Leise plätschert der dünne Tannbach durch das beschauliche Dörfchen. Die Sonne scheint, und wenn man den Blick nach Osten wendet, erinnert an diesem Ort so gar nichts daran, dass es vor vierzig Jahren unmöglich gewesen wäre, ohne Repression an diesem kleinen Bachlauf inmitten des Dorfes Mödlareuth zu stehen. Das Dorf, das zu einem Teil in Thüringen und zum anderen in Bayern, besser gesagt im Fränkischen, liegt, war damals wie seit dem 13. August 1961 auch Berlin mit einer Mauer geteilt – was ihm bei den amerikanischen Besatzungstruppen den Namen „Little Berlin“ einbrachte.

Schon vor rund 400 Jahren wurde der Tannbach zu einem Grenzbach erklärt, zwischen dem damaligen Markgraftum Bayreuth und dem Fürstentum Reuß-Lobenstein. Nach 1810 manifestierte man diese absurde Tatsache, als das Königreich Bayern und das Thüringer Fürstentum die Grenze erneut genau hier platzierten. Die Bewohner hatten damit kein Problem. Die Kinder diesseits und jenseits des Baches besuchten in Thüringen die Volksschule. Sonntags zogen die Thüringer im feinen Zwirn zur Kirche im bayerischen Teil des Dorfes. Und auch heute noch leben die 55 Bewohner des Ortes in großer Eintracht miteinander.

Allerdings gab es dazwischen eben die Zäsur der deutschen Teilung, ganz ohne Checkpoint Charlie und Agentenaustausch auf der Glienicker Brücke. Robert Lebegern, der Leiter des Deutsch-Deutschen Grenzmuseums, beschreibt es so: „Bis 1952 ging das Leben nach dem Krieg weiter wie gehabt, dann folgte die Schließung der Grenze seitens der DDR-Behörden. Ein großer Holzbretterzaun wurde gebaut, um die Grenze zu sichern. Mit dem Mauerbau in Berlin zementierte man damals das Grenzregime – es wurden Erdminen im Grenzbereich installiert –, nach der Wende wurden allein an der Thüringer Grenze mehr als 1100 Erdminen geräumt. Fünf Jahre später, im Jahr 1966, wurde der Bretterzaun durch eine massive Mauer und professionelle Grenzschutzanlagen ersetzt.“