Der Untergang der Fußballwelt, wie wir sie kennen, fällt bis auf Weiteres aus. Das Schisma ist abgesagt. Die Union Europäischer Fußballverbände (UEFA) kassiert ihre Boykottdrohung ein. Die Meldung hatte schon die Runde gemacht, da waren die Mitglieder der UEFA-Exekutive noch gar nicht im Fürstentum Monaco eingetroffen.Das Treffen dort, ein Amuse-Gueule mit ironischer Note, fand anlässlich der EDV-gestützten Konkretisierung des Champions-League-Contents für den nun beginnenden Fußballherbst statt, die landläufig unter dem Euphemismus Auslosung bekannt ist. Zu jenem Zeitpunkt also, an dem sich das verlässlichste Roulette der Welt zu drehen beginnt: das ganz große Rad, das die Reichsten der Reichen im Vereinsfußball garantiert noch ein bisschen, nein, sehr viel reicher macht, wenn Europas Fußballmaschinerie auf allen Zylindern feuert.Zurück zur Nachricht: Von der Fédération Internationale de Football Association (FIFA) sei garantiert worden, wusste nun alle Welt, dass Ideen wie jene von FIFA-Präsident Gianni Infantino, Anteile an der Fußball-Weltmeisterschaft an Investoren zu veräußern, von jetzt an auf alle Tage in Schubladen Staub ansetzen. Also gebe es auch keinen Grund, weiter mit Boykott von FIFA-Turnieren zu drohen. Konkret: Europa nimmt an der Weltmeisterschaft der U20-Juniorinnen teil, die kommende Woche in Polen beginnt.Europas Teams spielen doch mitInfantinos Versuch, den Deal auf die Schnelle, im Windschatten der zu Ende gehenden Trump-WM durchzudrücken, scheiterte krachend. Seine Präsidentschaft ist darüber in eine bedrohliche Krise geraten. Gleichwohl hatte die UEFA Anfang des Monats gefordert, es sei sicherzustellen, dass „derartige Versuche, den Fußball auf diese Weise zu entstellen, niemals wieder unternommen werden“. Gut drei Wochen später spielen Europas Teams bei FIFA-Wettbewerben nicht wieder mit, sondern weiterhin.Das bedeutet erstens: Infantinos FIFA hat einen weiteren taktischen Rückzug antreten müssen. Zweitens: Der Kampf um die Macht im Weltfußball zieht sich in die Länge. Die UEFA will Infantino in der Schweiz wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung vor Gericht bringen, in Florida wurde die Herausgabe von Dokumenten gerichtlich beantragt. Der FIFA-Präsident soll weiter zum Amtsverzicht gedrängt werden. Doch wie der Machtkampf ausgeht, bleibt bis auf Weiteres ungewiss. Während sich die Europäer in Monaco trafen, veröffentlichte der saudische Verband ein Statement. Die Gastgeber der WM 2034 stehen einstweilen weiter hinter Infantino.Damit ist mitnichten gesagt, dass Riad am 18. März beim FIFA-Kongress in Rabat immer noch in Infantinos Lager steht, sollte sich der FIFA-Präsident bis dahin halten. Dass die Saudis ihm für den Moment den Rücken stärken, zeigt aber: Nicht nur das Schisma der Fußball-Welt ist abgesagt, auch Infantinos Sturz, bisweilen schon als Faktum antizipiert, ist keine Gewissheit. Die Koalition, die sich jüngst zwischen Europäern, Nordamerikanern und Asiaten manifestiert hatte, muss gerade in Asien um jede Stimme kämpfen. Auch Qatars Verband steht weiter bei Infantino.Die Lager ringen weiter. 2016, beim letzten Mal, als die FIFA-Mitglieder in einer ähnlichen Konstellation wählten, kürten sie Gianni Infantino zum Präsidenten. Er hatte den Wählern mehr Geld versprochen. Die UEFA will verhindern, dass er antritt.
Kein UEFA-Boykott: Gianni Infantino gewinnt Zeit im Machtkampf
FIFA-Präsident Gianni Infantino gewinnt Zeit, die UEFA will ihn vor Gericht bringen: Der Machtkampf im Fußball spitzt sich zu – und zieht sich in die Länge.













