlprogramms und seiner bezifferbaren Gegenfinanzierung groß. Demnach liegt die Finanzlücke bei mindestens 2,2 Milliarden Euro pro Jahr.Bei einem Gesamt-Haushalt von 15 Milliarden Euro seien die AfD-Vorhaben „nicht finanzierbar“, sagte Gropp der Nachrichtenagentur AFP. Angesichts der „Riesen-Finanzierungslücke“ seien die Pläne „wirtschaftspolitisch irrelevant“: „Sie werden nicht umgesetzt werden.“ Viele Dinge könne die AfD auch gar nicht umsetzen „wie eine Abkehr von erneuerbaren Energien oder das Bürgergeld, das ohnehin vom Bund kommt“. Der AfD gehe es vielmehr um Symbolpolitik.Rolle rückwärts bei Energie „komplett kontraproduktiv“Sowohl in Sachsen-Anhalt als auch in Mecklenburg-Vorpommern will die AfD die Energiewende zurückdrehen. Für Gropp „komplett kontraproduktiv“. Für Investoren sei Sachsen-Anhalt neben den „riesigen Flächen“ vor allem wegen des hohen Anteils an erneuerbaren Energien als Standort attraktiv.Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern sind bei erneuerbaren Energien Vorreiter in Deutschland. In Sachsen-Anhalt kommen nach amtlichen Angaben rund 61,5 Prozent des erzeugten Stroms aus diesen Quellen. In Mecklenburg-Vorpommern sind es sogar deutlich mehr als 80 Prozent. Beide Länder liegen damit deutlich über dem Bundes-Schnitt von 53,3 Prozent im ersten Quartal 2026.Lesen Sie auchNach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) sei das Paradoxe am derzeitigen Zulauf für die AfD, dass ausgerechnet Regionen mit hohem Stimmenanteil für die Partei besonders stark unter einer rechtspopulistischen Regierung leiden würden. Das DIW hat untersucht, welche Folgen es bundesweit hätte, wenn die AfD ihr Wahlprogramm tatsächlich umsetzen würde – darunter ein Ausstieg aus der EU und dem Euro. Demnach träfe diese Politik insbesondere die Menschen in Sachsen-Anhalt hart.Anfällig wären vor allem Regionen mit einer kleinteiligen Wirtschaft und vielen Beschäftigten mit geringerer Qualifikation – jene Gegenden also, in denen die Rechtspopulisten besonders erfolgreich sind.Durch die von der AfD geforderte Politik würden Menschen in Sachsen-Anhalt „im Durchschnitt jährlich rund 1600 Euro pro Kopf an Einkommen verlieren“, schreibt DIW-Präsident Marcel Fratzscher. „Zudem könnten rund 10.000 Arbeitsplätze verloren gehen.“AFP/dpa/nw
AfD-Ziele unter der Lupe: „10.000 Arbeitsplätze weg, 1600 Euro pro Kopf weniger“ – Wirtschaftsexperten warnen vor AfD-Plänen - WELT
Was passiert, wenn die AfD ihre wirtschaftspolitischen Vorstellungen in Ostdeutschland umsetzt? Ökonomen warnen vor weniger Wachstum, einer wachsenden Finanzierungslücke und Problemen bei Fachkräften. Ein Überblick der Einschätzungen.















