Die Wellenanlage war über Jahrzehnte die Hauptattraktion auf dem Zürichberg. PD Nach fast zwei Jahren Bauzeit nimmt die Badi am Zürichberg morgen den Betrieb wieder auf. Die historische Anlage wurde umfassend erneuert und an die Anforderungen heisserer Sommer angepasst. Die namengebenden Wellen kehren aber erst im kommenden Jahr zurück.Fast 20 Jahre lang blieb das Dolder-Bad ohne seine bekannteste Attraktion: Seit die Wellenmaschine 2006 ihren Betrieb eingestellt hat, rollte kein künstlicher Seegang mehr durch das Becken. Nun öffnet das Freibad am Zürichberg nach fast zwei Jahren umfassender Instandsetzung wieder seine Tore, mit neuen Aufenthaltsbereichen, mehr Grün und barrierefreier Infrastruktur.Auf die Rückkehr der Wellen müssen sich die Badegäste allerdings noch bis 2027 gedulden – nur der Name kehrt bereits zurück: Aus dem Dolder-Bad wird wieder das Dolder-Wellenbad, wie die Anlage bereits in den 1930er Jahren hiess. Eine Aufnahme aus der Zeit, in der das Dolder-Wellenbad seinem Namen noch täglich gerecht wurde. PD Das Freibad war in den vergangenen Jahren zunehmend sanierungsbedürftig geworden und befand sich zuletzt «in einem schlechten baulichen Zustand», wie die Stadt Zürich schreibt.Da die Eigentümerin, die Dolder Hotel AG, die notwendigen Investitionen nicht tragen konnte, einen Verkauf jedoch ausschloss, übernahm die Stadt Zürich das Bad und die dazugehörige Minigolfanlage 2024 für dreissig Jahre im Baurecht. Damit schuf sie die Voraussetzung für die nun abgeschlossene Sanierung, in die rund 20 Millionen Franken flossen.Eine Badi in PastelltönenWer heute durch das Bad geht, erkennt den Ort wieder. Obwohl die 1934 von Architekt Emil Rein im Stil des Neuen Bauens entworfene Anlage nicht unter Denkmalschutz steht, entschieden sich die mit der Instandsetzung beauftragten GFA Architekten, die bestehenden Bauten und Bassins weitgehend zu erhalten. Das Ziel sei lediglich gewesen, «die Anlage ausgehend von den ursprünglichen Qualitäten weiterzuentwickeln», schreiben die Architekten.Wie diese Weiterentwicklung im Bestand aussieht, zeigt sich etwa am zentralen Badehaus der Anlage: Das symmetrisch gebaute Gebäude wurde umfassend überarbeitet und zugleich auf die Anforderungen zunehmend heisser Sommertage ausgerichtet. So wurde das Dachgeschoss des Garderobengebäudes mit einer Pergola erweitert, die einen zusätzlichen Aufenthaltsbereich mit fest installierten Liegen schafft und den Blick über die Badi bis zum Waldrand freigibt. Das zentrale Badehaus des Dolder-Bads auf einer historischen Aufnahme. Die Architektur blieb bei der jüngsten Sanierung weitgehend erhalten. PD Die Garderobenkabinen blieben grundsätzlich erhalten, wurden jedoch teilweise zusammengelegt und zu grösseren Familienkabinen umgebaut. Wände und Kabinentüren in Pastellfarben sowie Stützen, Tür- und Fensterrahmen in kräftigem Rot prägen das neue Erscheinungsbild.Neu ist auch der runde, weitläufige Patio im Innern dieses Gebäudes: Die halboffene Halle mit Sitzgelegenheiten, kreisrunder Dachöffnung und einem kleinen Garten im Zentrum bietet an heissen Tagen einen zusätzlichen Rückzugsort. Auch hier sorgen die klare Formensprache, die moderne Farbgebung und das durch die grosse Öffnung einfallende Tageslicht für eine ruhige, zeitgemässe Atmosphäre.Mehr Schatten, mehr Grün, mehr AbkühlungEine Veränderung dürfte insbesondere Stammgästen ins Auge fallen: Das Sprungbrett durfte nicht zurückkehren. Der Grund dafür liegt in den heutigen Sicherheitsanforderungen: Das Becken ist an dieser Stelle nicht tief genug. Geprüft wird nun, ob ein Bereich am Beckenrand für Sprünge ins Wasser gekennzeichnet werden kann. Gerade für jene, die im Dolder-Bad schwimmen gelernt haben oder seit ihrer Kindheit hierherkommen, dürfte dieser Verlust stärker auffallen als manche bauliche Veränderung.Eine Rückkehr erlebt dafür das Becken für die ganz Kleinen: Nachdem das Planschbecken während Jahren als Sandkasten genutzt worden ist, steht es nun wieder als Wasserbecken samt Sonnenschirmen zur Verfügung. An den Bassins änderte sich wenig; Das 50-Meter-Becken und das Nichtschwimmerbecken wurden lediglich mit einer neuen Auskleidung abgedichtet, bei Letzterem sorgen zusätzliche Sonnensegel, Schirme und neue Wasserspiele für mehr Abkühlung. Das 50-Meter-Becken und das Nichtschwimmerbecken blieben in Lage, Form und Grösse erhalten. PD Ruhesuchende finden grosszügige Liegeflächen und eine Yogawiese. PD Auffällig sind auch die Veränderungen rund um die Badeflächen: Mit 30 neuen Bäumen entlang der grossen Liegewiese und begrünten Dachflächen schaffen die Planer zusätzliche Schattenbereiche und fördern zugleich die Biodiversität. Alles in allem wirkt die Badi heute zeitgemässer, geblieben ist sie aber diejenige, die Generationen von Zürcherinnen und Zürchern seit ihrer Kindheit kennen.Vorerst nur Champagner-SchaumTrotz aller Neuerungen bleibt die eigentliche Hauptattraktion weiterhin abwesend: Die historische Wellenmaschine erwies sich während der Sanierungsarbeiten als deutlich schlechter erhalten als ursprünglich angenommen. Statt einer Reparatur wird nun eine neue Anlage gebaut, die im eigens dafür errichteten Betriebsgebäude an der Stirnseite des 50-Meter-Schwimmerbeckens Platz finden wird. Deshalb sollen die Wellen erst 2027 zurückkommen.Bis dahin erfüllt das neue Gebäude einen anderen Zweck: Auf seinem Dach sorgt eine temporäre, elegant eingerichtete Moët-&-Chandon-Lounge mit Sunbeds und Champagnerbar für eine etwas andere Form der Erholung. Nach 20 Jahren Wartezeit dürfte ein weiterer Sommer für die meisten Badegäste schliesslich verkraftbar sein. Erst recht mit Champagner. Newsletter Die besten Artikel aus «NZZ Bellevue», einmal pro Woche von der Redaktion für Sie zusammengestellt.
Dolder Wellenbad: So präsentiert sich das Freibad am Zürichberg nach dem Umbau
Das Dolder Wellenbad ist zurück: Nach fast zwei Jahren Bauzeit nimmt das Freibad am Zürichberg am 19. Juni den Betrieb wieder auf.








