KommentarIn der Uhrenbranche verbessern sich scheinbar die Zahlen. Doch die Firmen geben zu wenig EinblickDie jüngsten Zahlen von Richemont und der Swatch Group machen Hoffnung auf eine Erholung im Uhrensektor. Doch niemand weiss, wie breit abgestützt diese ist – und ob Kurzarbeit längst einen tieferen Strukturwandel verdeckt.27.07.2026, 14.00 Uhr3 LeseminutenSwiss-Made-Uhren gibt es immer weniger. Dafür steigen die Preise.Jean-Christophe Bott / KeystoneAus der Schweizer Uhrenindustrie gibt es wieder positive Signale. Richemont und die Swatch Group meldeten in den vergangenen Tagen ein deutliches Umsatzwachstum, und auch die Zahl der exportierten Uhren ist im ersten Halbjahr gestiegen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Nach bald zwei Jahren Flaute wäre eine Belebung der Nachfrage hochwillkommen – nicht nur für die Branche, sondern für die Schweiz insgesamt. Die Uhrenindustrie beschäftigt zusammen mit der Mikrotechnik-Branche rund 65 000 Personen, davon 45 000 in der Produktion. Sie ist die drittgrösste Exportbranche des Landes und bildet vor allem im Jurabogen ein dichtes Netz aus Marken, Zulieferern und spezialisierten Handwerksbetrieben. Ohne baldigen Aufschwung droht ein empfindlicher Stellenabbau.Nur: Zeigen die jüngsten Zahlen tatsächlich eine Trendwende an? Das lässt sich schwer beurteilen. Richemont und die Swatch Group sind nicht die Schweizer Uhrenindustrie. Viele der bedeutendsten Hersteller, darunter Rolex, Patek Philippe und Audemars Piguet, sind privat gehalten und veröffentlichen keine Geschäftszahlen. Dasselbe gilt für zahlreiche kleinere Marken und Zulieferer.Auch die monatliche Exportstatistik des Branchenverbands Fédération Horlogère, kurz FH, hilft nur begrenzt. Sie umfasst zwar die Exporte sämtlicher Hersteller. Aber ausgerechnet das wichtigste Segment, jenes der Luxusuhren, gliedert sie kaum auf. Uhren mit einem Exportwert von über 3000 Franken landen in derselben Kategorie, ob sie nun für 3100 Franken über die Grenze gehen oder für 300 000 Franken.Wenn das oberste Segment der FH-Statistik zulegt, bleibt deshalb offen, ob Luxusuhren generell besser laufen oder ob wenige extrem teure Sammlerstücke den Ausschlag geben. Detailliertere Auswertungen wären durchaus möglich. Die Mitgliedsfirmen der FH erhalten sie, die Öffentlichkeit nicht. Damit ist für Aussenstehende schwer erkennbar, wie breit abgestützt eine Erholung ist.Gerade jetzt wären genauere Einblicke in den Uhrenmarkt wertvoll, denn die Branche hat ein wildes Auf und Ab hinter sich. Auf den Einbruch während der Pandemie folgte ein aussergewöhnlicher Boom, danach eine neuerliche Schwächephase. Nun ist unklar, auf welchem Niveau sich die Nachfrage einpendelt.Fest steht, dass die Uhrenindustrie unabhängig von der Konjunktur einen einschneidenden Strukturwandel durchläuft. Die Zahl der exportierten Uhren mag derzeit zwar leicht steigen. Vor zehn Jahren wurden aber noch doppelt so viele Uhren ausgeführt. Ein grosser Teil der Branche setzt seit Jahren auf Klasse statt Masse.Mit weniger, aber teureren Uhren lässt sich hervorragend Geld verdienen – sofern eine Marke über die nötige Preissetzungsmacht verfügt. Für Zulieferer und Hersteller, die auf grössere Serien angewiesen sind, ist der Volumenrückgang hingegen gefährlich.Auch bei den Folgen dieses Strukturwandels fehlt der Durchblick. Wie gut die heutigen Produktionskapazitäten noch zu den langfristig benötigten Mengen passen, lässt sich kaum beurteilen. Ein Grund dafür ist die Kurzarbeit, auf die viele Unternehmen seit 2024 zurückgreifen. So können sie ihre Belegschaften halten, obwohl die Aufträge und Produktionsmengen zurückgegangen sind.Kurzarbeit ist sinnvoll, wenn die Nachfrage vorübergehend einbricht und die Aufträge später zurückkehren. Deshalb ist der Bezug der Entschädigung grundsätzlich auf zwölf Monate begrenzt. Bleiben die Produktionsmengen jedoch dauerhaft tiefer, kann sie Kapazitäten aufrechterhalten, die nicht mehr gebraucht werden.Diese Gefahr besteht. Der Bundesrat hat die maximale Bezugsdauer von zwölf auf 24 Monate erhöht und die Sonderregelung Ende Mai nochmals bis Ende Januar 2027 verlängert. Für viele Unternehmen könnte dann die Stunde der Wahrheit schlagen.Passend zum Artikel