KommentarDie USA wollen den wirtschaftlichen Kollaps des iranischen Regimes herbeiführen. Das ist unrealistisch. China wird dies kaum zulassen. Und Teheran wird kaum kapitulieren, so gross der Druck auch sein mag.25.08.2026, 19.07 Uhr4 LeseminutenDas Regime in Teheran kollabiere, glaubt Trump. Aber noch ist es nicht so weit.ImagoZweifellos: Das Machtgefüge im Nahen Osten hat sich in den vergangenen Wochen wieder etwas zugunsten der USA verschoben. Entlang der omanischen Küste ist es der amerikanischen Marine offenbar gelungen, einen Korridor durch die Strasse von Hormuz zu etablieren, in dem Schiffe unter militärischem Schutz der USA nachts passieren können. Das Transportvolumen liegt vermutlich deutlich unter Vorkriegsniveau, aber die Erdölpreise sind wieder unter 90 Dollar pro Fass gefallen. Das erlaubt es dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump, die Seeblockade gegen iranische Häfen vorerst auf unbestimmte Zeit aufrechtzuerhalten.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Im August sind die iranischen Erdöllieferungen nach China im Vergleich zum Vorjahr um über 60 Prozent eingebrochen, wie Reuters berichtet. Die Preise für Lebensmittel in Iran stiegen jüngst um rund 130 Prozent. Auch Führungsfiguren des Regimes räumen die wirtschaftlichen Probleme ein. Teheran solle den Krieg beenden, solange es noch in einer Position der «Stärke und Würde» sei, erklärte Präsident Masud Pezeshkian am Freitag. Der Parlamentsvorsitzende Mohammed Ghalibaf sagte seinerseits: «Unabhängig von unserer militärischen Stärke können wir nicht überleben, wenn die Menschen hungern und wir kein wirtschaftliches Wachstum haben.»China bleibt ein HindernisWeil die Vereinigten Arabischen Emirate vergangene Woche ein vollständiges Handelsembargo gegen Iran verhängten, verschlechtert sich die wirtschaftliche Lage des Regimes zusätzlich. Teheran importierte einen Grossteil seiner Güter über die Emirate und nutzte deren Finanzsystem zur Umgehung von Sanktionen.Nun will die amerikanische Regierung die wirtschaftliche Isolation des Regimes noch weiter verschärfen. Noch bevor Finanzminister Scott Bessent die verschärften Sanktionen am Montag ankündigte, versprach er Iran einen «wirtschaftlichen D-Day» – also sozusagen den Anfang des Untergangs des Regimes. Mit «der grössten finanziellen Offensive» aller Zeiten würden die USA nun «das Endspiel» gegen Iran einläuten. Jedes Land, das noch wirtschaftliche Verbindungen zu Teheran unterhalte, werde von den amerikanischen Finanzmärkten ausgegrenzt, beteuerte Bessent. Auf Truth Social triumphierte Trump am Montag bereits: «Das iranische Regime kollabiert komplett.»Doch so weit ist es noch nicht. Bessent verkündete am Montag noch keine konkreten Strafmassnahmen gegen bestimmte Länder. Auf der erweiterten Sanktionsliste befanden sich zwar auch einige chinesische Firmen und Personen, aber keine grösseren Banken. Dies deutet darauf hin, dass Trump keinen grösseren Konflikt mit Peking riskieren möchte. Im Zollstreit musste er gegenüber China bereits Konzessionen machen, nachdem dieses den Export seltener Erden in die USA und den Import von amerikanischen Sojabohnen eingeschränkt hatte.China kauft über 80 Prozent der iranischen Erdölexporte. Es ist somit die wichtigste Lebensader für das iranische Regime. Peking drohte Washington am Dienstag mit Gegenmassnahmen, sollten die USA ihre Sanktionsdrohungen umsetzen. Die Kooperation mit Iran stütze sich auf internationales Recht, sagte ein Sprecher des chinesischen Aussenministeriums. Peking akzeptiere keine «illegalen, unilateralen Sanktionen» und werde seine Interessen und Rechte verteidigen. Bereits im Februar hatte die chinesische Regierung fünf Raffinerien, die iranisches Erdöl verarbeiteten, angewiesen, amerikanische Sanktionen zu ignorieren.Pikanterweise wird der chinesische Staatschef Xi Jinping am 24. September zu Besuch in Washington erwartet. Sollte Trump ihm keinerlei Konzessionen im Umgang mit Iran abringen können, würden sich die amerikanischen Sanktionsdrohungen definitiv als hohl erweisen.Neue Eskalation drohtDie Sanktionsstrategie der USA hat aber noch einen weiteren Haken. Sie geht davon aus, dass das Regime unter dem Druck entweder zusammenbrechen muss oder zu Konzessionen bereit sein wird, die es bisher ablehnte. Konkret wären dies die Aufgabe des Atomprogramms, die Auslieferung hochangereicherten Urans, eine Beschränkung des Raketenprogramms, der Verzicht auf die Finanzierung ausländischer Milizen und die freie Durchfahrt durch die Strasse von Hormuz. Aber das ist Wunschdenken. Teheran ist mittlerweile überzeugt, dass es letztlich Trumps Ziel ist, das Regime zu stürzen. Wieso sollte es genau jene Rüstungsprogramme und Machtinstrumente aufgeben, die es künftig vor weiteren amerikanischen Angriffen schützen sollen?In die Enge getrieben, dürfte das Regime eher eine neue militärische Eskalation riskieren, statt in Verhandlungen zu kapitulieren. Befürchten müsste Teheran vermutlich wenig. Mit der Rückkehr zu einer wirtschaftlichen Sanktionsstrategie hat Trump signalisiert, dass er vorderhand keine militärische Eskalation mehr will. Der iranische Wirtschaftsminister Ali Madanizadeh mahnte am Montag im Staatsfernsehen: «Unsere Verteidigung ist nicht mehr so defensiv. Die Feinde sollten einen Angriff erwarten.»Am Dienstagmorgen wurde in der Strasse von Hormuz erneut ein Tankschiff von einem unbekannten Geschoss getroffen. Im Roten Meer schlug am Montag zudem eine ballistische Rakete der proiranischen Huthi-Miliz in ein saudisches Schiff ein. Die Eskalationsspirale im Nahen Osten ist noch nicht zu einem Stillstand gekommen. Und Trump hat noch kein Rezept gefunden, um sie zu stoppen.Passend zum Artikel