Der amerikanische Präsident will Iran «vor der Enthauptung» eine «letzte Chance» für Kompromisse geben. Aber das Regime in Teheran versteht dies als leere Drohung und will nicht über die Strasse von Hormuz verhandeln. Washington sucht verzweifelt neue Druckmittel.04.08.2026, 16.30 Uhr5 LeseminutenDas iranische Regime spielt sich bereits als Sieger auf: Ein Plakat am Platz der Revolution in Teheran zeigt eine Freiheitsstatue in Trümmern.Abedin Taherkenareh / EPAIm Krieg mit Iran scheint Donald Trump wieder auf Feld eins zurück zu sein. Zum bereits siebten Mal sagte der amerikanische Präsident am Samstag einen angeblich vernichtenden Militärschlag ab. Auch diesmal begründete er die Entscheidung mit diplomatischen Fortschritten und hielt gleichzeitig an seiner martialischen Rhetorik fest. Die USA seien jederzeit zu Angriffen bereit, die jeglichen «militärischen Terror» des Zweiten Weltkriegs in den Schatten stellen würden, schrieb Trump am Sonntag auf Truth Social. Er forderte dabei eine «komplette Öffnung der Strasse von Hormuz».Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Am Montag legte der amerikanische Präsident rhetorisch nach. «Ich will ihnen jede letzte Chance vor der Enthauptung geben», erklärte Trump. Doch auch davon scheint sich Teheran nicht beeindrucken zu lassen. Es gebe momentan keine Verhandlungen mit den USA, sagte ein Sprecher des iranischen Aussenministeriums. Teheran führe derzeit ausschliesslich diplomatische Gespräche mit Oman über eine künftige Regulierung der Meerenge von Hormuz.Kriegsmüde VerbündeteMohsen Rezaei, ein Militärberater des iranischen Revolutionsführers Mojtaba Khamenei, drohte am Montag seinerseits den USA: Sollte Washington die Blockade iranischer Häfen fortführen, würde es tödliche Angriffe auf amerikanische Schiffe und Truppen riskieren, schrieb Rezaei auf X. Die USA müssten ihr Verhalten ändern. «Wir werden niemals die Öffnung eines zweiten Korridors durch die Meerenge von Hormuz tolerieren.»Teheran fühlt sich offensichtlich noch immer in einer Position der Stärke in diesem Krieg. Und dies nicht ganz zu Unrecht. Trump verzichtete am Samstag vermutlich nicht auf iranisches Bitten auf neue Luftangriffe, sondern weil ihn seine arabischen Verbündeten in Abu Dhabi, Doha und Riad um eine Deeskalation baten.Teheran hat in den vergangenen Tagen bewiesen, dass es in der Lage ist, bei amerikanischen Luftangriffen seinerseits noch härter zurückzuschlagen. Die Attacken der proiranischen Huthi-Miliz in Jemen auf Schiffe im Roten Meer haben auch die Meerenge Bab al-Mandab unsicher gemacht. Ein bisher ungeklärter Drohnenangriff auf Erdgastanker in einem ägyptischen Mittelmeerhafen von vergangener Woche könnte ein weiteres iranisches Warnsignal für eine noch grössere Eskalation gewesen sein. Gleichzeitig demonstrierte Teheran mit einem «Überraschungsangriff» mit ballistischen Raketen auf einen amerikanischen Stützpunkt in Jordanien seine Bereitschaft zu einem noch grossflächigeren Krieg.Die iranische Strategie, den Druck auf die amerikanischen Verbündeten im Nahen Osten zu erhöhen, scheint zu funktionieren. Sie werben in Washington nun praktisch einstimmig für eine diplomatische Lösung mit Iran. Zwar können Länder wie Saudiarabien und die Vereinigten Arabischen Emirate einen Teil ihrer Erdölexporte über Pipelines exportieren, welche die Strasse von Hormuz umgehen. Aber Länder wie Katar, Bahrain oder Kuwait müssten solche Pipelines erst noch bauen. Das braucht Zeit. Auch der Irak sieht sich derzeit gezwungen, mit Iran über die Rechte für die Durchfahrt durch die Meerenge am Persischen Golf zu verhandeln.Washington sucht «kreative» DruckmittelFür Trump und die amerikanische Regierung ist eine dauerhafte iranische Kontrolle über die Strasse von Hormuz aber schwer zu akzeptieren. Einerseits würde Teheran diese ausnutzen, um seinen Einfluss gegenüber den arabischen Verbündeten der USA am Golf zu stärken. Anderseits würde es die liberale Weltordnung empfindlich treffen. Wenn es die USA Iran erlauben würden, einen internationalen Seeweg zu kontrollieren, würde «ein sehr gefährlicher Präzedenzfall» geschaffen, mahnt der amerikanische Aussenminister Marco Rubio. «Er wird sich in anderen Teilen der Welt wiederholen.»Momentan besteht Teheran allerdings darauf, die Strasse von Hormuz zu regulieren. Das Regime will auf keinen Fall zur freien Schifffahrt, die vor dem Krieg Bestand hatte, zurückkehren. Den USA fehlen bis jetzt die militärischen und wirtschaftlichen Druckmittel, um eine Öffnung der Strasse zu erzwingen. Das amerikanische Militärkommando hat kürzlich seine Analysten in einer E-Mail gebeten, neue Ideen zu entwickeln, um den Druck auf Iran zu erhöhen. «Wir suchen neue, kreative und unkonventionelle Möglichkeiten, um Iran zu bestrafen», hiess es gemäss CNN in dem Schreiben.Grundsätzlich scheint Trump aber nach wie vor drei Optionen zu haben: eine massive militärische Eskalation mit unsicherem Ausgang, eine Kapitulation vor der iranischen Kontrolle über die Strasse von Hormuz oder ein Weiter-so. Vor einer militärischen Eskalation ist der amerikanische Präsident nun wiederholt zurückgeschreckt. Um am Status quo der Meerenge etwas zu ändern, bedürfte es wohl eines Einsatzes von Bodentruppen, der letztlich zum Sturz des Regimes in Teheran führen müsste. Blosse Luftangriffe würden vermutlich nur zu höheren Kriegskosten für alle führen, ohne strategisch etwas am Konflikt zu ändern.Für einen Bodenkrieg fehlt Trump der Rückhalt in der eigenen Bevölkerung. Gleichzeitig verfügen die USA derzeit wohl auch nicht über genügend Munition, um selbst einen intensiven Luftkrieg weiterzuführen. Wie Reuters am Dienstag berichtete, hat das amerikanische Militär in dem Krieg angeblich einen grossen Teil seiner Präzisionsraketen aufgebraucht.Hoffen auf die SeeblockadeEbenso unrealistisch scheint zu sein, dass Trump die iranische Hoheit über die Strasse von Hormuz einfach akzeptiert. Dies würde den Status der USA als Ordnungsmacht nicht nur im Nahen Osten, sondern auch global infrage stellen. Sollte Washington dies akzeptieren, wäre mehr als fraglich, wie es Iran noch zur Aufgabe seines Atomprogramms bringen könnte.Die naheliegendste Option für Trump scheint deshalb zu sein, die Seeblockade und die Wirtschaftssanktionen weiterzuführen, um den Druck auf Iran aufrechtzuerhalten. Die Folgen davon sind schwerwiegend. Die Erdölexporte Irans sind eingebrochen, und die Inflation betrug im Juli knapp 90 Prozent. Die wirtschaftliche Not könnte langfristig zu neuen Protesten gegen das Regime führen. Allerdings leiden auch die arabischen Verbündeten am Golf unter der Blockade der Strasse von Hormuz. Und in den USA sanken die Zustimmungswerte für Trump gemäss einer Umfrage des «Economist» mit 34 Prozent auf einen historischen Tiefpunkt. Das Regime in Teheran scheint deshalb überzeugt zu sein, die Schmerzen länger aushalten zu können als die USA und ihre Alliierten. Gleichzeitig kann es auf einen Wahlsieg der Demokraten bei den Zwischenwahlen im November und den Präsidentschaftswahlen 2028 hoffen.Der amerikanische Nahost-Experte Aaron David Miller schrieb daher auf X, dass ein Abkommen mit Iran derzeit wohl nur möglich sei, wenn die USA die iranische Kontrolle über die Meerenge von Hormuz akzeptierten. Gleichzeitig werde der Konflikt aber weitergehen: «Diese Runde geht an Iran. Und der Kampf wird noch über viele Runden weitergehen.»Der Iran-Experte und ehemalige Mitarbeiter der Trump-Regierung Nate Swanson und die frühere Regierungsberaterin für die Arabische Halbinsel Allison Miner empfehlen dem amerikanischen Präsidenten im Magazin «Foreign Policy» derweil, seine Strategie gegenüber Teheran breiter und bescheidener zu gestalten. Trump müsse sich vom Gedanken befreien, dass Amerika alleine das iranische Problem lösen könne. Er solle sowohl die arabischen als auch die europäischen und asiatischen Verbündeten besser einbinden. Gleichzeitig werde Trump mit blossem Druck gegenüber Iran scheitern, unabhängig davon, wie gross dieser sein werde, schreiben Swanson und Miner.Um die freie Schifffahrt in der Meerenge von Hormuz zu garantieren und Irans Anspruch darauf damit zu vereinbaren, schlagen die beiden Nahost-Experten einen Mechanismus unter der Ägide der Uno vor. In dem Gremium sollten Iran und Oman mit je einem festen Sitz sowie die übrigen Golfstaaten mit einem rotierenden Sitz vertreten sein. Ob Trump und seine Regierung eine solche Option begrüssen würden, scheint allerdings mehr als fraglich. Der Präsident ist kein Freund multilateraler und internationaler Organisationen, gross ist auch sein Misstrauen gegenüber der Uno.Deshalb könnte Miller richtig liegen. In diesem Kampf könnte es noch viele Runden geben.Passend zum Artikel
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