Das Gift von Schuppenameisen, darunter Wald- und Rossameisen, könnte einen entscheidenden Beitrag zur Lösung eines der drängendsten Probleme der modernen Medizin leisten: die zunehmende Resistenz von Mikroben gegen antimikrobielle Wirkstoffe. Forscher der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und der Freien Universität Berlin haben erstmals Peptide, also die Bausteine von Proteinen, in Ameisengiften nachgewiesen, die antimikrobiell wirken. Die Ergebnisse der im Fachjournal Science Advances veröffentlichten Studie eröffnen neue Perspektiven für die Arzneimittelforschung.
Im Gegensatz zur bisherigen Annahme, dass Ameisengift hauptsächlich aus Ameisensäure besteht, konnten die Forscher zwei neue Peptid-Familien identifizieren. „Wir sind in unserem Projekt einer jahrzehntealten und weitgehend unbeachteten Publikation nachgegangen, in der erwähnt wurde, dass diese Gifte vielleicht auch eiweißartige Stoffe enthalten“, erklärt Prof. Dr. Timo Niedermeyer von der Freien Universität Berlin. „Wir haben nun zwei völlig neue Peptid-Familien in den Giften von Schuppenameisen nachgewiesen. Diese Peptide sind einzigartig in diesen Ameisen, kommen dort aber weit verbreitet vor. Ihr Gift ist wesentlich komplexer als bisher angenommen.“






