Die Schweiz wird am Mittwochabend eine partielle Verdunkelung erleben. Für Sternwarten im ganzen Land ist dies das Highlight des Jahres.12.08.2026, 05.07 Uhr5 LeseminutenRümlang blickt am Mittwochabend hinaus auf die Welt. Walter Bersinger und seine Kollegen von der örtlichen Sternwarte wollen die Sonnenfinsternis auf mehreren Kanälen einfangen: mit Teleskopen in dem Gebäude, mit Ferngläsern auf der Wiese davor, aber auch per Live-Stream von anderen Punkten der Erde, von denen aus der Mond die Sonne komplett verdecken wird – und nicht «nur» zu 91 Prozent wie hierzulande. Im Norden Spaniens etwa, in Mallorca (um 20 Uhr 30) oder in der isländischen Hauptstadt Reykjavik (um 19 Uhr 48 Schweizer Zeit) wird die Sonnenfinsternis total sein.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Und in Rümlang sind Sterngucker in Echtzeit dabei, wenigstens an zwei Flachbildschirmen der Sternwarte. Public Viewing auf dem Maisfeld, das hat es so wohl noch nie gegeben.In Rümlang geht das Spektakel um 19 Uhr 24 los, wie eine interaktive Darstellung der NZZ zeigt. Um 20 Uhr 17 wird nur noch eine schmale Sichel zu sehen sein. Um 20 Uhr 24 geht die Sonne hinter der Lägern unter. An der Chätschstrasse bitten Bersinger und seine Mitstreiter vom Verein der Sternwarte bereits am Nachmittag zum Astro-Erlebnis für die ganze Familie. Mit Trompete und E-Gitarre, mit Präsentationen, Vorführungen und mit Speis und Trank. Die Verantwortlichen in Rümlang rechnen mit bis zu 200 Besucherinnen und Besuchern.Bersinger sagt: «Es gibt wohl keine Sternwarte in der Schweiz, die an diesem Tag nicht geöffnet hat fürs Publikum.» Die Urania-Sternwarte in Zürich bietet einen Finsternis-Workshop an (die Veranstaltung ist ausverkauft), bei der Sternwarte Bülach kann man das Ereignis ebenfalls beobachten (und Finsternis-Brillen kaufen, ein knappes Gut in diesen Tagen, wie Nachfragen bei mehreren Optikern in der Stadt Zürich zeigen).Walter Bersinger ist Co-Präsident des Trägervereins der Sternwarte Rümlang. Er sagt: «In der chilenischen Wüste ist das ganz anders.»Von der Anhöhe in Rümlang aus dürften Sterngucker eine tolle Aussicht haben auf das Spektakel vom Mittwochabend.Die Sternwarte Eschenberg in Winterthur indes hat ein Standortproblem: Sie liegt mitten in einem Wald. Die Bäume bei dem Gebäude würden die entscheidende Phase der Finsternis verdecken. Die Verantwortlichen dieser Einrichtung haben daher entschieden, gegen 19 Uhr von der Sternwarte aus zu besseren Aussichtspunkten zu spazieren.Für Hobby-Astronomen ist es das Highlight des Jahres. Vielleicht sogar der beste Moment überhaupt. Und für Bersinger?«Totaler Reinfall» auf HawaiiDer 70-Jährige hat schon etliche Eklipsen erlebt. Die partielle Sonnenfinsternis vom Mittwochabend dürfte nicht zu den spektakulärsten gehören, das wird im Gespräch mit dem Co-Präsidenten der Sternwarte Rümlang im Schatten eines Kirschbaums schnell deutlich. 1994 etwa war Bersinger in Tacna im Süden Perus, als sich die Sonne kurz nach 12 Uhr mittags für knapp drei Minuten komplett verdunkelte. 2006 hatte er erstmals eine Digitalkamera dabei, als es in Side in der Türkei ebenfalls mitten am Tag für über drei Minuten stockdunkel wurde.1991, bei seinem ersten Trip in die totale Finsternis, hatte er weniger Glück: Er war zwar in Hawaii vor Ort, doch der gewaltige Ausbruch des Pinatubo in den Philippinen machte dem Eklipsen-Jäger einen Strich durch die Rechnung. Eine riesige Aschewolke verhüllte den Himmel bis über dem Aloha-State, 8000 Kilometer von der Eruption des Vulkans entfernt. «Das war ein totaler Reinfall», sagt Bersinger. «Es war zwar dunkel, aber wir konnten nichts erkennen.»Dafür wurde er auf seinen folgenden Reisen rund um den Erdball entschädigt. So auch im September vor zwanzig Jahren: In Französisch-Guyana beobachtete Bersinger eine ringförmige Sonnenfinsternis. So nennt man eine Konstellation, in der der Mond die Sonne nicht abzudecken vermag, da er sich zu weit von der Erde entfernt befindet – und daher «zu klein» zu sein scheint, um die Sonne komplett zu verhüllen: Ein leuchtend gelber Ring um einen schwarzen Kreis herum bleibt frei.Walter Bersinger am Teleskop der Sternwarte (oben). Für eine totale Sonnenfinsternis ist er bereits um den halben Erdball gereist.All das wird am Mittwoch nicht passieren. Die Teilverdunkelung der Sonne fällt in die Abenddämmerung, wenn das Sonnenlicht ohnehin bereits etwas schwächer ist. Der «Lichtschalter am Himmel» wird nicht sofort ausgehen, man kann es sich eher wie ein rasches Dimmen vorstellen. Aber wenn die Sonne untergegangen ist, ist es dunkler als an gewöhnlichen Tagen – schliesslich steht der Mond der Erde auch dann vor der Sonne, wenn diese bereits untergegangen ist und den Horizont für einige Minuten nicht mehr erhellen kann.So erläutert es Bersinger unter dem Kirschbaum in Rümlang. Von hier aus dürften Sterngucker und Anfänger einen tollen Blick haben auf die Abendsonne und den Schatten des Mondes davor. Die Sternwarte befindet sich auf einer Anhöhe im Grünen. Man sieht hinab auf Zürich Affoltern und auf die Silhouette des Üetlibergs dahinter.Zu viel Licht von untenSo schön das ist: Für Menschen wie Walter Bersinger und ihre Leidenschaft ist die «Nähe» der Zivilisation ein Problem. Die starke «Lichtverschmutzung» des Nachts macht es immer schwieriger, schwach leuchtende Himmelskörper per Teleskop zu erkennen. Auch die Milchstrasse ist am Rümlanger Nachthimmel mitunter kaum auszumachen. Bersinger sagt: «In der chilenischen Wüste ist das ganz anders.»Für einen Blick durchs Teleskop der Sternwarte Rümlang braucht man keine Schutzbrille – die Geräte sind mit entsprechenden Vorrichtungen versehen.Die Sternwarte im Zürcher Unterland wurde einst von einem Schlosser erbaut. Seit 1996 kümmert sich ein Verein um die Einrichtung.Und eben, darauf kommt der pensionierte Geschäftsführer einer Vorsorgestiftung immer wieder zu sprechen: «Eine totale Sonnenfinsternis ist ein phantastisches, ein unvorstellbares Erlebnis. Ich kann es kaum beschreiben.» Der Moment, in dem der Schatten des Mondes auf die Erde trifft; so viele Lichteffekte in den Minuten danach – er wisse jeweils gar nicht, wo hinschauen. Und natürlich komme man sich in einer Sternwarte vor wie ein «Brösmeli» im Universum. «Aber», sagt Bersinger, «ich bin da nicht so philosophisch unterwegs».Er orientiert sich lieber an konkreten Dingen. Sein Favorit unter den Himmelskörpern? «Der Saturn mit seinen Ringen», antwortet der Mann. Was er am Mittwoch nicht verpassen will: die Perseiden, also jene Meteoren, die im August besonders gut zu beobachten sind am Nachthimmel. Sein nächstes Reiseziel vielleicht: Südspanien. Dort wird der Mond am 2. August 2027 die Sonne komplett verdunkeln.In der Schweiz kommt dieses Jahrhundertereignis viel seltener vor. Letztmals im Mai 1724, das nächste Mal Anfang September 2081. Walter Bersinger wird weiterhin reisen müssen, um dabei zu sein.Passend zum Artikel
«Eine Sonnenfinsternis ist ein phantastisches Erlebnis»
Die Schweiz wird am Mittwochabend eine partielle Verdunkelung erleben. Für Sternwarten im ganzen Land ist dies das Highlight des Jahres.
















