Die Tür von Tony Tulathimuttes Apartment im New Yorker Stadtteil Brooklyn ist nur angelehnt. Mit hinein folgt auch jene Beklemmung, die der Amerikaner gemeinhin als social awkwardness bezeichnet. Der Besucherin aus Deutschland begegnen in dem verhältnismäßig großen Wohnbereich unangenehm viele Augen, die zu den Köpfen einer jungen amerikanischen Schriftstellergeneration gehören. Ihre Blicke sind keineswegs feindselig oder abweisend, vielleicht sogar ein wenig verschüchtert, immerhin haben sie bisher hier nur einander gesehen. Seit Wochen versammeln sie sich, um von Tulathimutte das Schreiben zu lernen. Seit 2017 bietet er den achtwöchigen Schreibworkshop Crit an; die ständig steigende Bewerberzahl beläuft sich mittlerweile auf 300 bei neun verfügbaren Plätzen. Noch deutlich geringer als die Wahrscheinlichkeit, angenommen zu werden, ist die, im Anschluss auch so zu schreiben wie er. Gar nicht böse gemeint, aber das kann einfach niemand.
Tony Tulathimutte: Begegnung mit einem Phantom
Die Werke des US-amerikanischen Schriftstellers Tony Tulathimutte handeln von den Irrwegen der Identitätspolitik. Und sie sind oft große Kunst.






