Der Franken hat an Stärke eingebüsst: Hilft das der Schweizer Uhrenindustrie?Die Schweizer Uhrenexporte haben jüngst zugelegt, zugleich ist der Franken etwas schwächer geworden. Das verschafft der Branche Luft. Doch Chinas Nachfrage bleibt schwach – und das eigentliche Problem liegt tiefer.21.08.2026, 05.29 Uhr4 LeseminutenEin paar Rappen können Millionen ausmachen: Der etwas schwächere Franken verschafft der exportorientierten Schweizer Uhrenindustrie etwas Luft.KeystoneDie Schweizer Uhrenindustrie hat im Juli überraschend viel ins Ausland geliefert. 1,52 Millionen Armbanduhren verliessen das Land. Das sind 6,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Ihr Exportwert stieg sogar um 9,8 Prozent, wie der Uhrenverband Fédération Horlogère (FH) am Dienstag bekanntgegeben hat.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Nach sieben Monaten liegt die Branche damit erstmals beim Wert wieder leicht im Plus.Auf den ersten Blick wirkt das wie eine Trendwende. Doch die Lage bleibt unklar. Ausgerechnet China, auf dessen Erholung die Branche seit langem wartet, verzeichnete im Juli einen weiteren Rückgang um 18,5 Prozent. Nick Hayek, der CEO der Swatch Group, hatte bereits vor einem Monat erklärt, er rechne dieses Jahr nicht mehr mit einer Erholung der Nachfrage in Festlandchina.Immerhin kommt den Uhrenherstellern von einer Seite Entlastung, von der sie sich das lange nicht gewohnt waren: vom Schweizerfranken.Der Euro kostet derzeit rund 93 Rappen, nachdem er im März zeitweise nur knapp über 90 Rappen gelegen hatte. Auch der Dollar hat sich von seinen Tiefstständen etwas entfernt und steht bei knapp 80 Rappen. Für eine Branche, die fast alles im Ausland verkauft, aber in der Schweiz produziert, ist das entscheidend.Der schwächere Franken hat mehrere Ursachen. Die wichtigste ist die Zinsdifferenz zum Ausland.Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hält ihren Leitzins bei null. Im Euro-Raum liegt der Einlagenzins der Europäischen Zentralbank bei 2,25 Prozent, in den USA beträgt der Leitzinskorridor 3,5 bis 3,75 Prozent. Wer Geld anlegt, bekommt ausserhalb der Schweiz also deutlich mehr Zins.Das macht den Franken für Investoren attraktiv – allerdings nicht als Anlage, sondern als günstige Finanzierungsquelle. Sie leihen sich Franken zu tiefen Zinsen, verkaufen sie und investieren das Geld in höher verzinste Währungen oder Wertpapiere. Solange sich die Wechselkurse nicht gegen sie bewegen, verdienen sie an der Zinsdifferenz. Das Geschäft heisst Carry-Trade.Für den Franken bedeutet dies einen zusätzlichen Verkaufsdruck. Je mehr Anleger ihn als günstige Finanzierungswährung benutzen, desto eher verliert er an Wert. Marktbeobachter sprechen inzwischen davon, dass der Franken dem japanischen Yen in dieser Funktion zunehmend Konkurrenz macht.Für die Swatch Group ist der Dollar entscheidendWie stark Währungsschwankungen wirken, zeigt die Swatch Group. Im Jahr 2025 bezifferte das Unternehmen die negativen Währungseffekte auf den Umsatz mit 308 Millionen Franken. Im ersten Halbjahr 2026 kamen weitere 200 Millionen Franken hinzu.Dass der Euro inzwischen wieder bei rund 93 Rappen steht, hilft zwar. Das Problem sei jedoch nicht der Euro, schreibt die Swatch Group auf Anfrage, sondern dass der Franken gegenüber allen Währungen stärker geworden sei. Am wichtigsten ist der Wechselkurs zum US-Dollar, denn viele Währungen sind an ihn gekoppelt. Laut FH-Präsident Yves Bugmann gehen 47 Prozent der Schweizer Exporte in Länder, deren Währung vom Dollar bestimmt ist.Der Dollar hat sich in den vergangenen Jahren extrem abgeschwächt. Eine Million Umsatz in den USA entsprach vor zehn Jahren noch 993 000 Franken, wie die Swatch Group vorrechnet. Im ersten Halbjahr 2026 waren es noch 790 000 Franken.Die Swatch Group macht sich punkto Wechselkurs keine grossen Hoffnungen. Würde der Durchschnittskurs wieder auf 94 Rappen kommen, läge der positive Effekt für den Konzern bei rund 30 Millionen Franken pro Jahr. Angesichts der hohen Volatilität erwartet sie bis Jahresende allerdings keine deutliche Verbesserung über die aktuellen 93 Rappen pro Euro.Wie rasch sich die Lage derzeit ändern kann, zeigte sich bereits am Mittwoch. Der amerikanische Finanzminister Scott Bessent kündigte an, die Rückkäufe lang laufender amerikanischer Staatsanleihen deutlich auszuweiten. Damit versucht das Finanzministerium, den zuletzt starken Anstieg der langfristigen Zinsen zu bremsen.Die Renditen solcher Anleihen sanken daraufhin, ebenso der Zinsvorteil für Dollar-Anlagen. Der Dollar geriet unter Druck und gab gegenüber dem Franken deutlich nach. Auch der Euro gab nach, wenn auch weniger stark.Und dann ist da noch die Geopolitik.Ein erneutes Aufflammen des Iran-Kriegs könnte den Franken wieder unter Aufwertungsdruck setzen, auch wenn er dieses Jahr als sicherer Hafen weniger gefragt war als erwartet. Nur zu Beginn des Iran-Kriegs legte der Franken leicht zu, was die Schweizerische Nationalbank (SNB) mit einer eher bescheidenen Intervention zu dämpfen versuchte.Die Schweiz braucht wieder mehr UhrenFür die Schweizer Uhrenhersteller gilt allerdings auch: Ein einigermassen stabiler Wechselkurs löst ihr grundsätzliche Problem nicht. Sie muss wieder mehr Uhren verkaufen.2025 exportierte die Schweiz 14,6 Millionen Armbanduhren, 14 Prozent weniger als noch zwei Jahre zuvor. Seit Jahren konzentriert sich ein immer grösserer Teil des Exportwerts auf teure und sehr teure Modelle.Doch der Juli brachte eine interessante Entwicklung. Der Exportwert von Uhren mit Exportpreis zwischen 200 und 500 Franken stieg um 26,1 Prozent. Nach vier Jahren mit starken Rückgängen spricht der Branchenverband von einer Erholung dieses Segments.Es gibt also auch ausserhalb des Luxussegments Nachfrage. Entscheidend ist, sie zu wecken.Keine Schweizer Uhrenmarke versteht dies so gut wie Swatch. Immer wieder macht die Marke auch günstige Uhren zum Ereignis. Im Mai lancierten Swatch und Audemars Piguet gemeinsam die Royal Pop: acht farbige Taschenuhren, die Elemente der legendären Luxusuhr Royal Oak mit der Pop-Swatch verbinden. Die Uhr kostet nur 350 Franken, doch weltweit bildeten sich lange Warteschlangen.Auch die MoonSwatch, eine Kooperation von Swatch und Omega, sorgt weiter für Aufsehen. Für die Sonderedition «Mission to the Moon 1969» wurden lediglich 1969 Exemplare hergestellt. Interessenten mussten sich online bewerben, um eine kaufen zu dürfen. Laut Swatch füllten 1,2 Millionen Menschen das Formular aus.Dass es einen grossen Markt jenseits des Luxussegments gibt, zeigt auch Japan. Dort konzentrieren sich die Hersteller seit langem auf den mittelpreisigen Massenmarkt. 2025 brachten sie weltweit knapp 56 Millionen Uhren auf den Markt. Statt 14 Prozent weniger wie bei den Schweizern waren das 12 Prozent mehr als vor zwei Jahren.Passend zum Artikel