Die neue Champagner-Lounge in der wohl luxuriösesten Badi der Schweiz sorgte für Diskussionen – nun muss sie verschwindenDie Stadt Zürich und das «Dolder» sind bei der Badi einen speziellen Deal eingegangen. Das birgt Konfliktpotenzial, wie sich nun zeigt.22.08.2026, 05.05 Uhr4 LeseminutenEine Badi für alle? Die Champagner-Lounge im Freibad Dolder sorgte für rote Köpfe.PDIm Dolder-Wellenbad am Zürichberg gibt es für 16 Franken ein Glas Champagner und einen Hauch Exklusivität: Zugang zur «Moët & Chandon Lounge», einen Liegestuhl, einen Sonnenschirm und das Gefühl, etwas Besonderes zu sein.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Doch schon kurz nachdem die sanierte Dolder-Badi im Juni eröffnet worden war, sorgte die temporäre Champagner-Lounge für Kontroversen und füllte Kommentarspalten der lokalen Presse und der sozialen Netzwerke.Das passe doch gut an den Zürichberg, fanden die einen. Nein, das passe gerade nicht, sagten die anderen: vor allem nicht in eine Badi, die mit Steuergeldern für 20 Millionen Franken renoviert worden sei, um «eine Badi für alle zu sein».Die Sanierung der Badi basiert auf einem speziellen Konstrukt: Die Stadt hat die Badi für 30 Jahre im Baurecht übernommen, betrieben wird sie aber weiterhin vom «Dolder». Und das birgt Konfliktpotenzial, wie sich am Beispiel der Champagner-Lounge zeigte.Die Idee dazu stammt vom Betreiber: dem Fünfsternehotel Dolder. Es ist für das gastronomische Angebot der Badi verantwortlich und hat die Lounge in Eigenregie als Pop-up eröffnet – und damit offenbar die Stadt überrascht.Das für die Badi zuständige Sportamt teilte vor den Sommerferien mit, man werde das Gespräch mit dem Betreiber suchen und das Gastronomieangebot besprechen.Das ist inzwischen geschehen und hat Folgen: «Im Gespräch wurde vereinbart, dass die Champagner-Lounge bis Ende August abgebaut wird», heisst es auf Anfrage der NZZ beim Sportamt. Der exklusive Bereich wird damit noch vor Saison-Ende aufgehoben. Und im nächsten Sommer wird es kein ähnliches Angebot mehr geben.Ein Wellenbad ohne WellenDie Besitzer des Fünfsternehotels Dolder haben die Badi 1934 als Attraktion gebaut: Es war das erste Familienbad der Stadt Zürich und die erste Badi der Schweiz mit künstlichen Wellen. Immer zur vollen Stunde wurde die Wellenmaschine eingeschaltet – lautstark angekündigt von einem Horn. Doch 2006 ging die Maschine kaputt. Und nicht nur sie.Die Badi war je länger, je mehr in einem schlechten baulichen Zustand und das Geschäft defizitär. Die Betreiber des Grand-Hotels hatten kein Interesse, gross in die Badi zu investieren. Die Stadt hingegen schon. Sie wollte sichergehen, dass die Bevölkerung der umliegenden Quartiere weiterhin die Möglichkeit hat, eine öffentliche Badi zu besuchen.So könnte es kommenden Sommer erneut aussehen, wenn das Dolder-Wellenbad seinem Namen wieder alle Ehre machen wird.ETH-Bibliothek ZürichDeshalb versuchte sie, dem Dolder-Besitzer Urs E. Schwarzenbach das Land mit der Badi drauf abzukaufen – doch dieser lehnte ab. Schliesslich einigten sich die beiden Parteien darauf, dass die Stadt die Badi ab 2022 für 30 Jahre im Baurecht übernimmt. Das heisst: Sie kann die Badi sanieren – auf eigene Kosten. Nach Ablauf gehen die Bauten und Anlagen an den Grundeigentümer über.Das klingt, als würde sich der Deal vor allem für Schwarzenbach und seine Dolder Hotel AG lohnen. Doch die Stadt stellt klar: Das «Dolder» bekommt die Badi nicht gratis zurück. In 30 Jahren muss es der Stadt den dann geltenden Wert der Investitionen entschädigen.Mit dem nun abgeschlossenen Umbau zeigt sich die Stadt in einer ersten Bilanz zufrieden. Stand heute könne das Budget eingehalten werden – obwohl nicht alles nach Plan gelaufen sei.Die Wellenmaschine, die dem Bad einst ihren Namen gab, hätte nach 20 Jahren endlich repariert werden sollen. Doch der Zustand der Maschine war schlechter als erwartet. Die Stadt musste eine neue bestellen. Das habe zu Mehrkosten von 380 000 Franken geführt – und zu Verzögerungen. Anstatt wie geplant in diesem Jahr kommen die Wellen erst im nächsten Sommer zurück in die Badi.Abschied vom SprungbrettGar nicht zurück kommt das Sprungbrett. Bei der Instandsetzung hat sich gezeigt, dass das Becken nicht tief genug ist. Ein Punkt, der manche Badegäste ärgert. Auch bei der Stadt sind in diesem Zusammenhang Beschwerden eingegangen.Sie ist insgesamt aber zufrieden mit der Wiedereröffnung der Badi: «Wir erhalten zahlreiche positive Rückmeldungen von Gästen, die bestätigen, dass die Instandsetzung gelungen ist. Zudem wird das Freibad Dolder im Vergleich zu vor der Instandsetzung von mehr Gästen besucht», heisst es beim zuständigen Sportamt. Die definitiven Zahlen werden nach Ende der Saison kommuniziert.Bei einem Besuch der NZZ im Juli zeigten sich die Badegäste hingegen weniger euphorisch. Es wurden fehlender Schatten und lange Wartezeiten im Restaurant bemängelt. Andere kritisierten die Qualität des Essens und die Preise. Ein Burger ohne Pommes frites kostet 17 Franken.Die Wartezeiten im Selbstbedienungsrestaurant seien ein «Spiegelbild der hohen Nachfrage» und zugleich «das Los einer täglich wechselnden, frischen Küche», sagte damals Joachim Schweier, der Kommunikationschef des Grand-Hotels, auf Anfrage der NZZ. Trotzdem nehme man die Kritik ernst und habe bereits Massnahmen eingeleitet, um die Wartezeiten zu verkürzen.Vonseiten der Stadt heisst es jetzt, das Gastronomieangebot werde «eigenverantwortlich» vom Hotel gestaltet. Auch für das Veranstaltungsprogramm mit Open-Air-Kino, Barbecue und Konzerten ist nach wie vor das «Dolder» zuständig.Bei den Eintrittspreisen hingegen hat die Stadt Einfluss genommen: Diese sind mit 8 Franken genau gleich hoch wie in allen anderen städtischen Freibädern.Für die Badegäste ist der Eintritt in die vielleicht luxuriöseste Badi der Schweiz erstaunlich günstig. Für die Stadt sieht die Rechnung allerdings ganz anders aus: 20 Millionen Franken hat der Umbau gekostet. Und damit ist es noch nicht getan. Jedes Jahr zahlt die Stadt weitere 550 000 Franken an das «Dolder» für den Betrieb der Badi und der danebengelegenen Kunsteisbahn. Dazu kommen 1,57 Millionen Franken Folgekosten pro Jahr.Passend zum Artikel
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