Eine neue Hitzewelle lässt in Tunesien das in Flaschen abgefüllte Trinkwasser knapp werden. In dem nordafrikanischen Land blockierten wütende Menschen Straßen und eine Eisenbahnlinie, um gegen die häufigen Unterbrechungen der maroden Strom- und Wasserversorgung zu protestieren. Wegen der vielen Klimaanlagen reicht der Strom während eines Sommers mit Rekordtemperaturen nicht aus. Zeitweise fehlten bis zu 2000 Megawatt.Das Nationale Meteorologische Institut (INM) sagte für Donnerstag noch einmal in einigen Regionen bis zu 48 Grad voraus, bevor es zu einem Temperatursturz kommen soll. Mit 47,9 Grad war in der Provinz Zaghouan vor wenigen Tagen ein neuer Höchstwert für August gemessen worden. Während einer ersten Hitzewelle stieg das Thermometer im Juli in Kairouan auf den tunesischen Rekord von 49,7 Grad.Laut dem Verband der Hersteller alkoholfreier Getränke wird sich die Versorgung mit abgefülltem Mineralwasser von September an allmählich wieder normalisieren, wenn der wegen Konsum zu sinken beginne. Bis dahin sollten die Bürger weiterhin ihren Verbrauch rationieren. Um bis zu 30 Prozent sei die Nachfrage gestiegen. Zugleich hätten Stromausfälle einige Produktionsanlagen beeinträchtigt. Wegen der Krise an der Straße von Hormus kommt es nicht nur in Tunesien zu Störungen bei der Lieferung von Polyethylenterephthalat (PET) betroffen, aus dem Flaschen hergestellt werden. Rund 150.000 Liter wurden im Laufe des Monats bereits beschlagnahmt.Staatspräsident macht „Feind der Nation“ verantwortlichDer Staatspräsident Kaïs Saïed machte „Feinde der Nation“ für die Wasser- und Stromausfälle in mehreren Regionen verantwortlich. Sie hätten sie vorsätzlich verursacht, um „Spannungen zu schüren und Lügen und Gerüchte zu verbreiten“. Fußballfans schrieben im Internet ironisch über den „ersten Spieltag der Fußballmeisterschaft ohne Flaschenwürfe in den Stadien“. Ein Stromausfall während der Übertragung der staatlichen Feierlichkeiten anlässlich des Geburtstags des Propheten rief Spott und Ärger hervor.Für Tunesien sind die hohen Temperaturen auch wirtschaftlich bedrohlich. In Läden und Restaurants verderben wegen der bis zu zehn Stunden dauernden Stromausfälle Nahrungsmittel. Das Land lebt vom Tourismus, der kontinuierlich zunimmt. Doch Hotels ohne Strom, Klimaanlagen und Trinkwasser bei fast 50 Grad könnten nicht nur Tunesien, sondern auch Urlaubsländer wie Marokko und Spanien als Reiseziele in Frage stellen. Auch für den Süden der Iberischen Halbinsel werden mittelfristig Sommertemperaturen wie bisher in Nordafrika prognostiziert. Auf einschlägigen Foren klagen Tunesien-Urlauber über eine „Hitze-Hölle“.Im Nachbarland Algerien ist die Lage ähnlich dramatisch. Dort wüten wieder Waldbrände. Die Behörden meldeten zwölf Tote und mehr als 50 Verletzte im Nordosten des Landes. Laut dem Zivilschutz brannten zeitweise bis zu 69 Feuer. In der Maghreb-Region spielt das Wetter verrückt. Zu Jahresbeginn fielen sintflutartige Regenfälle, die am südlichen Mittelmeerufer schwere Verwüstungen anrichteten. Zugleich füllten sie die Stauseen auf. Aber selbst die überdurchschnittlich großen Wasservorräte reichten für den ungewöhnlich heißen Sommer nicht aus.
Tunesien: Mineralwasser knapp wegen Rekordhitze
Strom- und Wasserversorgung müssen immer wieder abgeschaltet werden: Tunesien leidet unter Temperaturen von bis zu 48 Grad. Und Bürger sind aufgerufen, ihren Verbrauch zu rationieren.










