Es gibt Namen, die ein Lokal besser erklären als jede Speise- oder Getränkekarte. Das Monchalant in der Pariser Straße ist ein solcher Ort. Diese eigentümliche Wortschöpfung ist an das französische Wort nonchalant angelehnt – was nichts anderes als lässig, ungezwungen bedeutet. Fast ließe es sich als „meine Ungezwungenheit“ übersetzen, was zumindest ziemlich passend für dieses kleines Lokal mitten im Haidhauser Franzosenviertel wäre.Vor der Tür stehen ein paar Tische und Stühle auf dem Gehweg, in einem Stil, der einen sofort an ein Bistro oder eine Brasserie in Paris denken lässt, nur eben in kleinerer Dimension. Im Inneren finden gut drei Dutzend Gäste Platz. Die Wände sind dunkel, es gibt eine gepolsterte Sitzbank mit ocker- und petrolfarbenen Kissen, was gemütlich wirkt, wenngleich eher skandinavisch. Aus den Lautsprechern tönen Chansons und französische Popklassiker. Sie prägen die wohnzimmerliche Stimmung, ohne jedoch Gespräche zu stören.Kaum sitzt man, bringt der Service eine Schale salziges Popcorn. Eine kleine Geste, die man in München sonst oft vermisst, aber dem Gast das Gefühl von Aufmerksamkeit und Wertschätzung vermittelt. Draußen wartet eine Frau mit langen, dunklen Haaren auf ihr Date. Sie spricht perfekt Deutsch mit französischem Akzent. Fragt man sie, warum sie hierherkommt, sagt sie, dass sie schon lange in München lebe, aber das Monchalant für sie „ein bisschen Heimat“ sei. Ein besseres Kompliment können sich die Macher des Lokals, Gastroprofi und Besitzer Oliver Masion sowie sein Barmanager Sebastian Dold, wohl kaum wünschen.Sie verstehen ihr Lokal selbst als Nachbarschaftsbar, was in einem Viertel wie Haidhausen nur allzu plausibel klingt. Viele Bars gibt es hier nicht mehr: Vieles, was diese Gegend so eigenwillig, charmant und kleinteilig machte, eben die Koexistenz von Kunsthandwerkern und Künstlern, ist weniger geworden, die Mieten auch dort wahrscheinlich zu hoch und die Aussicht auf entsprechenden Umsatz zu gering. Vielleicht braucht es daher so kleine Oasen wie das Monchalant, die dem Viertel wieder etwas mehr urbanes Leben einhauchen.Ein Wohnzimmer für gute Freunde - oder diejenigen, die es werden wollen. Stephan RumpfBarmanager Sebastian Dold mixt den D ´Artagnon-Cocktail aus Armagnac, Marillen-Vanille Cordial, Verjus, Haselnussgeist und Apfelschorle. Stephan RumpfAuf der Karte stehen auch typische Speisen: Croque Monsieur zum Beispiel, französische Zwiebelsuppe oder hausgemachter Flammkuchen. Stephan RumpfDie Weinkarte der „Bar, Vinotheque et Cuisinerie“, wie sie sich offiziell beschreibt, ist klein, aber für die Idee eines Nachbarschaftslokals sorgfältig ausgewählt – keine komplizierten Tropfen, sondern solide, leicht zu trinkende Alltagsweine, fast alle aus Frankreich. Preislich bewegen sich die 0,1 Gläser zwischen 4,50 und 8 Euro, die Flaschen zwischen 29 und 49 Euro – für Münchner Verhältnisse noch ziemlich fair kalkuliert. Was zum Probieren verführt, ohne davor einen Kleinkredit aufnehmen zu müssen.Noch etwas überraschender mutet die Cocktailkarte an: Statt sich an den üblichen Verdächtigen abzuarbeiten, setzt sie ganz offensichtlich auf Eigenkreationen. Da sind etwa der „D'Artagnan“ aus Armagnac, Marillen-Vanille Cordial, Verjus, Haselnussgeist, und Apfelschorle, der Soleil 75 aus Lillet Blanc, Marillenbrand, Lavendel-Honig-Sirup, Zitrone, Zitronen Bitters und Cremant oder auch der „Provence Spritz“ aus Lavendellikör, Verjus, Tonic und trockenem Wermut. Sie alle kosten zwischen 12 und 13,50 Euro. Kreiert hat sie Besitzer Oliver Masion, der gelernter Restaurantfachmann ist, Barkurse gibt und mehrere Unternehmen rund um Hospitality hat.Das Konzept geht auf: Die wenigen Plätze drinnen wie draußen vor der Tür oder im Schanigarten im Sommer sind am Abend schnell belegt. Man muss also bisweilen ein wenig Geduld mitbringen. Es wird zudem auch, der Anwohner wegen, auf Lautstärke geachtet: Wer also Partystimmung will, sucht im Monchalant vergebens. Das Monchalant will keine Szenebar sein, sondern ein Wohnzimmer für die Menschen, die im Franzosenviertel leben. Und das ist erstaunlich gut gelungen.Monchalant, Pariser Straße 15, Öffnungszeiten: mittwochs und donnerstags von 14 bis 23 Uhr, freitags und samstags von 14 bis 0 Uhr, sonntags von 14 bis 22 Uhr