Trump rudert zurück: Ein Abkommen mit Iran lässt weiter auf sich wartenAm Wochenende hatte der US-Präsident einen Durchbruch bei den Verhandlungen mit Teheran verkündet – nur um dann zurückzukrebsen. Zu weit liegen die Positionen der Amerikaner und der Iraner immer noch auseinander.25.05.2026, 19.00 Uhr4 LeseminutenSchiffe vor der Strasse von Hormuz: Am Wochenende bestand kurzzeitig Hoffnung, dass die Blockade der Wasserstrasse bald ein Ende haben könnte.Stringer/Reuters«Peace» – «Friede», schrieb US-Präsident Donald Trump am Samstag in grossen Lettern auf seiner Online-Plattform Truth Social. Kurz zuvor hatte er bekanntgegeben, Iran und Amerika hätten sich auf ein Abkommen so gut wie geeinigt. Zumindest kurzzeitig sah es so aus, als komme der Krieg am Golf zu einem baldigen Ende.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Zwei Tage später ist eine Beilegung des Konflikts offenbar wieder in die Ferne gerückt. Nachdem Trump schon am Pfingstsonntag verkündet hatte, er habe seinen Unterhändler angewiesen, «nichts zu überstürzen», legte er am Montagnachmittag nochmals nach: Es werde entweder ein gutes oder gar kein Abkommen geben, postete er auf Social Media.Und auch aus Teheran kommen zurückhaltende Signale. Man sei sich zwar näher gekommen, sagte Esmail Baghaei, der Sprecher des Aussenministeriums, am Montag. Trotzdem sei nicht mit einem baldigen Abkommen zu rechnen. Stattdessen soll jetzt erst einmal weiterverhandelt werden.Verlängerung der Waffenruhe um 60 TageDas Hin und Her zeigt, wie schwer es Washington und Teheran fällt, den Krieg in Nahost zu beenden. Drei Monate nachdem die Israeli und die Amerikaner damit anfingen, das geschwächte islamistische Regime Irans mit Luftangriffen zu überziehen, droht sich der Waffengang am Golf in einen eingefrorenen Konflikt zu verwandeln.Jüngst hatte es trotz einer laufenden Waffenruhe nicht nach einer Verständigung ausgesehen. Im Gegenteil: Nach Runden ergebnisloser Verhandlungen in Pakistan drohte Trump den Iranern erneut mit Angriffen. Am Samstag war der US-Präsident dann wie aus dem Nichts umgeschwenkt.Offenbar sollen sich seine Unterhändler mit den Iranern auf ein Moratorium geeinigt haben, welches eine Verlängerung der Waffenruhe um sechzig Tage vorsieht. Zudem verpflichtet es Teheran zur Freigabe der derzeit gesperrten Strasse von Hormuz und verspricht den Iranern im Gegenzug Sanktionserleichterungen.Die Positionen liegen zu weit auseinanderDie brenzligen Fragen rund um Teherans Atomprogramm, die Raketenstreitkräfte und die Milizen sollten hingegen erst zu einem späteren Zeitpunkt verhandelt werden. Doch auch mit dieser Aufschiebetaktik gelingt es den Iranern und Amerikanern bisher offenbar nicht, zueinanderzufinden.Dabei gäbe es für alle Beteiligten durchaus Gründe für ein Kriegsende. In Iran haben die Luftangriffe grosse Schäden angerichtet. Aber auch die USA hat der Krieg ein Vermögen gekostet. Und weil Teheran zudem die für den Schiffsverkehr wichtige Strasse von Hormuz sperrt, wird die Weltwirtschaft in Mitleidenschaft gezogen.Trotzdem gestaltet sich die Suche nach einem Ausweg schwierig. Zu weit liegen die Positionen auseinander. So verlangt Trump von Teheran eine Aufgabe des Atomprogramms. Doch die Iraner – die sich durch ihren Abwehrkampf gegen den israelisch-amerikanischen Angriff beflügelt sehen – weigern sich, verbindliche Zusagen zu machen.Amerikas Verbündete sind skeptischÄhnlich kompliziert gestalten sich andere Streitpunkte. So sieht Teheran die Blockade der Strasse von Hormuz als Trumpfkarte und will die Kontrolle über den Wasserweg nur ungern aufgeben. Für die Amerikaner ist der freie Schiffsverkehr jedoch eine Vorbedingung, um überhaupt weiterzuverhandeln. Dazu kommen andere ungelöste Themen wie Irans Raketenstreitkräfte oder die Zukunft der mit Teheran verbündeten Milizen.All das dürfte die Verhandlungen weiter in die Länge ziehen. Zumal der vorgeschlagene Kompromiss auch bei Amerikas Verbündeten keine Freude auslöst. So drängen die Golfstaaten, die unter dem Krieg am meisten leiden, zwar auf eine Verhandlungslösung. Für die Petro-Monarchien wäre ein aus dem Krieg gestärkt hervorgehendes Iran aber gleichzeitig ein Horrorszenario.Noch skeptischer sind die Israeli, die mit Amerika in den Krieg gezogen waren und nun bei den Verhandlungen nicht einmal mit am Tisch sitzen. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu, der dem verhassten Regime in Teheran eigentlich einen K.-o.-Schlag versetzen wollte, muss nun mit ansehen, wie ihm schlimmstenfalls alle Felle davonschwimmen.Wie geht es in Libanon weiter?Nach wie vor ist unklar, ob ein mögliches Abkommen über ein Kriegsende am Golf auch eine Einstellung der Kämpfe in Libanon bedeuten würde. Im Levante-Staat führen die israelische Armee und die mit Iran verbündete schiitische Miliz Hizbullah trotz offizieller Waffenruhe weiterhin einen blutigen Krieg, der Hunderttausende zur Flucht gezwungen hat und täglich Todesopfer fordert.Teheran will die Israeli auch dort zu einem Waffenstillstand zwingen. Für Jerusalem, welches die iranische Klientelmiliz Hizbullah in der unmittelbaren Nachbarschaft als tödliche Bedrohung betrachtet, kommt das aber nicht infrage. Zumal der Krieg an der Libanon-Front vom Hizbullah vom Zaun gebrochen wurde, nachdem er aufseiten Irans in den Kampf gezogen war. Seither besetzt Israels Armee Teile Südlibanons.Zwar versicherte Trump seinen Verbündeten, ein Friede am Golf würde nicht automatisch auch ein Ende der Kämpfe in Libanon bedeuten. Durchgesickerte Informationen über das auf dem Tisch liegende Moratorium weisen aber auf etwas anderes hin. Israel wird das kaum akzeptieren. Am Montag forderte der Finanzminister Bezalel Smotrich bereits, dass die Armee den Krieg im Nachbarland stattdessen ausweite.Passend zum Artikel
So nah und doch so fern: noch kein Ende des Iran-Krieges in Sicht
Am Wochenende hatte der US-Präsident einen Durchbruch bei den Verhandlungen mit Teheran verkündet – nur um dann zurückzukrebsen. Zu weit liegen die Positionen der Amerikaner und der Iraner immer noch auseinander.












