Immer wieder war in den vergangenen Jahrzehnten ermittelt worden, jetzt haben sich die Ermittler festgelegt: Mehr als 56 Jahre nach einem Brandanschlag auf ein jüdisches Seniorenheim in München mit sieben Toten ist die Generalstaatsanwaltschaft von einem rechtsextremen Einzeltäter überzeugt.Die Indizien sprächen deutlich dafür, dass ein mittlerweile verstorbener Mann das Feuer in dem jüdischen Gemeindehaus in der Reichenbachstraße gelegt habe, teilte die Behörde in München mit. Es gebe keine Anhaltspunkte für eine Beteiligung weiterer Personen.Die Generalstaatsanwaltschaft München hatte die Ermittlungen gegen Unbekannt im April 2025 wieder aufgenommen. Eine Zeugin habe glaubhafte Angaben zum Tatverdächtigen gemacht, so die Behörde. Da der Mann nicht mehr lebt, wurde das Ermittlungsverfahren eingestellt. Es gelte zudem die postmortale Unschuldsvermutung. Mutmaßlicher Täter von München 2020 gestorben Bei den Ermittlungen ging es laut Generalstaatsanwaltschaft um mögliche weitere Beteiligte des Anschlags. Diesen Verdacht konnten die Ermittler aber nicht erhärten. Stattdessen verdichteten sich die Hinweise auf den damals 25-jährigen Einzeltäter, der als rechtsextrem und antisemitisch bekannt war. Da der Mann aber 2020 starb, ist nach Angaben der Behörde eine abschließende rechtliche Bewertung nicht möglich.Der „Spiegel“ berichtet, bereits Anfang der 1970er Jahre sei gegen den Neonazi und vorbestraften Einbrecher Bernd V. aus München ermittelt worden. Hintergrund war demnach der Hinweis eines Gefängnisinsassen an die Behörden. Der Mann hatte damals angegeben, mit dem seinerzeit in anderer Sache inhaftierten Bernd V. eine Zelle geteilt zu haben. Dort habe V. ihm andeutungsweise erzählt, dass er der gesuchte Brandstifter sei.Zeugen beschrieben V. als glühenden Antisemiten und Hitler-Verehrer. Er habe seinerzeit regelmäßig in der Gegend um das Wohnheim der Israelitischen Kultusgemeinde in der Münchner Reichenbachstraße verkehrt.Die Staatsanwaltschaft leitete dem Bericht zufolge aufgrund des Hinweises ein Ermittlungsverfahren gegen Bernd V. ein und vernahm ihn am 18. Juli 1972 als Beschuldigten. Dabei soll V. die Vorwürfe bestritten haben. Am Ende reichten demnach die belastenden Angaben des Mithäftlings nicht aus, um V. zu überführen – die Ermittlungen gegen ihn wurden 1974 eingestellt.Dem Bericht zufolge habe die neue Zeugin der Generalstaatsanwaltschaft mitgeteilt, ein naher Verwandter sei einst Mitglied in der Diebesbande von Bernd V. gewesen. Der Verwandte habe im Familienkreis von einem Einbruchsversuch in ein Juweliergeschäft am Münchner Gärtnerplatz am Abend des Brandanschlags berichtet, der fehlgeschlagen sei. V. sei daraufhin immer wütender geworden und habe auf Juden geschimpft.Der Generalstaatsanwaltschaft zufolge soll V. „in unmittelbarer Tatortnähe mit Blick auf das jüdische Seniorenheim“ geäußert haben, dass „die Juden alles hätten“ und er „sie anzünden“ wolle. Etwa 15 Minuten später habe das Gebäude in Flammen gestanden.Im Laufe der Ermittlungen in den vergangenen Jahrzehnten hatte die Bundesanwaltschaft auch eine linksextremistische Gruppierung im Blick, doch 2017 stellte die Behörde das Verfahren ein. Trotz vorhandener Indizien reichten die Verdachtsmomente nicht für einen konkreten Tatverdacht aus, hieß es damals. (dpa, lem)