Hoppla, was ist los im Mies-van-der-Rohe-Haus in Hohenschönhausen? Welcher Spaßvogel kühlt da sein Mütchen? Im edlen minimalistischen Domizil, das Bauhausmeister Mies van der Rohe 1932/33 vor seiner Emigration aus Nazideutschland in die USA für das Verlegerpaar Lemke erbaut hat und das heute ein Museum des Stadtbezirks Lichtenberg ist, stehen Möbel herum wie Fremdkörper: profane Sofas, klotzige dunkle Regale, billige Ikea-Lampen, alles ein bisschen „angegangen“, weil vom Trödel oder aus einem Atelier geholt.

Als „Open House“ präsentiert der in Berlin lebende Brite Richard Sides seine Design- und Klanginstallation. Sie erstreckt sich über alle drei einstigen Wohnräume des feinen Bungalows aus Klinkern, Glas und Licht. Etliche Möbelstücke hat Sides zu Lautsprechern umgebaut. Indem der Bildhauer an die frühere Funktion des Hauses als stilbewusstes Privatrefugium erinnert, macht er es nun für kurze Zeit zu einem „Instrument für Klang“. Freilich war das Interieur der Lemkes, alte Fotos belegen es, erlesener als das für jedermann verfügbare, gleichsam kollektivistische Nullachtfuffzehn-Mobiliar von heute.

Aber genau das ist der künstlerische Kick, nämlich das edle Baudenkmal, besucht von Architekturfans aus aller Welt, die hier den Genius Loci von Mies spüren wollen, mit dem Profanen von heute zu verbinden, dem, was Hinz und Kunz in ihren Wohnungen herumstehen haben, von der Studentenbude bis zum Eigenheim. Sides verbindet Zeit, Raum und Stil durch Klang. Es dringen Soundcollagen aus den Möbeln, sogar dem Teppich: mal melodisch, dann kakofonisch, sphärisch, vibrierend unterm Sofasitz. Der Künstler aus dem englischen Rotherham zelebriert sozusagen die Ästhetik heutiger Normalität, setzt die Ästhetik des Bauhausstils hinzu, der ja eigentlich auch nichts anderes wollte, als Formschönheit und Funktionalität für alle.