Ein neuer Ton ist gesetzt. Inwiefern? Insofern der Islamismus als Ideologie inzwischen direkt bezeichnet wird, unabhängig von der politischen Herkunft der Bezeichner. Seit dem Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day (CSD) fallen die sprachlichen Hüllen, mit denen sich bislang vermeiden ließ, die Monstrosität der Ideologie, ihre religiös verfangende Überzeugungskraft im Einzelnen zu benennen. Stattdessen ermöglichte der sprachliche Vermeidungskurs, vorrangig auf ideologiefremde Faktoren abzustellen, wie mögliche psychische Probleme der Täter, ihre mangelnde soziale Integration und so weiter.Hier gibt es im öffentlichen Diskurs gerade eine Akzentverschiebung. Denn der Akzent wird jetzt auf Islamismus gesetzt, auf die Ideologie als solche. Erst im Zusammenhang mit ihrer zentralen Rolle werden deren Affinitäten im klinischen oder sozialen Sektor untersucht. Aufsehen hatte beispielsweise der Grünen-Ko-Parteichef Felix Banaszak erregt, als er – mit welchem Kalkül auch immer – die mangelnde Benennung des Islamismus bei SPD und Linkspartei als „hanebüchen“ bezeichnete und dann seinerseits kein Blatt vor den Mund nahm: „Der Islamismus ist eine faschistische, barbarische Ideologie, ein zersetzendes Gift, von Hass erfüllt und von immenser Gefahr.“ Es gelte, den Anschlag „ohne Schnellschüsse und ohne Scheuklappe“ aufzuklären, wozu auch gehört, so verstand man Banaszak, die Ideologie als solche begrifflich freizulegen, statt nur die sie mutmaßlich ermöglichenden Variablen in den Blick zu nehmen.Schon klar: Kausalitäten laufen nie nur linearSo wichtig deren Vergegenwärtigung ist, so dürfen Psyche und Soziales in der Verhältnismäßigkeit ihrer Gewichtung doch nicht den Rang eines Alibidiskurses annehmen, der über die sich religiös geltend machende Wirkweise des Islamismus hinwegtäuschen möchte. Kausalitäten verlaufen nie nur linear, das ist auch hier schon klar. Umso mehr sollten unter den treibenden Faktoren bewährte Analysemuster wie die Unterscheidung von Grund und Anlass, Kausalität und Korrelation beibehalten werden. Um dann festzuhalten, dass im Bedingungsgefüge von den genannten terroristischen Exzessen der Islamismus als religiös überhöhte Irrlehre eine Zentralstellung einnimmt, die als solche keine Relativierung sozialer oder psychopathologischer Art verträgt.Das ist im Wesentlichen auch der Befund, wie er inzwischen die Talkshows erreicht hat, zu beobachten etwa vorigen Mittwoch bei Markus Lanz, wo mit seltener Klarheit unisono vom „Outsourcing“, von der Auslagerung bestimmender Gründe in der früheren Islamismus-Debatte, gewarnt wurde. Was damals diskursiv als kostengünstig erschien, also das Runterhängen der ideologischen Basis, hat sich in Wahrheit als Kostentreiber der Sicherheit erwiesen. Nun heißt es: Besser man sagt auch hier, was ist.