GastkommentarMartin HilbDas Aufkommen von KI verlangt von Unternehmen neue Überlegungen beim StellenabbauKünstliche Intelligenz erlaubt in vielen Bereichen Effizienzgewinne. Diese sind jedoch auch abzuwägen gegen die sich neu ergebenden Tätigkeiten und Aufgaben.24.08.2026, 05.15 Uhr3 LeseminutenDer gesellschaftliche Friede ist auch eine Frage des Arbeitsmarktes. Bild: Arbeitsintegration von Menschen mit psychischer Krankheit bei Gategourmet, Flughafen Zürich 2017.Selina Haberland / NZZDie gegenwärtige schwierige geopolitische Lage sowie die zunehmende Digitalisierung und Nutzung von KI in Gesellschaft und Wirtschaft stellen eine neue Herausforderung dar. Ein zentraler Aspekt ist dabei die Entwicklung des Arbeitsmarkts. Die ökonomischen Unsicherheiten und abzusehenden Effizienzgewinne durch die KI werden auch in der Schweiz zu einem zunehmenden Stellenabbau in vielen privaten und staatlichen Organisationen führen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Als Land ist die Schweiz diesem Prozess nicht einfach ausgeliefert, zugleich wird sie sich ihm nicht einfach entziehen können. Mit einem geeigneten Vorgehen können hiesige Stellen ohne Verlierer abgebaut und gleichzeitig neue Stellen geschaffen werden – so dass sich eine nachhaltige Gesellschafts- und Wirtschaftsentwicklung sicherstellen und mit einer im internationalen Vergleich weiterhin hohen Beschäftigungsquote vereinbaren lässt.Was braucht es noch, was braucht es mehr?Wer in Führungsfunktionen tätig ist, ist mit dem Entscheid zum Stellenabbau meist vertraut. Er erfolgt selten leichtfertig, entscheidend ist aber, wie genau er erfolgt, auf welche Weise er kommuniziert wird und wie man ihn für die betroffenen Arbeitnehmer, die beteiligten Teams und das Unternehmen selbst gestaltet.Zentral ist beim Stellenabbau immer, Entlassungen zu vermeiden. Unter dem Motto «Stellenabbau ohne Verlierer» habe ich in meiner Funktion als langjähriger Direktor in einem internationalen Pharma- und Biotechnologieunternehmen über die Jahre ein Konzept entwickelt, das auch Anwendung gefunden hat. Wenn immer eine Vakanz auf allen Ebenen der Organisation entsteht, gilt es, eine Reihe von Fragen zu klären. Erstens fragt sich, welche Aufgaben der bisherigen Stelle auch in Zukunft bedeutend sind. Sind es beispielsweise 70 Prozent – und können damit 30 Prozent der bisherigen Aufgaben weggelassen werden, weil sie nicht mehr wichtig sind?Zweitens: Welche zusätzlichen Aufgaben sind in Zukunft über das gegenwärtige Aufgabenheft hinaus von Belang? Das können beispielsweise 10 Prozent neue Tätigkeiten sein. Drittens: Welche der zukünftigen Aufgaben lassen sich digital und mithilfe der Nutzung von KI ausführen? Mitunter kann sich abzeichnen, dass ein guter Teil künftig auf diesem Weg erledigt wird und darum zusätzlich 30 Prozent entfallen.Aus diesen Überlegungen ergeben sich das neue Stellenprofil und die dazugehörigen Wochenstunden. Die neue vakante Position wäre in diesem Fall eine 50-Prozent-Stelle. Von besonderer Bedeutung ist auch der nächste Schritt: Für die Teilzeitposition wird zunächst eine geeignete interne Person ausgewählt, für die dies eine Beförderung darstellt. Falls dies nicht gelingt, wird eine externe Person gesucht.Mehr Zeit vermeidet VerliererUmgekehrt werden für intern abgebaute Stellen Möglichkeiten in anderen Bereichen gesucht, wo Bedarf besteht und Stellen geschaffen werden. Zudem gilt es, die natürliche Fluktuation mit Pensenreduktionen, Pensionierungen und der demografischen Entwicklung zu nutzen. Falls man beispielsweise vier Jahre für einen grossen Stellenabbau zur Verfügung hat (wie etwa derzeit bei der SRG), sollte mit diesem Konzept bei einer in der Praxis üblichen Fluktuationsrate der geplante Stellenabbau ohne Entlassungen und damit ohne Verlierer möglich sein.In unsicheren Zeiten wie den unseren ist von besonderer Bedeutung, dass der gesellschaftliche Frieden gewahrt ist. Dazu gehört auch, dass Umbrüche im Arbeitsmarkt geschickt, klug und im Austausch mit den Beteiligten erfolgen.Martin Hilb ist emeritierter Professor der Betriebswirtschaftslehre.Passend zum Artikel
KI und Stellenabbau: Vorsicht und Konzepte sind gefragt
Künstliche Intelligenz erlaubt in vielen Bereichen Effizienzgewinne. Diese sind jedoch auch abzuwägen gegen die sich neu ergebenden Tätigkeiten und Aufgaben.







