Turbulenzen bei US-Staatsanleihen haben auch für Anleger in der Schweiz KonsequenzenWie man sein Vermögen schützen kann, falls den USA und anderen hochverschuldeten Ländern die Kontrolle über Inflation und Zinsen entgleitet.23.08.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenFrüher arbeitete er bei einem Hedge-Fund, heute ist er US-Finanzminister: Scott Bessent.ReutersAm vergangenen Mittwochmorgen wollte Scott Bessent ein klares Signal aussenden. Es war der Tag, an dem die Staatsverschuldung der USA die Marke von 40 Billionen Dollar überschritt. Das ist eine 4 mit 13 Nullen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der US-Finanzminister kündete an, doppelt so viele Staatsanleihen mit langen Restlaufzeiten zurückzukaufen wie bisher. Die Überraschung gelang, und die Renditen der amerikanischen Staatsschulden sanken.Allerdings hielt die Wirkung keine zwei Tage an. Die 30-jährigen US-Staatsanleihen weisen nun wieder eine unangenehm hohe Rendite von 5,28 Prozent auf. Und Marktbeobachter sehen in der Intervention von Bessent, einem früheren Hedge-Fund-Manager, weniger einen Akt der Stärke als eine Verzweiflungstat.Es gelingt Bessent einfach nicht, die langfristigen Zinsen zu senken, obwohl das ein erklärtes Ziel des Finanzministers ist. Aber solange die USA am Persischen Golf einen Krieg führen, willkürlich Zölle einführen und das amerikanische Budgetdefizit bei rekordhohen 6 Prozent bleibt, steht Bessent wohl auf verlorenem Posten. Oder wird er nun grösseres Geschütz auffahren?«Wir glauben, dass dies der Ausgangspunkt für eine viel umfassendere Phase von Interventionen am US-Anleihemarkt sein könnte. Wir rechnen in den kommenden Jahren mit einer strukturell höheren Inflation», schreibt Konwave, ein Schweizer Anbieter von Gold-Anlagefonds, in einem Kommentar. Der Aufwärtsdruck auf die langfristigen Zinsen werde wahrscheinlich anhalten.Auch andere hochverschuldete Industrieländer müssen heute deutlich mehr für ihre Schulden berappen als noch vor ein paar Monaten: Japan etwa, Grossbritannien oder Frankreich. Da keine Besserung in Sicht ist, gehen erste Experten davon aus, dass sich Zentralbanken dauerhaft von ihren offiziellen Inflationszielen verabschieden – selbstverständlich, ohne das an die grosse Glocke zu hängen.«In den USA war die Inflation letztmals im Februar 2021 unter 2 Prozent – seither liegt sie über diesem Zielwert. Das zeigt, dass gewisse Notenbanken bewusst eine höhere Teuerung in Kauf nehmen», sagt Matthias Geissbühler, der Anlagechef der Raiffeisen-Gruppe.Die Schuldenberge über die Inflation abzutragen, sei wohl der einzig realistische Weg aus dieser Krise. Und auch der politisch einfachste, da sich viele Sparer an Nominalzinsen orientierten und gar nicht mitbekämen, dass sie real Geld verlören.Das könnte vermehrt zu Turbulenzen führen. «Es ist zwar nicht unser Hauptszenario, aber wenn Inflation und Zinsen weiter steigen, besteht das Risiko, dass es zu einer Konstellation kommt wie im Jahr 2022: dass also Aktien, Anleihen und andere Vermögenswerte gleichzeitig unter Druck kommen und es kurzfristig keine sicheren Häfen mehr gibt, wo man sich verstecken kann», sagt Thomas Heller, Chefökonom der Frankfurter Bankgesellschaft.«Dann wäre es wichtig, dass man nicht in Panik gerät. Wer verkauft, macht vielleicht nicht die ganze Abwärtsbewegung mit», sagt Heller. Aber die Erfahrung zeige, dass Anleger meist den geeigneten Zeitpunkt für den Wiedereinstieg verpassten. Als Schweizer sei man bei einem solchen Szenario sicher in Frankenanlagen am besten aufgehoben. Auch heimische Immobilien und Gold könnten vor grösseren Verwerfungen schützen.Das Edelmetall hat diese Woche bereits kräftig zugelegt. Den noch grösseren Kurssprung gab es aber bei Bitcoin: Der Preis der wichtigsten Kryptowährung schnellte um 14 000 Dollar nach oben. Ethereum stieg sogar noch stärker an, um 29 Prozent. Manche Marktexperten sehen in den beiden grössten Kryptowährungen digitales Gold und Silber. Aber dabei handelt es sich nach wie vor um eine Minderheitsmeinung.«Sachwerte bieten den besten Schutz: also Gold und Silber, Immobilien oder Aktien von Unternehmen mit soliden Bilanzen und Dividenden», sagt Geissbühler. Die Renditen von Staatsanleihen seien jüngst zwar auch in der Schweiz gestiegen, aber viel weniger stark als anderswo. Die Schweiz bleibe also eine Zinsinsel, und Anleger sollten einen Home-Bias beibehalten.Von einem Home-Bias spricht man, wenn Anleger ihrem Heimmarkt ein grösseres Gewicht beimessen als Anlagen im Ausland. Aufgrund der grossen Zinsdifferenz zwischen dem Franken und allen anderen Währungen dürfte sich die Schweizer Währung nominal noch schneller aufwerten als bisher. Und falls es zu grösseren Verwerfungen käme, könnte der Franken sogar zum sicheren Hafen werden und sprunghaft an Wert gewinnen.Viele Schweizer Vermögensverwalter verzichten bereits darauf, das Währungsrisiko bei ausländischen Aktien und Anleihen abzusichern, da dies mittlerweile zu teuer ist. Der einfachere Weg ist, mehr Frankenanlagen zu halten.Beim SMI komme man auf eine Dividendenrendite von rund 3 Prozent, bei Dividendenfonds lägen diese entsprechend höher. Das biete einen guten Schutz vor Inflation, sagt Geissbühler.Auch wenn man Angst vor einer KI-Blase habe, müsse man Aktien nicht grundsätzlich meiden, so Geissbühler. «Nach dem Platzen der Dotcom-Blase im März 2000 lag der Technologie-Index Nasdaq zwar noch fünf Jahre später 60 Prozent im Minus. Aktien aus Branchen wie Energie, Basiskonsum oder Gesundheit konnten aber zulegen – zum Teil sogar sehr deutlich.»Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel