Seine Figuren formulieren ihre Einsamkeit als gesellschaftliche Anklage: Ein junger Mann inszeniert sich als Frauenversteher, um nach mehreren Zurückweisungen („lieber bloß Freunde“) schließlich seine sexuelle Erfolglosigkeit wütend den Frauen anzulasten („Der Feminist“). Eine unglücklich Verliebte steigert sich in zerstörerische Obsession („Pics“), ein schwuler Mann plagt sich mit sexuell-sadistischen Fantasien („Ahegao“), und ein Erfolgshungriger zieht seine Partnerin in seinen Optimierungswahn hinein („Unsere Zukunft wird dope“).

Die Figuren in Tulathimuttes jetzt auf Deutsch erschienen Buch sind durchgängig einsam, selbstbezogen und überzeugt davon, dass ihnen die Welt etwas schuldet. Wiederkehrende Motive wie die Incel- oder Nice-Guy-Szene formen über die einzelnen Erzählungen hinweg eine düstere Gesellschaft im Digitalzeitalter. Dabei geht es um die Abgründe der Online-Verlierer, aber auch um die der sich moralisch überhebenden Beobachter.

Präzise der Ton des Netzes

Die eigentliche Kunst in „Fiasko“ liegt in der Beweglichkeit der Sprache. Präzise bildet Tulathimutte den Ton von Dating-Apps, Gruppenchats, Reddit-Posts und ideologischen Online-Debatten nach.

Als etwa der Streit in einer Chatgruppe eskaliert, schreibt eine der Frauen: „nur gute vibes in diesem space hier pls, ich spiel ja hier nicht gern die mimose aber dieser konflikt ist nicht so geil für meine psyche tbh“. Oder wenn der Selbstoptimierer seine Freundin gaslightet: „Alles, was ich sage und tue, ist ja SO schlimm, und ich hab noch NIE irgendwas Gutes für dich getan und du hattest im Leben noch NIE unrecht, ICH bin schuld, dass du den ganzen Tag auf der Poperze sitzt und Däumchen drehst, Gott, was bin ich nur für ein Opp.“