The PulseIm Gesundheitssektor beginnt die nächste Phase in der mRNA-RevolutionDie Ankündigung von Moderna und Merck hat ein Beben der Begeisterung ausgelöst: Erstmals wirkte eine massgeschneiderte mRNA-Krebstherapie in einer grossen Studie erfolgreich. Welche Krankheiten können künftig ebenfalls mit der Technologie behandelt werden? Und was bedeutet das für Investoren?Christoph Gisiger26.08.2026, 01.30 UhrDie amerikanischen Aktienmärkte treten in den letzten Tagen des Sommers auf der Stelle. Der S&P 500 konnte sich gestern Dienstag unter dünnen Handelsvolumen leicht im Plus halten. Der Nasdaq 100 mit den grössten Technologiewerten rückte immerhin 0,6% vor.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenThemarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Für Auftrieb im Tech-Sektor sorgte Nvidia. Die Aktien des weltgrössten Halbleiterkonzerns konnten nach sieben ununterbrochenen Handelstagen mit Verlusten einen Gewinn gut 2% verbuchen. Die längste Schwächephase seit September 2022 ist damit überwunden – zumindest vorerst. Umso spannender wird, was Konzernchef Jensen Huang heute Abend nach Börsenschluss zum Geschäftsgang im vergangenen Quartal sagt.Alles andere als bombastische Zahlen wären eine Enttäuschung. Analysten rechnen damit, dass Nvidia dank dem Boom im Bereich künstliche Intelligenz ein Umsatzwachstum von 97% auf über 92 Mrd. $ erzielt hat. Für die laufende Berichtsperiode wird gemäss dem Datendienst Koyfin eine Steigerung der Einnahmen von mehr als 80% erwartet. Wie immer dürfte Nvidia die Erwartungen übertreffen.Trotz des spektakulären Wachstums notieren die Aktien ungefähr auf dem gleichen Stand wie Ende Oktober 2025. Die gesamte Halbleiterindustrie steckt nach den präzedenzlosen Kursgewinnen im ersten Halbjahr in einer hartnäckigen Konsolidierung. Der PHLX Semiconductor Index zur Branche bewegt sich noch immer mehr als 20% unter dem Rekordhoch von Ende Juni.Derweil arbeitet sich ein anderer Sektor stetig nach vorne: Mit einem Plus von annähernd 8% schneiden Aktien von Gesundheitsunternehmen im bisherigen Verlauf des Monats August mit Abstand am besten ab. Für positive Impulse hat zuletzt ein spektakulärer Durchbruch von Moderna und Merck mit einer personalisierten mRNA-Therapie im Bereich Onkologie gesorgt.In der heutigen Ausgabe von «The Pulse» befassen wir uns deshalb mit dem Forschungserfolg der beiden Unternehmen. Wir gehen der Frage nach, was er für die Zukunft bei der Behandlung von Krebs bedeuten könnte und welche Implikationen sich daraus für Investoren ergeben.Bedeutsame Ereignisse in der Krebsforschung Für die Krebsforschung könnte 2026 als Jahr in die Geschichte eingehen, das den Beginn eines neuen Umbruchs markierte. Bereits im April löste das Biotech-Unternehmen Revolution Medicines mit einer experimentellen Immuntherapie gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs einen Sturm der Begeisterung aus. Ein weiterer Coup ist Moderna und Merck vor wenigen Tagen gelungen.Die beiden Unternehmen haben überraschend über einen Durchbruch mit der gemeinsam entwickelten mRNA-Therapie Intismeran informiert. Wie eine klinische Phase-III-Studie mit mehr als 1100 Patienten zeigt, wirkt sie in Kombination mit Mercks Krebsmittel Keytruda bei der Behandlung von schwarzem Hautkrebs (Melanom) besser als Keytruda allein. Zudem verhindert sie die Ausbreitung des Tumors im Körper. Anzeichen neuer Risiken sind nicht aufgetreten.Moderna-Chef Stéphane Bancel vergleicht die Ergebnisse mit dem bahnbrechenden Erfolg, den das Biotech-Unternehmen im November 2020 mit dem ersten mRNA-Vakzin gegen das Corona-Virus vermelden konnte. Detaillierte Daten zur Studie sollen demnächst an einer Branchenkonferenz bekannt gegeben werden, möglicherweise am Krebskongress ESMO (European Society for Medical Oncology) gegen Ende Oktober in Madrid.Moderna-CEO Stéphane Bancel.Bild: BloombergDynamisches Duo gegen KrebszellenIntismeran basiert auf der gleichen Technologie wie die Covid-Impfstoffe. Ein synthetisch hergestellter Botenstoff (Messenger Ribonucleic Acid, kurz mRNA) wird genutzt, um dem menschlichen Körper eine präzise Bauanleitung für bestimmte Proteine zu liefern. Für die Behandlung von Krebs ist dieser Prozess jedoch wesentlich komplizierter, weil jeder Tumor ein einzigartiges Mutationsmuster aufweist, selbst bei Patienten mit derselben Krebsart.Die Therapie muss deshalb für jeden Patienten personalisiert werden. Um die spezifischen Mutationen eines Melanoms zu identifizieren, wird zunächst eine DNA-Probe des Tumors genommen und mit der DNA gesunder Zellen verglichen, üblicherweise aus dem Blut. Danach wird ein massgeschneiderter mRNA-Strang hergestellt. Dieser enthält die Baupläne von bis 34 spezifischen Merkmalen des Tumors, die als Neoantigene bezeichnet werden.In einem nächsten Schritt erhält der Patient das massgeschneiderte mRNA-Vakzin. Der Körper wird dadurch animiert, die betreffenden Neoantigene selber herzustellen. Für sich genommen sind diese harmlos. Sie trainieren aber weisse Blutkörperchen (T-Zellen) darauf, gezielt nach krebsbefallenen Zellen mit den betreffenden Merkmalen zu suchen.Die T-Zellen erhalten dabei Unterstützung durch Keytruda. Krebszellen haben die heimtückische Eigenschaft, dass sie sich tarnen können, um nicht vom Immunsystem erkannt zu werden. Das Medikament von Merck deckt ihre Tarnung auf. Die mit der mRNA-Impfung trainierten T-Zellen können dadurch die Zellen eines Tumors erkennen, angreifen und zerstören.Zum besseren Verständnis kann ein einfacher Vergleich dienen: T-Zellen sind im Prinzip die Jagdhunde des menschlichen Körpers, wie es Mercks Forschungschef Dean Li im Interview mit dem Börsensender «CNBC» formuliert. Keytruda ist der Schlüssel, mit dem sie von der Leine gelassen werden können. Intismeran gibt ihnen eine Duftprobe, die sie auf die richtige Fährte bringt.Marktlancierung wird für 2027 angestrebt Die Studie von Moderna und Merck liefert den ersten statistisch gesicherten Beweis, dass mRNA-Vakzine zur Bekämpfung von Krebs funktionieren können. Diese «Ankündigung gehört in die Kategorie «handfeste Daten» – und das ist definitiv ein Grund zum Feiern», meint der Branchenkenner Derek Lowe. In den kommenden Monaten werden intensive Gespräche mit Gesundheitsbehörden für ein beschleunigtes Zulassungsverfahren geführt.Die Chancen dafür stehen gut. Melanome sind die tödlichste Form von Hautkrebs. Im Kernmarkt USA kämpfen nach Angaben des National Cancer Institute über 1,5 Mio. Menschen gegen die Erkrankung an, die oft zurückkehrt. Im Januar veröffentlichte Phase-II-Daten zu Intismeran und Keytruda haben gezeigt, dass das Risiko eines Rückfalls oder des Versterbens nach fünf Jahren bei der Verabreichung der Therapie um fast die Hälfte gesenkt werden konnte.Moderna und Merck zielen darauf ab, die Kombination nächstes Jahr auf den Markt zu bringen. Einnahmen und Kosten werden zwischen den beiden Unternehmen je zur Hälfte geteilt. Ein wichtiger Aspekt ist der Preis, zumal die Herstellung personalisierter mRNA-Stränge wesentlich teurer ist als beispielsweise die Massenproduktion von Covid-Impfstoffen. Als grobe Orientierung kann der Listenpreis für Keytruda mit rund 200’000 $ pro Jahr dienen.Analysten schätzen, dass sich die Spitzenverkäufe von Intismeran auf jährlich rund 2 Mrd. $ belaufen dürften. Besonders zuversichtlich ist das Research-Team der Grossbank Barclays, das Potenzial für einen Umsatz von 3 Mrd. $ sieht.Der nächste Test für das Intismeran-ProgrammDas sind beachtliche Summen. Doch die entscheidende Frage ist, ob die Technologie auch bei der Behandlung anderer Krebsarten Erfolg verspricht. Die Meinungen gehen auseinander, zumal sich Krebserkrankungen wesentlich voneinander unterscheiden. Der Durchbruch von Intismeran bei Melanomen garantiert deshalb nicht, dass der gleiche Ansatz bei der Behandlung anderer Tumore funktioniert.Schwarzer Hautkrebs eignet sich besonders gut für mRNA-Therapien, da aussergewöhnlich viele Mutationen als Ziele für das Immunsystem identifiziert werden können. Das heisst, der Impfstoff kann T-Zellen für mehr Angriffspunkte als bei anderen Krebsarten trainieren. Zudem reagieren Melanome vergleichsweise empfindlich auf Immuntherapien wie Keytruda.Die positiven Nachrichten haben aber zumindest die Wahrnehmung der mRNA-Technologie entscheidend verändert. «Die Daten schaffen neues Vertrauen in individualisierte Krebstherapien», sagt Evan Seigerman, Analyst beim Finanzhaus BMO. «Auch wenn die Wirksamkeit beim Melanom nicht einfach auf andere Tumore übertragbar ist, besteht durchaus Grund zu mehr Optimismus, was das Potenzial bei diesen Erkrankungen angeht.»Das Forschungsprogramm zur Kombination von Intismeran und Keytruda umfasst derzeit mehr als zehn klinische Studien in den Phasen II und III über verschiedene Tumorarten und Erkrankungsstadien hinweg. Ausser Hautkrebs zählen dazu Formen von Lungen-, Blasen und Nierenerkrankungen. Die nächsten Schlüsseldaten dürften gegen Ende Jahr oder im ersten Semester 2027 zu Phase-II-Studien für die Behandlung von Blasen- und Nierenkrebs publiziert werden.Chancen und Risiken für den Investment CaseGrobe Anhaltspunkte zu den Erfolgsaussichten für Intismeran geben Schätzungen von Analysten. Karen Andersen vom Finanzdienstleister Morningstar zum Beispiel hat die Wahrscheinlichkeit für eine Zulassung der mRNA-Therapie bei Melanomen von 60 auf 100% erhöht. Bei Lungenkrebs rechnet sie neu mit 40 statt 60%, und auch die Phase-II-Programme für Nieren- und Blasenkrebs hat sie nun in ihr Modell aufgenommen.Ein kurzer Blick auf den Konsens an den Märkten ergibt, dass die meisten Analysten mit ihren Prognosen noch immer eher vorsichtig sind. Gemäss dem Datendienst Visible Alpha werden für Moderna ab nächstem Jahr erste Verkäufe mit Krebstherapien in kleinerem Umfang erwartet. Bis 2035 soll das Onkologie-Portfolio des Unternehmens auf einen Umsatz von rund 2 Mrd. $ wachsen.Das ist durchaus positiv. Doch auf einer risikoadjustierten Basis werden präventive Vakzine gegen Covid, Grippe und andere Ansteckungskrankheiten demnach auch in Zukunft für den grössten Teil der Einnahmen aufkommen.Der ultimative Bull Case wäre, wenn Intismeran künftig für alle Arten von Krebserkrankungen zugelassen wird, die heute mit Keytruda behandelt werden. Der Blockbuster von Merck ist derzeit mit einem jährlichen Umsatz von 30 bis 35 Mrd. $ das meistverkaufte Einzelmedikament auf dem Markt. Die mRNA-Therapie könnte demzufolge ebenfalls Einnahmen in dieser Grössenordnung erzielen; vielleicht sogar noch deutlich mehr, wenn der Preis für Intismeran höher angesetzt wird.«Wir stimmen dieser These nicht zwingend zu», relativiert Michael Yee, Healthcare-Analyst bei UBS. Seiner Ansicht nach wird der Preis für Intismeran etwa auf dem Niveau von Keytruda oder leicht darüber liegen. «Zudem wären wir vorsichtig, die Studienresultate zu Melanomen vorschnell auf sämtliche anderen Krebsarten zu übertragen, die derzeit im Rahmen der laufenden Phase-II- und Phase-III-Programme geprüft werden.»Aktien von Moderna feiern ein eindrückliches ComebackFür Investoren gestaltet sich die Ausgangslage damit nicht einfach. Onkologie ist einer der grössten und lukrativsten Märkte im Gesundheitssektor. Obschon er hart umkämpft wird, ist ein gewisser Optimismus für die Anwendung von mRNA-Vakzinen aufgrund der neusten Entwicklungen durchaus gerechtfertigt.Auch dürfte die Technologie nun generell neuen Rückhalt erhalten. Dies, nachdem sie im Nachgang der Covid-Pandemie in einem politisch aufgeheizten Klima oft als gefährlich kritisiert wurde, obschon es dafür keine wissenschaftlichen Beweise gibt. So musste sich Moderna einen harten Kampf mit der US-Gesundheitsbehörde FDA liefern, um Anfang August die Zulassung der ersten mRNA-basierten Grippeimpfung zu erhalten.Anderseits lässt sich das Potenzial zum aktuellen Zeitpunkt nicht zuverlässig abschätzen. Speziell im Fall von Moderna nehmen die Aktien nach einem fulminanten Kurssprung schon viele positive Nachrichten vorweg. Bei der Veröffentlichung der Studienergebnisse zu Intismeran haben die Aktien eine Avance von 177% verzeichnet – der grösste Tagesgewinn für ein Unternehmen aus dem S&P 500 seit mehr als zwanzig Jahren.Die Titel haben auch in den vergangenen Tagen beträchtliche Schwankungen verzeichnet. Unter dem Strich hat sich der Börsenwert von Moderna seit den Studienresultaten um knapp 40 Mrd. $ erhöht, im Fall von Merck sind es gut 50 Mrd. $.Vergleicht man diese Bewegungen mit den Analystenerwartungen zu den Einnahmen mit Intismeran, preist der Markt somit bereits massives Wachstum ein. Das weckt ungute Erinnerungen an den Hype um Moderna während der Covid-Pandemie und den nachfolgenden Kollaps, bei dem die Titel bis zu 90% einbüssten.Attraktive Aussichten im Gesundheitssektor Etwas anders sieht es für Merck aus. The Market hatte den Pharmariesen im März 2025 als klaren Fall für Schnäppchenjäger präsentiert. Obschon sich die Aktien seither aufgewertet haben, sind sie nicht überteuert.Auf Basis der Analystenschätzungen für die nächsten zwölf Monate beträgt das Kurs-Gewinn-Verhältnis rund 18. Das ist noch immer günstiger als der S&P 500 mit einem KGV von 21. Anders als bei Moderna ist Intismeran für Merck weniger von existenzieller Bedeutung und bietet primär eine weitere Option, Keytruda nach dem Ablauf des Patentschutzes vor Nachahmer-Produkten zu schützen.Wird die mRNA-Technologie wieder in einem positiveren Licht wahrgenommen, sollte davon allem auch für BioNTech profitieren. Vom Biotech-Konzern aus Mainz werden im zweiten Halbjahr unter der neuen Leitung wichtige Studiendaten zu einer Krebstherapie in Kombination mit Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten (ADC) erwartet, die dem Kurs positive Impulse geben könnten (hier eine detaillierte Analyse).Aus einer umfassenderen Sicht ist der Anfangserfolg von Intismeran schliesslich ein weiteres Argument dafür, das für eine generelle Aufhellung im Gesundheitssektor spricht. Aktien von Pharma- und Biotech-Unternehmen sollten in einem gut diversifizierten Portfolio deshalb nicht fehlen.Deep DivingAn dieser Stelle präsentieren wir wie immer einige Links, die einen vertieften Einblick in ein aktuelles Thema geben:Die Abkürzung bringt die Kontroverse um neue Rechenzentren in den USA auf den Punkt: NIMBY – Not In My Back Yard. Gemeint ist damit der wachsende Widerstand gegen den KI-Infrastrukturboom aus Angst vor Lärm, höheren Strompreisen, Wassermangel und Verlust von Arbeitsplätzen. Die Tech-Reporterin Jasmine Sun hat sich dazu ein Bild vor Ort gemacht. Sie berichtet in dieser Reportage von einer Reise durch die US-Bundesstaaten Wisconsin und Michigan, wo der Streit um Data Center mit umkämpften Zwischenwahlen, industrieller Geschichte und einer tiefen Heimatverbundenheit der Menschen verschmilzt.Dass sich der chinesische Champion BYD als weltweit führender Hersteller von Elektrofahrzeugen etabliert hat, ist mittlerweile gut bekannt. Weniger geläufig ist hingegen, dass der Konzern über eine eigene Flotte von acht riesigen Transportschiffen verfügt, die jährlich Millionen von Autos nach Europa, Südamerika, Mexiko und Australien exportieren. Dazu zählt die BYD Shenzhen, der grösste Autofrachter der Welt mit einer Kapazität von 9200 Fahrzeugen, verteilt über sechzehn Decks. Der YouTube-Sender Snap Shift befasst sich mit der Exportstrategie von BYD und der Frage, ob sie sich auszahlen wird.Das Phänomen lässt sich immer wieder beobachten: Wenn ein Unternehmen in einen grossen Index aufgenommen wird, erhalten die Aktien einen kräftigen Schub. So verhielt es sich zuletzt auch beim Online-Diskussionsforum Reddit. Der Kurs verbuchte bei der Ankündigung der Aufnahme in den S&P 500 einen Tagesgewinn von über 12%. Solche Bewegungen sind eine – wohl unbeabsichtigte – Konsequenz der Revolution passiver Anlagestrategien, die Vanguard-Gründer John Bogle am 31. August 1976 lancierte. Zum 50-Jahre-Jubiläum widmet sich der Finanzdienstleister Morningstar der Entstehungsgeschichte des ersten Indexfonds für Privatanleger.Und zum Schluss noch etwas anderes: Ready for TakeoffDer Countdown läuft. In wenigen Wochen, am 22. September, erhält das Kulturangebot von Los Angeles ein neues Highlight, das Fans von Kunst und Science-Fiction gleichermassen anziehen dürfte: das Lucas Museum of Narrative Art. Es zeigt die Sammlung von George Lucas, dem Schöpfer der Welterfolge Star Wars und Indiana Jones.Der 82-jährige Hollywood-Titan interessierte sich früh für grafische Kunst. Schon als Student an der Filmschule der University of Southern California ersteigerte er Comic-Originale aus der Underground-Szene, wie das Reisemagazin «Westways» berichtet. Heute umfasst seine Sammlung Tausende von Objekten – von Künstlern der Moderne wie Frida Kahlo und Jacob Lawrence über japanische Manga-Bilder bis hin zu kultigen Werbeplakaten.Massgeblichen Einfluss auf das Projekt nahm seine Frau, Mellody Hobson. Sie ist mit Lucas seit 2013 verheiratet und leitet als Co-CEO den Vermögensverwalter Ariel Investments. Wenn das Museum seine Tore öffnet, werden mehr als 1200 Exponate in über dreissig Ausstellungsräumen zu sehen sein. Das übergreifende Thema, narrative Kunst, gilt der Geschichte der Gesellschaft; Werten, die gemeinsamen Halt verleihen.Der fünfstöckige Bau, der rund 1 Mrd. $ gekostet haben soll und sich über zwei Strassenblocks hinzieht, mag manche Besucher wegen seiner aerodynamischen Struktur an ein Raumschiff erinnern. Das gilt ebenso für das futuristische Atrium mit drei transparenten Aufzugsschächten, die Vakuumröhren-Systemen aus einem Science-Film gleichen.Doch das ist keine Absicht. Dem Stararchitekten Ma Yansong, Gründer des Designbüros MAD Architects, ging es darum, fliessende Bewegungen und Fremdartigkeit auszudrücken. Das Dach ist mit Solarpaneelen, Bäumen und anderen Pflanzen bestückt. Eine grossfläche Parkanlage bettet das Gebäude in seine urbane Umgebung unweit des Olympiastadions der Sommerspiele von 1984 ein.Natürlich kommen aber auch Star-Wars-Fans auf ihre Rechnung. Das Museum beherbergt fortan die Lucas Archives, eine beispiellose Kollektion von Requisiten, Kostümen, Kunstwerken und Exponaten aus den legendären Kinoproduktionen des Stifters, der sein Filmstudio 2012 für gut 4 Mrd. $ an Disney verkauft hat. Gleich über dem Eingang schwebt ein originaler N-1 Starfighter aus «Star Wars: Episode 1 - The Phantom Menace».Das Lucas Museum of Narrative Art soll mit einem günstigen Eintrittspreis von 25 $ ein breites Publikum anziehen.Bild: Lucas Museum of Narrative Art