Viele Menschen finden Schnecken lästig oder sogar eklig. Franziska Jehle hingegen gerät regelrecht ins Schwärmen, vor allem wenn es um die zähflüssigen Absonderungen der Tiere geht. „Schneckenschleim ist ein unglaublich vielseitiges Material“, sagt Jehle, die am Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Potsdam forscht. Schließlich ermöglicht er der Schnecke nicht nur, über den Boden zu gleiten, sondern auch zu kleben und so etwa an Stängeln oder Wänden senkrecht nach oben zu kriechen. Der Schleim schützt die Schnecke außerdem vor dem Austrocknen, vor Verletzungen, und er verschließt sogar ihr Haus.Anzeige

Wie das im Detail funktioniert, haben Jehle und Kolleg:innen kürzlich am Beispiel der gewöhnlichen Landschnecke Cepaea nemoralis genauer untersucht. Die Ergebnisse, die die Forschenden in Science berichten, seien auch für die Entwicklung neuartiger Klebstoffe oder Beschichtungen für medizinische Anwendungen interessant, sagt der Co-Autor und Institutsdirektor Peter Fratzl. „Wenn wir die Prinzipien dahinter verstehen, ist das für die Entwicklung nachhaltiger Materialien von großer Bedeutung.“

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Das Team fand heraus, dass die Schnecke verschiedene Schleimtypen aus den stets gleichen Grundzutaten herstellt: aus Proteinen, vor allem aus faserartigen Kollagenen, und aus einem Kalziumsalz. „Dass die Schnecke mit den gleichen Grundbausteinen gezielt die Eigenschaften ihres Schleims verändern kann, macht sie für die Forschung so spannend“, betont Jehle.