Valérie Dittli lässt ihre Partei zappelnDie Waadtländer Regierungsrätin verzögert den Entscheid, ob sie 2027 erneut kandidieren will. Mit Dittli hätte die Mitte keinen Allianzpartner. Derweil will die Partei Strafanzeige wegen Urkundenfälschung erstatten.12.08.2026, 17.00 Uhr3 LeseminutenValérie Dittli steht seit Anfang 2025 wegen mehrerer Affären unter massivem Druck.Cyril Zingaro / KeystoneWie so oft, wenn es um Valérie Dittli geht, sind die Protagonisten sich selbst über grundlegende Fakten uneins. Gab es nun eine Frist bis Dienstag, bis zu der die Waadtländer Regierungsrätin sagen sollte, ob sie bei den kantonalen Wahlen 2027 erneut kandidieren will – oder gab es sie nicht? Natürlich habe es diese Frist gegeben, sie sei mit Dittli vereinbart gewesen, sagt der Präsident der kantonalen Mitte-Partei, Giancarlo Sergi.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Nein, es habe keine Frist gegeben, das sei willkürlich behauptet worden, sagt ein Unterstützer Dittlis, der wie mehrere Quellen nicht namentlich genannt werden will. Es gebe nur eine einzige Frist, die zähle: der 2. September. Dann will die Mitte Waadt an einer Delegiertenversammlung über die kantonalen Wahlen im Februar 2027 beraten.Dittli soll die Verzögerung nicht begründet habenTatsache ist, dass das Präsidium der Mitte Waadt am Dienstagabend tagte, und dass es von Dittli nicht die erhoffte Antwort bekam. Nach NZZ-Informationen sagte Dittli an der Sitzung, dass sie mehr Zeit für ihre Entscheidung brauche. Inhaltlich soll sie dies nicht begründet haben. Dittli reagierte am Mittwoch nicht auf eine Anfrage.Einig sind sich für einmal Anhänger wie Kritiker der gebürtigen Zugerin beim möglichen Grund für ihr Zögern: dass ihre jüngste Medienoffensive verpufft sei. Vergangene Woche erschienen ein grosses Porträt und ein langes Interview mit ihr in den wichtigsten Westschweizer Zeitungen «Le Temps» und «24 heures».Am Freitag dann lud Dittli kurzfristig zu einer Medienkonferenz an den Regierungssitz im Lausanner Schloss ein. Dort präsentierte sie ein Rechtsgutachten zweier Professoren, das es in sich hatte: Dittlis Recht auf Anhörung und ihre Menschenwürde seien verletzt worden, als ein ehemaliger Kantonsrichter einen Untersuchungsbericht zu ihrer Amtspraxis erstellt hatte und der Staatsrat sodann den Bericht online stellte. Dittlis Regierungskollegen wiesen die Vorwürfe am Freitag umgehend zurück und veröffentlichten ein eigenes Rechtsgutachten.Insider nennen zwei weitere Erklärungen für Dittlis Zögern: Es gebe «sehr private Gründe», zitierte die Zeitung «Le Temps» Unterstützer. Ausserdem könnte die Waadtländer Staatsanwaltschaft Dittli jederzeit einvernehmen – und damit eine erneute Kandidatur erschweren.Zwei Strafverfahren laufen gegen DittliDie Staatsanwaltschaft hat zwei Strafverfahren gegen Dittli eröffnet. Das erste betrifft den Verdacht auf Amtsmissbrauch in der Affäre um die Steuerbremse für Reiche. Das zweite bezieht sich auf den genannten Untersuchungsbericht. Dieser attestierte Dittli, ein Mandat mit öffentlichen Geldern vergeben zu haben, damit der Auftragnehmer eine Strafanzeige gegen sie zurückziehe.Sollte Dittli erneut kandidieren wollen und am 2. September die Unterstützung der Delegierten bekommen, würde dies die Mitte Waadt in grosse Schwierigkeiten bringen. Denn die bisherigen Allianzpartner FDP und SVP haben bereits angekündigt, in diesem Fall nicht mehr mit der Mitte kooperieren zu wollen.Zwar bevorzugt das Präsidium für die anstehenden Wahlen zwar ohnehin eine Mitte-Allianz mit den Grünliberalen und zwei weiteren Kleinparteien. So rechnet sich die Partei unter anderem mehr Chancen aus, im Waadtländer Parlament Sitze zu gewinnen, zumal angesichts der neu gültigen Fünf-Prozent-Hürde. Bisher hat die Mitte Waadt keine Kantonsparlamentarier.Zentrumsparteien wollen keine Allianz mit DittliDoch auch die drei Zentrumsparteien wollen keine Allianz unter einer Spitzenkandidatin Dittli, wie es in einem internen Strategiepapier der Mitte Waadt heisst. Das Papier verschickte das Präsidium am Dienstagabend an Journalisten, als Reaktion auf einen «Blick»-Bericht, wonach der Parteipräsident Sergi selbst für den Staatsrat kandidieren und Dittli stürzen wolle.Das Mitte-Präsidium bestätigte laut einem Communiqué vom Dienstagabend einstimmig, dass der «Blick»-Artikel auf einem gefälschten Dokument mit Briefkopf der Partei beruhe. Zudem beschloss das Präsidium, Strafanzeige zu erstatten. Damit werden die Machtkämpfe rund um Valérie Dittli also um ein Strafverfahren reicher.Passend zum Artikel
Valérie Dittli legt sich auch mit Partei-Präsidium an - und ignoriert eine wichtige Frist
Die Waadtländer Regierungsrätin verzögert den Entscheid, ob sie 2027 erneut kandidieren will. Mit Dittli hätte die Mitte keinen Allianzpartner. Derweil will die Partei Strafanzeige wegen Urkundenfälschung erstatten.








