KommentarTrump spricht laut und schwingt ein dürres StöckchenMit seiner Breitseite gegen gemeinsame Manöver mit Südkorea untergräbt der amerikanische Präsident das Vertrauen der Alliierten im Westpazifik.27.08.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenSüdkoreanische Soldaten bei einem Manöver. Dass die jetzige Grossübung Ulchi Freedom Shield auf Anordnung von Präsident Trump gekürzt wird, schwächt die Abschreckung.EPAGlaubt man Elbridge Colby, dem Verantwortlichen für Verteidigungspolitik im Pentagon, ist auf Amerika im Westpazifik Verlass. An die Alliierten in der Region gewandt, sagte er Anfang August in den Philippinen: «Wir werden weder prahlerisch auftreten noch moralisierende Reden halten. Wir werden weiterhin mit sanfter Stimme sprechen. Aber wir werden weiterhin den grössten Knüppel der Welt in der Hand halten.»Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Amerikas Schlagkraft im Westpazifik schrumpftColby spielte auf das geflügelte Wort von Theodore Roosevelt an, der damit seine expansionistische Aussenpolitik im frühen 20. Jahrhundert umschrieb. Mit der Kombination aus leisen Worten und dem grossen Knüppel könne man es weit bringen, sagte Roosevelt schon einige Jahre vor seiner Wahl zum Präsidenten.So kraftstrotzend Colbys Referenz an Roosevelt wirken mag, Amerikas Knüppel im Westpazifik verkümmert immer mehr zu einem dürren Stöckchen. Denn Präsident Donald Trump sieht die regionalen Alliierten als Schmarotzer, die es sich auf Kosten der Vereinigten Staaten bequem machen und die eigene Verteidigung vernachlässigen.Das jüngste Beispiel ist Trumps Breitseite gegen gemeinsame Manöver mit Südkorea. Zu teuer seien diese, schrieb Trump. Zudem schadeten sie seinen guten Beziehungen zum nordkoreanischen Staatschef Kim Jong Un. Kurz darauf gab das von der Anordnung überrumpelte amerikanische Militär bekannt, dass das bereits angelaufene Manöver Ulchi Freedom Shield auf die Hälfte gekürzt werde.Die gemeinsamen Manöver mit Alliierten dienen nicht nur dazu, die Kampfkraft zu stärken und an der Koordination zwischen den Streitkräften zu feilen. Sie sind auch ein Signal an den Gegner: «Sieh, was dir blüht, falls du einen Angriff wagst.» So war das jüngste Manöver auch darauf ausgelegt, Taktiken zu kontern, die nordkoreanische Truppen in Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine gelernt haben. In den letzten zwei Jahren hat Pjongjang Tausende von Soldaten zur Unterstützung Moskaus an die Front entsandt.Trump hält nichts von AbschreckungIn der Sprache der Strategen heisst das Abschreckung. Colby ist ein Experte dafür. Bevor er ins Pentagon berufen wurde, schrieb er ein Buch mit dem Titel «Strategie der Abschreckung – Amerikas Verteidigung im Zeitalter von Grossmachtkonflikten». Auf fast 400 Seiten beschreibt er darin, wie verhindert werden soll, dass China im Westpazifik zum Hegemon aufsteigt.Doch viel davon ist nicht zu sehen. Für ihren Feldzug gegen Iran haben die USA militärische Mittel aus dem Westpazifik abgezogen – so ist in der Region kein amerikanischer Flugzeugträger mehr präsent, wie das sonst seit Jahrzehnten der Fall ist. Von China unter Druck gesetzte Alliierte wie Japan müssen auf bestellte Waffen wie Tomahawk-Marschflugkörper warten, weil die Bestände wegen des Iran-Kriegs leer sind. Und als Japans Ministerpräsidentin Sanae Takaichi letztes Jahr wegen einer Aussage zu Taiwan von Peking unter Druck gesetzt wurde, gab es nicht einmal rhetorische Rückendeckung aus Washington.Trump hat zwar recht damit, dass Amerikas Alliierte mehr für ihre eigene Verteidigung tun müssen. Doch im Gegensatz zu vielen Nato-Mitgliedländern hat sich Südkorea nie auf die sogenannte Friedensdividende nach dem Kalten Krieg verlassen. Trumps Verteidigungsminister Hegseth anerkannte dies in einer Rede im Mai, als er Südkoreas Beitrag zur bilateralen Allianz als vorbildlich bezeichnete.Dass Trumps Zorn jetzt Seoul trifft, bestätigt für alle Zweifler, dass auf die USA kein Verlass ist. Die amerikanischen Alliierten im Westpazifik – neben Südkorea sind das Japan, die Philippinen und Australien – versuchen sich zwar gegenseitig den Rücken zu stärken. Gleichzeitig bleibt ihnen nichts anderes übrig, als sich mit China zu arrangieren. Ohne Rückendeckung aus Amerika kippt die regionale Kräftebalance zu ihren Ungunsten. China kann seine Macht ungehindert ausspielen.Passend zum Artikel
Trump fährt Militärübungen in Asien zurück: wie China davon profitiert
Mit seiner Breitseite gegen gemeinsame Manöver mit Südkorea untergräbt der amerikanische Präsident das Vertrauen der Alliierten im Westpazifik.











