Der amerikanische Finanzminister Scott Bessent durchlebt fordernde Tage. Er muss für seinen Chef, Präsident Donald Trump, den Wirtschaftskrieg gegen Iran führen, den Finanzmarkt für Staatsanleihen in Schach halten und einen Staatshaushalt managen, der aus dem Ruder läuft: Das Defizit liegt bei fast sechs Prozent der Wirtschaftsleistung – eine Größenordnung, die Amerika in Friedenszeiten und bei Vollbeschäftigung nie erreicht hat. Die Staatsverschuldung übertrifft die magische Grenze von 40 Billionen Dollar. Allein die Nettozinsen in Höhe von 1,1 Billionen Dollar verschlingen mehr Geld als der Verteidigungshaushalt.Angesichts dieser Zahlen droht Bessent die Gefahr, dass sich manche an seine Versprechen erinnern, mit denen er vollmundig angetreten war. Sein 3-3-3-Plan sah vor, dass die USA das Haushaltsdefizit bis 2028 auf drei Prozent vom Bruttoinlandsprodukt reduzieren würden, die Wirtschaft um drei Prozent wachsen würde und die Benzinpreise sinken würden dank der Ausweitung der heimischen Ölproduktion um drei Millionen Barrel. Wenig deutet darauf hin, dass die Ziele erreicht werden.Isolation Irans bleibt WunschdenkenSeine jüngsten Versuche, den Finanzmarkt zu manipulieren, um geringere Zinskosten für Staatsanleihen herauszuschlagen, haben nicht zum gewünschten Erfolg geführt. Das Finanzministerium intervenierte, nachdem die Renditen der US-Staatsanleihen auf den höchsten Stand seit 19 Jahren geklettert waren. Das brachte kurze Entspannung, bevor sich die Renditen wieder dem Rekordniveau näherten.Ausgerechnet Bessents alter Chef, der legendäre Hedgefonds-Investor Stanley Druckenmiller, erinnerte seinen ehemaligen Schützling jetzt daran, dass die Rendite, die Bessent herunterzutricksen versuchte, der letzte verbliebene Zuchtmeister der amerikanischen Finanzpolitik ist. Druckenmillers Lektion für Bessent: Demokratien sanieren ihre Finanzen erst, wenn die Kosten des Nichtstuns schmerzen, weil Hypothekendarlehen teuer werden und Staatsanleihen schwerer Abnehmer finden. Dass diese Entwicklung Bessents sorgsam gepflegtem Ruf als großer Anleiheverkäufer schadet, ist dabei das kleinere Problem. Auch sonst läuft es nicht rund: Die von Bessent angestrebte Totalisolation Irans bleibt Wunschdenken angesichts der Weigerung Chinas, daran mitzuwirken.Der 64 Jahre alte Bessent hatte sich mit einer Aggressivität gegen interne Widersacher ins Amt gekämpft, die man dem Mann mit Seitenscheitel und randloser Brille nicht ansieht. Seine Angriffslust bekommen Politiker, Journalisten und selbst hohe Beamte zu spüren. Einem drohte er sogar, ihm den Hintern zu versohlen. Das Problem ist nur: Der Anleihemarkt hat kein Hinterteil, das Bessent versohlen könnte.