Pro ArtikelDie USA riskieren mit ihrer Iran-Drohung einen Eklat mit China Pekings Ölimporte halten das Regime in Teheran am Leben. Washington hat kaum geeignete Druckmittel gegen die Volksrepublik. Es gibt aber auch leichtere Ziele.26.08.2026, 05.30 Uhr5 LeseminutenKrieg und Sanktionen setzen der iranischen Wirtschaft zu: Eine Frau besucht einen Markt in der Hauptstadt Teheran im August 2026.Majid Asgaripour / Wana via ReutersDer amerikanische Finanzminister Scott Bessent scheute keine rhetorische Übertreibung, um die Verschärfung der Massnahmen gegen Iran zu unterstreichen. Es sei ein «wirtschaftlicher D-Day», verkündete er in Anlehnung an die Landung der alliierten Streitkräfte in der Normandie während des Zweiten Weltkrieges. Ziel sei es, dem Regime in Teheran die Luft abzudrehen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Ungeachtet der Sanktionen würden einige Länder weiterhin iranisches Erdöl kaufen sowie Flugverbindungen und Finanzbeziehungen mit der Islamischen Republik unterhalten. Auch duldeten sie Erdöltransfers von Schiff zu Schiff in ihren Küstengewässern, erklärte Bessent diese Woche vor den Medien. Damit müsse Schluss sein. Andernfalls riskierten die Gehilfen des Regimes den Ausschluss aus dem amerikanischen Finanzsystem.Um die Islamische Republik wirtschaftlich abzuwürgen, müssten die USA allerdings den Druck auf China massiv erhöhen und Gegenmassnahmen Pekings in Kauf nehmen. Obwohl das Weisse Haus verzweifelt nach einem Ausweg aus dem Iran-Konflikt sucht, wären die Kosten einer auf China abzielenden Strategie sehr hoch.Erdölexporte sichern die Macht des Regimes Erdöl ist das Rückgrat der iranischen Wirtschaft und die Hauptquelle der Deviseneinnahmen des Regimes. China ist der grösste Abnehmer mit einem Anteil von geschätzt mehr als 80 Prozent.Um den Druck auf Teheran zu erhöhen, verkündeten die USA deshalb bereits vor einigen Monaten Sanktionen gegen private chinesische «Teapot» Raffinerien, die für den Kauf iranischen Erdöls bestraft werden sollten. Oft wickeln diese ihre Erdölkäufe in Yuan ab, ausser Reichweite der amerikanischen Justiz. Einige hätten hätten widerrechtlich Geschäfte in Dollar abgewickelt und damit amerikanische Waren gekauft, schrieb das amerikanische Schatzamt. Insgesamt hätten diese Raffinerien der Islamischen Republik Einkünfte von mehreren Milliarden Dollar beschert.Peking reagierte im Mai auf die amerikanische Aktion mit einer Verordnung , die das Befolgen der amerikanischen Sanktionen verbietet. Ob und wie die Unternehmen die Anweisung umgesetzt haben, ist unklar. Vermutlich wickeln sie nun mehr Transaktionen in der chinesischen Währung Yuan ab, womit Peking sein eigenes Finanzsystem abseits der Wall Street weiterentwickelt. Seit Beginn des Iran-Kriegs im Februar verzeichnet das chinesische Zahlungssystem Cips einen Anstieg der grenzüberschreitenden Transaktionen in Yuan.China rüstet zum GegenangriffAuch Bessents jüngstes Vorhaben, den Druck auf die verbliebenen Wirtschaftspartner Irans zu erhöhen, hat Peking zu einer geharnischten Reaktion veranlasst. China akzeptiere keine unilateralen, nicht von den Vereinten Nationen verhängten Massnahmen und werde sich verteidigen, verkündete ein Sprecher des Aussenministeriums.Das Reich der Mitte verfügt durchaus über Druckmittel. Seit einigen Jahren schon blockiert oder limitiert die Volksrepublik als Reaktion auf die amerikanische Politik die Ausfuhr von kritischen Rohstoffen wie Gallium oder seltenen Erden für die Industrie.Zwar versuchen die USA mit Hochdruck, sich neue Bezugsquellen zu erschliessen. Es wird jedoch Jahre dauern, bis die USA bei kritischen Rohstoffen von China unabhängig sind. Ferner läuft eine von Donald Trump und Xi Jinping im Oktober 2025 ausgehandelte Vereinbarung zum Aussetzen der Exportbeschränkungen in den kommenden Monaten aus. Würden die USA nun neue Sanktionen gegen chinesische Unternehmen verhängen, kämen diese zum ungünstigsten Zeitpunkt.Finanzminister Bessent ist sich dessen offenbar bewusst. Fragen zur Rolle chinesischer Banken wich er in der Pressekonferenz am Montag aus.Dennoch: Ein allfälliger Ausschluss aus dem amerikanischen Finanzsystem würde chinesische Unternehmen schmerzlich treffen. Mit der Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) und der Bank of China verfügt das Reich der Mitte über grosse Finanzhäuser, die Geschäfte in Dollar abwickeln. Sie werden sich hüten, offen amerikanische Sanktionen zu verletzen.Für Washington gibt es auch leichtere ZieleBevor die USA gegen Chinas internationale Konzerne vorgehen, könnten Trump und Bessent allerdings mit kleineren Zielen anfangen. Ins Visier der USA könnte etwa Malaysia geraten. Dessen Gewässer sind zur Drehscheibe für den Umschlag iranischen Erdöls geworden. Auch beim Luftverkehr gäbe es Hebel, obwohl viele Fluggesellschaften ihr Angebot schon zurückgefahren haben. Auf der Website der Qatar Airways liess sich diese Woche beispielsweise kein Flug zwischen Doha und Teheran buchen.Bereits Anfang des Monats preschten die Vereinigten Arabischen Emirate mit dem Kappen aller Finanz- und Wirtschaftsbeziehungen vor. Lange war das Land eine wichtige Verkehrsader für iranische Importe gewesen.Das Vorgehen der Emirate stand laut Bessent im Zusammenhang mit der amerikanischen Politik. «Ich würde erwarten, dass auch andere Länder solche Schritte einleiten,» erklärte er vor versammelten Journalisten.Sogar für Nato-Mitgliedstaaten könnte es brenzlig werden. Die Türkei ist ein bedeutender Partner der Islamischen Republik im Güterhandel. Und die iranische Bank Melli, deren Beziehungen zur Credit Suisse der Schweizer Grossbank einst eine hohe US-Strafe eintrugen, unterhält noch immer Niederlassungen in London, Paris und Hamburg. Aufgrund europäischer Sanktionen werden diese nur eingeschränkt tätig sein; trotzdem müssen sie laut Bessent unbedingt geschlossen werden.Wirtschaftliche Isolation zeigt bei Iran kaum WirkungWegen der Isolation und des Kriegs befindet sich die iranische Wirtschaft derzeit in einem desolaten Zustand. Die Währung notiert auf einem Rekordtief. Gemäss dem Internationalen Währungsfonds (IWF) wird die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um über 5 Prozent einbrechen, die Teuerungsrate liegt über 60 Prozent. Es ist somit zu bezweifeln, dass eine noch härtere Gangart das extremistische Regime zum Umdenken bewegt. Solange dem Regime das eigene Überleben wichtiger ist als das Wohl der Bevölkerung, wird es trotz wirtschaftlicher Misere kaum einknicken.Die USA verhängten erstmals 1979 Strafen gegen Iran als Reaktion auf die Geiselnahme in der amerikanischen Botschaft. Derzeit ist kein Land so stark mit Sanktionen belegt wie Iran, wie der wissenschaftliche Dienst des amerikanischen Kongresses schreibt.Das alles hat das iranische Regime bis jetzt international nicht völlig zu isolieren vermocht. Allerdings können die USA nun mit ihrer Schiffsblockade an der Strasse von Hormuz einen Erfolg verbuchen. Irans Erdölexporte nach Asien sind in den vergangenen Wochen stark gesunken, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg schreibt. Vor der malaysischen Küste sind derzeit nur noch etwa 40 Millionen Fass auf Tankern gelagert. Anfang des Jahres waren es mehr als 100 Millionen Fass.Die USA unter Donald Trump stehen vor einem strategischen Dilemma. Um Iran wirtschaftlich noch mehr in die Knie zu zwingen, müsste Washington bei Peking die Daumenschrauben anziehen. Doch damit würden die USA lediglich einen ökonomisch verheerenden Konflikt durch einen anderen ersetzen.Passend zum Artikel