In Ihrer Bewerbung für „Deutschland spricht“ schreiben Sie, dass Sie sich Sorgen um die Zukunft Ihrer Kinder in der Kita und im Schulsystem machen. Wie meinen Sie das?Ich habe zwei Kinder im Alter von einem Jahr und vier Jahren. Während der Kleine gerade mit meinem Mann in der Kitaeingewöhnung ist, geht der Ältere seit drei Jahren in den Kindergarten. Weil ein neues Gebäude gebaut wird, ist die Kita schon seit Jahren in einem Wohncontainer untergebracht, in dem es im Sommer unfassbar heiß wird. In der Vorschule fallen regelmäßig Ausflüge aus oder werden verschoben, weil Personal fehlt. Mein Sohn ist noch nicht in der Vorschule, aber das betrifft ihn dann in einem Jahr. Das macht mir Sorgen, denn ich wünsche mir natürlich die bestmögliche Ausbildung für meine Kinder und bin davon überzeugt, dass die vorschulische Bildung eine wichtige Rolle dabei spielt, dass sie in der Schule einen guten Start haben. Ich habe gelesen, dass das Sprachniveau in der Schule stark nachlässt – und logischerweise wird das Niveau an die Kinder angepasst, die nicht so gut Deutsch sprechen. Das kann nicht sein. Es ist leider ein Thema der AfD, aber es ist etwas dran. Ich denke, Bildung muss priorisiert und alle Kinder müssen gefördert werden.Auf welchen Ausgang der Wahl in Sachsen-Anhalt hoffen Sie, und was halten Sie für realistisch?Ich hoffe, dass die CDU gewinnt und ihre konservative Stimme einbringt. Sie wäre aber in der Zwickmühle und könnte keine konservative Politik machen, sollte sie mit der Linken eine Einigung finden müssen. Friedrich Merz hat vor der Wahl vieles versprochen und dann doch anders gemacht, deshalb vertraue ich der CDU nicht. Aber ich wünsche mir, dass die AfD nicht gewinnt – auch wenn ich es für realistisch halte, dass sie gewinnt.Womit verdienen Sie Ihr Geld, und was würden Sie an Ihrer Arbeitswoche ändern, wenn es an Ihnen läge?Lena HiekeMarcus SimaitisAls studierte Försterin arbeite ich für ein Infrastrukturunternehmen, das sich um die Verkehrssicherheit an der Bahnstrecke kümmert. Ich organisiere, dass faule, alte und abgestorbene Bäume gefällt werden. Mir gefällt mein Beruf, und er ist auch familienfreundlich mit Gleitzeit und viel Homeoffice. Mein Mann und ich teilen sich die Haus- und Carearbeit fair auf. Dadurch können wir uns bei fast allen Aufgaben abwechseln, und jeder hat die Möglichkeit, auch einmal durchzuatmen. Um den Alltag gewuppt zu bekommen, arbeite ich in Teilzeit. Trotzdem hätte ich am liebsten einen Tag, der 48 Stunden dauert, dann könnte ich guten Gewissens Vollzeit arbeiten und hätte dennoch genug Zeit für meine Kinder. Aufgrund unserer finanziellen Situation habe ich meine Elternzeit verkürzt und bin nach einem Jahr statt nach zwei Jahren wieder in den Job zurückgekehrt. Wir wünschen uns ein Haus, aber ich müsste voll arbeiten, damit wir dafür etwas zurücklegen könnten.Was haben Sie zuletzt eine Maschine erledigen lassen, das Sie selbst besser können?In meinem Beruf ist KI bisher kaum ein Thema, im Alltag nutze ich sie für Recherchen. Wenn mich etwas interessiert, tippe ich die Frage in Google ein und schaue mir die Quellen an.Ab welchem Alter würden Sie einem Kind in Ihrer Familie ein Smartphone in die Hand geben?Unsere Kinder dürfen per Videoanruf mit Oma und Opa telefonieren, und mein Sohn hört über mein Smartphone Kinderhörbücher. Ansonsten macht er damit nichts. Auf die Frage, wann ich meinen Kindern ein Handy erlauben würde, habe ich ehrlich gesagt noch keine Antwort. Eines mit Kindersicherung vielleicht ab 14 oder 16. Vorher tendiere ich eher zu einer Smartwatch, mit der sie mich anrufen können und ich sehen kann, wo sie sind, wenn sie allein spielen. Social Media würde ich definitiv bis 16 verbieten. Die Gefahr der Desinformation ist einfach riesig.Was hat sich in Ihrem Ort in den vergangenen zehn Jahren am stärksten verändert?In unserem Ort hat der CDU-Bürgermeister viel investiert. Die beste Investition fand ich, dass der Bach renaturiert wurde. Der floss vorher schnurgerade, jetzt wurde er verbreitert und so gelegt, dass bei starken Regenfällen mehr Wasser versickern kann. Das ist sehr schön geworden.Würden Sie einem Zwanzigjährigen heute raten, in Deutschland zu bleiben?Ja, auf jeden Fall, denn man hat hier alle Möglichkeiten. Wenn man gewillt ist, etwas zu lernen, bekommt man alle Unterstützung. Die habe ich auch vom Arbeitsamt bekommen, als ich nach dem Studium zunächst arbeitslos war. Ich konnte Kurse belegen und habe dazugelernt, wie ich meine Bewerbungen schreibe. Ich habe diesen Arbeitswillen, so bin ich erzogen.Lena Hieke ist 37 Jahre alt und lebt im Kreis Düren. Sie hat Forstwirtschaft studiert und arbeitet in der Verkehrssicherung für ein Infrastrukturunternehmen. In der Interviewreihe „Sieben Fragen, sieben Antworten“ beantworten Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Leserdebattenaktion „Deutschland spricht“ Fragen anlässlich der verschiedenen Landtagswahlen im September.