Eine Springflut im Himalaya hat ganze Siedlungen mit sich gerissen, mindestens 270 Menschen sind gestorben. Wie konnte es zu der Katastrophe kommen?Marc Theodor, SPIEGEL-Faktenchecker:»Nach allem, was man weiß, was man von Satellitendaten sehen kann, ist, dass die Front eines Gletschers abgebrochen ist, mit enormen Eismassen und die dann eben mehr als 1000 Meter herabgestürzt sind, von dem Berg, in ein Flusstal. Dabei wurde auch eine Menge Schutt und Geröll mit aufgenommen und das dann eben in dieser ganzen Masse an geschmolzenem Eis, auch Wasser von dem Fluss, Matsch, Schlamm, ist dann den Fluss weiterhin abgespült worden und das mit einer enormen Flutwelle.«Die dramatischen Bilder vom Aufprall dieser Flutwelle auf einen Grenzposten zwischen China und Nepal gingen um die Welt. Wieso hatten die Schlamm- und Wassermassen so eine Wucht?Marc Theodor, SPIEGEL-Faktenchecker:»Man hat sehr schmale, enge Täler natürlich, wodurch sich das nicht verteilen kann, diese Wassermassen. Und dann ist es wie in einem Kanal, dass es wirklich schnell weitergeleitet wird und kaum an Kraft verliert. Das heißt, es gibt nur eine Richtung: talabwärts. Sodass dann auch über größere Strecken, also ich glaube, allein von diesem Absturzpunkt bis nach Gyirong, also diesemGrenzübergang, sind es 15 oder 20 Kilometer, da wird wahrscheinlich kaum Energie verloren gegangen sein und es hätte sich nicht in größere Ebenen ausbreiten können.«Noch ist das ganze Ausmaß nicht abzusehen, mehr als 1300 Menschen werden noch vermisst, einige Regionen sind nur schwer zu erreichen. Hätte die Katastrophe verhindert werden können?Marc Theodor, SPIEGEL-Faktenchecker:»Es ist natürlich so, dass so ein Gletschersturz auch natürlich auftreten kann. Es gibt halt die Gletscher, die schmelzen, die bewegen sich bergab. Sie können dann irgendwann abbrechen, das ist ein natürliches Phänomen. Was möglich wäre, wäre eher noch, dass man die Frühwarnung ausbaut, das dann quasi auch, wenn es sich um Minuten handelt, dass man trotzdem dann halt an den Ortschaften, die dort eben betroffen sind, dass dann eben ja Sirenen vielleicht losgehen oder so, dass man etwas merkt.«Inwieweit ist der Gletscherabsturz auf den Klimawandel zurückzuführen?Marc Theodor, SPIEGEL-Faktenchecker:»Es wird beobachtet, dass die Größe der Gletscher abnimmt, auch im Himalaya, auch in anderen Hochgebirgen. Und dass man dadurch davon ausgehen kann, dass der Klimawandel derartige Ereignisse häufiger oder wahrscheinlicher werden lässt.«
Nepal: Wie es zur verheerenden Sturzflut im Himalaja kommen konnte
Die dramatischen Bilder vom Aufprall der Flutwelle auf einen Grenzposten zwischen China und Nepal gingen um die Welt. Wieso war die Flutwelle so gewaltig? Einschätzungen von SPIEGEL-Wissenschaftsdokumentar Marc Theodor.










