Auf den ersten Blick wirkt die Ortswahl logisch. Frisch aus der Sommerpause zurückgekehrt, will Friedrich Merz sein Kabinett in Neuhardenberg um sich scharen. Das Schloss gehörte einst dem Staatskanzler Karl August von Hardenberg, dessen Name untrennbar mit den Preußischen Reformen des frühen 19. Jahrhunderts verbunden ist. Auf ihn hatte sich schon Gerhard Schröder berufen, als er im Sommer 2003 mit seiner Regierung auf Hardenbergs Ländereien tagte. Das Bild von der Sitzung unter grünen Bäumen prägte sich in die kollektive Erinnerung ein. Von der Aufhebung der Leibeigenschaft bis zum „Fördern und Fordern“ auf dem Arbeitsmarkt: Welcher Ort sollte geeigneter sein, um den Reformwillen einer arg gerupften Bundesregierung zu verkörpern?Auf den zweiten Blick stellt sich die Sache anders dar. Als der große Reformkanzler hier einzog, waren die Zeiten der Veränderung längst vorbei. Der preußische König Friedrich Wilhelm III. machte das Schloss seinem Staatskanzler im Jahr 1814 zum Geschenk, da war die Reformära schon erlahmt, die Großmächte verhandelten auf dem Wiener Kongress über die Wiederherstellung des Status quo. Das Schloss war gewissermaßen die Kompensation dafür, dass Hardenberg die Richtlinien der Politik nicht mehr bestimmen durfte. Und als die nötigen Umbauten nach Entwürfen des Architekten Karl Friedrich Schinkel 1823 zum Abschluss kamen, war der bei Hofe längst abgemeldete Neuerer schon tot.
Friedrich Merz in Neuhardenberg: Wenn das mal kein böses Omen ist
Das Kabinett trifft sich auf dem Schloss des preußischen Staatskanzlers Hardenberg. Wenn das mal kein böses Omen ist.











