Die Vorsitzende der Rechtspartei schiesst kräftig gegen die CDU, weicht inhaltlichen Fragen aber aus. Im vergangenen Jahr war ein Interview mit ihr von Demonstranten gestört worden.23.08.2026, 18.24 Uhr3 LeseminutenAlice Weidel im ZDF-Sommerinterview: «Der Bürger wird von vorne bis hinten angelogen.»Fabian Weiss / ZDFWenn die AfD-Chefin Alice Weidel und die Öffentlichrechtlichen in der Vergangenheit auf deutschem Boden aufeinandertrafen, endete das häufig in gegenseitiger Enttäuschung und mehrfach gar im Abbruch.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Zumindest dazu kam es im diesjährigen Sommerinterview der ZDF-Sendung «Berlin Direkt» nicht, das am Sonntag ausgestrahlt wurde, wenn es darin auch erhitzt und sprunghaft zuging. Vielleicht half, dass sich der Moderator Wulf Schmiese und Weidel auf neutralem Boden begegneten – auf Wunsch Weidels in der österreichischen Hauptstadt Wien, wo sie sich derzeit mit Vertretern der dortigen Rechtspartei FPÖ treffe.Noch im vergangenen Sommer war Weidel zum ARD-Sommerinterview vis-à-vis dem Bundeskanzleramt angetreten und wurde durch störenden Lärm von Demonstranten übertönt. Dass die Verantwortlichen das Interview dennoch laufen liessen, wurde vonseiten der AfD im Nachhinein kritisiert.Auch Weidels Co-Vorsitzender Tino Chrupalla wurde am Sonntag im Sommerinterview befragt – in dem der ARD. Gemäss den Sendern war das auf terminliche Gründe zurückzuführen.«Flachzangen, die da oben sitzen»Weidel nutzte ihr Gespräch, um ausgiebig gegen ihren politischen Gegner auszuteilen. Die «DNA der CDU» sei die Lüge, so Weidel. «Der Bürger wird von vorne bis hinten angelogen.» Die Vorsitzende der Rechtspartei machte zugleich klar, dass sie solche Attacken aus einer Position der Stärke führen würde.Schliesslich steht ihre AfD bundesweit in Umfragen an erster Stelle. In Sachsen-Anhalt, wo in zwei Wochen das Landesparlament gewählt wird, scheint die absolute Mehrheit in Reichweite.Aber im Gegensatz zum dortigen Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund, der sich in den vergangenen Wochen um eher gemässigte Töne bemühte, gab sich Weidel im ZDF über weite Strecken keineswegs konziliant: «Wir werden in Sachsen-Anhalt die Regierung stellen und die CDU wird bundesweit nie mehr wieder eine Bundestagswahl gewinnen.»Als Weidel rhetorisch weiter aufdrehte und in erregtem Tonfall von «irgendwelchen Flachzangen, die da oben sitzen» sprach, die das Gegenteil von dem täten, was sie versprächen, intervenierte Moderator Schmiese. Er sagte, eine solche Rhetorik sei «respektlos».Inhaltlich blieb Weidel blassÜber weite Strecken wich Weidel den inhaltlichen Vorstössen Schmieses aus. Auf die Frage, wie die AfD den schwächelnden Export deutscher Autos nach China wieder beleben wolle, konterte sie mit Angriffen auf die CDU.Greifbar zeigte Weidel sich lediglich bei der Forderung nach Technologieoffenheit: Sie verlangte ein Ende der Subventionen für E-Mobilität und die sofortige Rücknahme des europäischen Verbrennerverbots. Der CDU, die ähnliche Positionen vertritt, warf sie vor, das Verbot in Brüssel einst selbst durchgesetzt zu haben.Ob die AfD noch immer für einen Euro-Austritt stehe, den sie im Wahlprogramm für die jüngste Bundestagswahl gefordert hatte, wollte Schmiese wissen. Weidel antwortete mit einem länglichen Exkurs zu den Problemen der Gemeinschaftswährung Euro. Dieser sei zu einer «Weichwährung geraten» und so mit «Vermögensverlusten für die normale Bevölkerung» verbunden, sagte Weidel. Vor der Einführung des Euros sei es Deutschland ökonomisch besser ergangen. Die explizite Frage, ob sie deswegen immer noch für die Rückkehr zur D-Mark steht, beantwortete Weidel nicht eindeutig.Auch Weidels migrationspolitische Forderungen unterzog der Moderator Schmiese einer Prüfung. Sie hatte in der Vergangenheit gefordert, allen syrischen Asylmigranten den Schutzstatus abzuerkennen und sie abzuschieben, sollten sie nicht freiwillig gehen. Ohne Rücknahmeabkommen mit Syrien würde das schwierig werden, entgegnete Schmiese. «Haben Sie da spezielle Kontakte?»Weidel wiederholte daraufhin ihre Forderung, sagte: «Die Syrer werden alle zurückgeführt in ihre Heimat.» Deutschland müsse aufhören, Syrer einzubürgern. «Sie haben keine Antwort», resümierte der Moderator.Sie sei «richtig fröhlich», sagte die AfD-ChefinZwar wurde Weidel erst im Juli mit mehr als 80 Prozent der Stimmen in ihrem Amt als Parteivorsitzende wiedergewählt, jedoch ist die AfD keineswegs hinter ihr geeint. Im Landesverband in Nordrhein-Westfalen kam es in den vergangenen Wochen zu wüsten Auseinandersetzungen, in denen Weidel sich auf der Seite der Radikalen um Matthias Helferich positionierte.Schmiese thematisierte das parteiinterne Ordnungsverfahren gegen ein AfD-Mitglied aus Nordrhein-Westfalen, das Weidel als «Alice Merkel» bezeichnet hatte. Lächelnd entgegnete sie, sie sei wegen solcher Streitigkeiten nicht beleidigt, sondern vielmehr «richtig fröhlich»: «Sie interessiert das, mich interessiert es gar nicht.»Am Ende versuchte sich die AfD-Chefin dann doch noch an einer ausgestreckten Hand in Richtung der anderen Parteien: Sie sei bereit, mit jedem zu arbeiten, solange er fähig sei und «die Interessen in unserem Land im Auge hat».Passend zum Artikel
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