In den USA eskaliert der Konflikt zwischen Finanzminister und Notenbankchef: Nun ergreift eine «graue Eminenz» Partei gegen BessentDer Milliardär Stanley Druckenmiller kritisiert die Schuldenpolitik seines einstigen Zöglings, dem US-Finanzminister Scott Bessent. Er stellt sich damit auf die Seite von Fed-Chef Warsh.26.08.2026, 13.37 Uhr4 LeseminutenDer Milliardär Stanley Druckenmiller verdiente sein Vermögen damit, dass er Wetten gegen die Währungspolitik verschiedener Länder einging.Brendan McDermid / ReutersDas Wort des 73-jährigen Milliardärs Stanley Druckenmiller hat Gewicht. Unter den Hedge-Funds-Managern gilt er als eine «graue Eminenz». Vor allem aber ist er der Mentor von zwei der wichtigsten Akteuren auf den globalen Märkten: US-Finanzminister Scott Bessent und US-Notenbankchef Kevin Warsh.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Es hat daher wie eine Bombe eingeschlagen, dass Druckenmiller den Finanzminister offen kritisiert hat. Kommt hinzu, dass Bessent ohnehin unter Druck steht. In einem ungewöhnlichen Schritt hatte dieser angekündigt, die USA wollten die Rückkäufe von eigenen Staatsanleihen mit langer Laufzeit stark erhöhen. Dies soll helfen, den jüngsten Zinsanstieg bei den amerikanischen Staatsobligationen zu stoppen.So sind die Renditen für US-Bonds mit einer Laufzeit von 30 Jahren zeitweise auf über 5,3 Prozent gestiegen – das ist der höchste Stand seit 2007. Auch die Anleihen mit einer zehnjährigen Laufzeit haben sich auf 4,7 Prozent verteuert. Das Signal der Märkte ist eindeutig: Diese verlieren das Vertrauen in die Finanzpolitik der Regierung Trump und erwarten von dieser Sparmassnahmen.Das Haushaltsdefizit liegt derzeit bei über 6 Prozent des Bruttoinlandprodukts. Allein für die Schuldzinsen müssen die USA mehr als eine Billion Dollar im Jahr ausgeben. Je höher die Zinsen klettern, desto kostspieliger wird die Schuldenwirtschaft für den Staat. Bessents Plan wirkt daher verführerisch: Die USA nehmen teure langfristige Staatsanleihen vom Markt und finanzieren dies, indem sie sich mit günstigeren kurzfristigen Krediten verschulden.«Regierungen verlieren immer»In einem aufsehenerregenden Gastbeitrag der Zeitung «Wall Street Journal» hat Druckenmiller dieses Ansinnen nun in harschen Worten verurteilt. Die steigenden Zinsen seien ein Warnsignal für bevorstehende Schwierigkeiten, hält er darin fest. Eine künstliche Unterdrückung dieser Entwicklung erhöhe die Gefahr nur noch zusätzlich: «Regierungen, die Preise gegen Fundamentaldaten verteidigen, verlieren immer», schreibt Druckenmiller.Sein riesiges Vermögen hat der Hedge-Funds-Manager just mit dieser Erkenntnis verdient. Zusammen mit dem Investor George Soros brachte er in den 1990er-Jahren mehrere Länder zum Einknicken. Namentlich die Bank of England kaufte damals die eigene Währung auf, um den Kurs des Pfunds zu stützen. Druckenmiller wettete – assistiert vom damals jungen Bessent – mit Milliardensummen dagegen, bis die Notenbank kapitulierte. Dies führte am «Schwarzen Mittwoch» zum Austritt Grossbritanniens aus dem Europäischen Währungssystem.Ähnlich argumentiert Druckenmiller auch jetzt: Angesichts der hartnäckigen Inflation von 3 bis 4 Prozent und der hohen Schulden seien die aktuellen Zinsen in den USA keinesfalls zu hoch. Bei den amerikanischen Staatsanleihen handle es sich zudem um den «wichtigsten Preis auf der Welt». Und es sei die letzte Möglichkeit zur Haushaltsdisziplin, die den USA noch übrig bleiben: «Jeder Basispunkt an künstlich gedrückten Renditen bedeutet eine Subvention für das Hinauszögern von Massnahmen.» Auf diese Weise würde den Wählern verschleiert, wie dringlich das Schuldenproblem effektiv sei.Trump verlangt tiefere ZinsenDamit stellt sich Druckenmiller auch offen gegen Donald Trump. Dieser hat sich regelmässig über die hohen Zinsen in den USA beklagt. Denn diese verteuern die Hypotheken der Hausbesitzer und ebenso die Kreditaufnahme durch die Unternehmen. Erst kürzlich klagte der US-Präsident, das Zinssystem ergebe keinen Sinn und verglich sein Land mit der Schweiz. Es sei unfair, dass man in den USA viel mehr bezahlen müsse als in der Schweiz. «Wir sollten wieder den weltweit niedrigsten Zins haben», forderte er.Trump sieht die Notenbank Fed in der Pflicht, den Leitzins zu senken. Die Erwartung richtet sich somit an den von ihm eingesetzten neuen Fed-Chef Kevin Warsh. Doch sein erster Auftritt im Juni hatte an den Märkten zusätzliche Unsicherheit geschürt: Warsh erklärte, die Notenbank wolle sich künftig auf die Steuerung des Leitzinses konzentrieren. Die Beeinflussung der langfristigen Zinsen sehe er dagegen nicht als Kernaufgabe des Fed – weshalb er auch keine Zinsprognose mehr abgab. Das sei Sache der Märkte. Prompt reagierten diese mit einem Anstieg bei den langfristigen Zinsen.Während also Notenbankchef Warsh auf die disziplinierende Wirkung der Märkte setzt, zieht Finanzminister Bessent nun in die entgegengesetzte Richtung und verstärkt den staatlichen Einfluss auf die Zinsbildung. Die Kakofonie zwischen der amerikanischen Geld- und Fiskalpolitik schwächt das Vertrauen an den Finanzmärkten. Umso gespannter warten die Beobachter auf den nächsten öffentlichen Auftritt von Kevin Warsh. Dieser findet am Freitag am jährlichen Symposium der führenden Notenbanken in Jackson Hole statt. Dabei interessiert vor allem, wie stark der Fed-Chef auf die Unabhängigkeit der Notenbank pocht und sich von der Finanzpolitik der Trump-Regierung abgrenzt.Dollar verliert an WertVor diesem Hintergrund gewinnt auch das Statement Druckenmillers an Brisanz: Indem er sich nämlich gegen seinen einstigen Zögling Bessent stellt, ergreift er gleichzeitig Partei für Warsh. Denn auch zu ihm pflegt er enge Kontakte. Im Jahr 2011 hatte ihn Druckenmiller in seinem Family Office als Partner und strategischen Berater engagiert. Ebenso setzte er sich dafür ein, seinen Schützling Warsh an die Spitze der Notenbank zu hieven.Ein Verlierer der ungeklärten Aufgabenteilung zwischen den einstigen Weggefährten Bessent und Warsh steht bereits fest: die amerikanische Währung. Der Dollar hat nach den von Bessent angekündigten Anleihenrückkäufen deutlich an Wert verloren. Parallel dazu ist der Goldpreis nach oben gesprungen. Bis jetzt bleibt allerdings unklar, welche Summen Bessent für seine Interventionen überhaupt aufwenden will. Somit könnte sich der von ihm entfachte Sturm wieder legen.Als Warnbeispiel sollte Bessent Japan dienen. Das Land versuchte jahrelang, die Anleihenzinsen künstlich tief zu halten – wobei das Zepter dort der Notenbank oblag. Zwar war es dadurch effektiv gelungen, die Zinskosten für den hochverschuldeten Staat einzudämmen. Die Kehrseite aber bildet die starke Abwertung des Yen. Seit 2011 hat sich der Wechselkurs zum Dollar halbiert.Passend zum Artikel
USA: Konflikt zwischen Finanzminister und Fed-Chef eskaliert
Der Milliardär Stanley Druckenmiller kritisiert die Schuldenpolitik seines einstigen Zöglings, dem US-Finanzminister Scott Bessent. Er stellt sich damit auf die Seite von Fed-Chef Warsh.











