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Natürlich handelt es sich bei dem, was an diesem Sonntagabend in ARD und ZDF als Sommerinterviews zu sehen und zu hören war, nicht wirklich um Gespräche. Das hieße ja, so hat es der Philosoph Hans-Georg Gadamer einst formuliert, dass beide Seiten nicht wüssten, was bei einer Unterhaltung herauskommt. Mehr noch: »Ein Gespräch setzt voraus, dass der andere recht haben könnte.«

Eine solche Offenheit ist in zwanzigminütigen Politikerinterviews sowieso schon unwahrscheinlich, die Umstände geben das kaum her. Im Falle der AfD-Vorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla ist es sogar unmöglich. Nicht die Freiheit des Gesprächs, sondern, im Gegenteil, den maximalen Willen zur Kontrolle zeichnet diese Versuchsanordnung aus. Auf der einen Seite sitzt in beiden Interviews ein Journalist, der seine Themen und die Zeit im Griff haben muss, dazu noch die demagogischen Auswüchse seines Gegenübers. Und auf der anderen Seite sitzen Weidel und Chrupalla, die auf größtmöglicher Bühne ihre neueste rhetorische Strategie vorführen. Die Fragen dienen ihnen nur dazu, den Ton auszuprobieren, mit dem sie glauben, ihre Anhänger zum Schwingen zu bringen.