Als Alice Weidel im vergangenen Jahr im ARD-Sommerinterview am Berliner Spree-Ufer befragt wurde, tönte es im Hintergrund aus Lautsprechern „Scheiß AfD", dazu laute Musik und Demonstranten, so dass die AfD-Parteivorsitzende teils kaum zu verstehen war. Die ARD hat das gesamte Interviewformat in diesem Jahr deshalb ins Studio verlegt. Und das ZDF, bei dem Weidel heute dran war, zeichnete sein Gespräch sogar in Wien auf. Allerdings aus einem anderen Grund: Weidel ist nach eigener Auskunft gerade in der österreichischen Hauptstadt, um sich dort mit den Parteispitzen der ebenfalls rechtspopulistischen FPÖ zu treffen. Diese sei schließlich an fünf Landesregierungen beteiligt. „Und da können wir auch sehr viel von der FPÖ lernen“, sagte Weidel. Wien indes, das international sehr für seine Klima- und Hitzeschutzpolitik gelobt wird, will sich die AfD-Vorsitzende nicht als Vorbild nehmen. „Wir hatten Wärmeperioden, Kälteperioden, das gehört mit dazu“, antwortete Weidel auf eine entsprechende Frage des ZDF-Moderators. Vom „Schleifen des industriellen Kerns“ und von der „Versperrung der Innenstädte für den angeblichen Klimaschutz“ halte die AfD überhaupt nichts. Innenpolitisch attackierte Weidel im „ZDF Berlin direkt Sommerinterview“, das um 19.10 Uhr ausgestrahlt wird, vor allem die CDU. Diese werde keine einzige Bundestagswahl mehr gewinnen, sagte Weidel. Der Bürger werde von vorne bis hinten angelogen, behauptete sie. „Die DNA der CDU ist die Lüge.“ Zudem mache die Brandmauer die CDU kaputt, weshalb sich die AfD-Chefin auch vor den anstehenden Landtagswahlen ​siegessicher präsentierte. „Wir werden in den ersten Bundesländern regieren, nicht nur in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Und wir werden auch im Bund regieren“, sagte Weidel. Diejenigen, die Deutschland jetzt regierten, bezeichnete Weidel als „Flachzangen“. Für die wirtschaftlichen Probleme Deutschlands machte Weidel auch den Euro verantwortlich, weshalb die AfD ihn im Falle einer Regierungsbeteiligung abschaffen will. Vor der Einführung des Euro sei es Deutschland deutlich besser gegangen, sagte Weidel. „Wir sehen eine breite Verarmung breiter arbeitender Bevölkerungsschichten.“ Der Euro sei keine „Starkwährung“ mehr, der Euro werde „weichgemacht“. Und dann ging es in dem Interview in Wien natürlich noch um die Migrationspolitik – ein Grund für Weidel, Deutschland auch aus dem Schengenraum zu führen. Sie verwies auf die Vorfälle in der spanischen Exklave Ceuta, weshalb Deutschland seine Grenzen schließen müsse. „Wir haben keine Rechtssicherheit mehr, wir haben eine Gefährdung unserer öffentlichen Sicherheit, die Frauen gehen nicht mehr raus, überall Messeattacken, Gruppenvergewaltigungen“, behauptete Weidel. Die AfD wolle deshalb Afghanen und Hunderttausende Syrer in ihre Heimat abschieden. Auf die Frage des Moderators, wie sie das in der Zusammenarbeit mit den Regierungen in Syrien und Afghanistan lösen wolle, ging Weidel nicht ein. Weidels Ko-Vorsitzender Tino Chrupalla war heute ebenfalls im Sommerinterview, im Studio der ARD in Berlin. Das Gespräch mit ihm wird um 18 Uhr im Ersten ausgestrahlt.