Am 11. August 1999 war das bislang letzte Mal eine totale Sonnenfinsternis in Deutschland zu sehen. Um die Mittagszeit schob sich der Kernschatten des Mondes über Mitteleuropa. Für ein paar Minuten wurde es merklich kühler, die Vögel hörten auf zu singen und es war plötzlich Nacht, mitten am Tag. Eine totale Sonnenfinsternis sei ein „magischer Moment“, sagt Bernhard Buchner, Leiter der Bayerischen Volkssternwarte München. Hier hat das Wetter an diesem Tag im letzten Moment noch mitgespielt, nicht überall in Deutschland herrschte damals wolkenloser Himmel.Am kommenden Mittwoch, 12. August, fast auf den Tag genau 27 Jahre später, ist in Teilen Europas wieder eine Sonnenfinsternis zu beobachten. In Deutschland zwar keine totale, aber immerhin eine partielle. Von München aus gesehen wird die Sonne durch den Mond zu fast 89 Prozent verdeckt. Die Sonnenfinsternis beginnt gegen 19.23 Uhr, den Höhepunkt erreicht sie um 20.15 Uhr.Weil die Sonne da schon allmählich hinter dem Horizont verschwindet, sehen Münchnerinnen und Münchner eine maximale Abdeckung von rund 85 Prozent, sagt Buchner. Für Astronomen sei das schade, weil der Sonnenuntergang gegen 20.32 Uhr das Schauspiel etwas verkürzt. Aber eine Verfinsterung zu diesem Zeitpunkt des Tages sei optisch sehr reizvoll.Wo kann ich die partielle Sonnenfinsternis in München beobachten?Wichtig ist ein freier Blick Richtung Westen. „Je weiter ich über die Dächer schauen kann, desto besser“, sagt Buchner. Das Dach der Volkssternwarte nahe dem Ostbahnhof biete sich dafür nicht an, dort sei der Blick durch Gebäude und Kräne verdeckt. Die Stadt empfiehlt den Olympiaberg. Das bei Sonnenuntergang glitzernde Zeltdach des Olympiastadions dürfte das Schauspiel noch reizvoller gestalten.Der Fernsehturm ist wegen Sanierungsarbeiten geschlossen. Eine weitere Möglichkeit ist der Fröttmaninger Berg im Norden. Auf dem Hügel neben der Arena des FC Bayern sieht man bis zum Horizont. Für den Aufstieg sollte man aber genügend Zeit einplanen. Der Weg zieht sich vom U-Bahnhof Fröttmaning bis zur Arena – von da aus geht es über den Kurt-Landauer-Weg über die Autobahn – und bis zur Spitze sind es fast 100 Höhenmeter.Was muss ich mitbringen?Eine zertifizierte Sonnenfinsternis-Brille nach der Norm EN ISO 12312-2 mit CE-Kennzeichen. Die filtern einen Großteil der UV-Strahlung, des Lichts und der Infrarotstrahlung. So kommt nur ein winziger Bruchteil des Sonnenlichts am Auge an. Wer die Brillen von 1999 aufgehoben hat, kann sie noch verwenden, solange sie zertifiziert sind und die Folie keine Kratzer oder Risse hat. Viele Optiker bieten in den Tagen vor der Sonnenfinsternis geeignete Brillen an. Alternativ kann man sich auch eine Lochkamera basteln. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hat dafür eine Anleitung im Internet veröffentlicht.Warum darf ich die Sonnenfinsternis nicht mit bloßem Auge verfolgen?Weil das die Netzhaut im Auge gefährlich schädigen kann. „Auch während einer Sonnenfinsternis bleibt die Sonne eine extrem starke Lichtquelle“, teilt Daniela Weiskopf auf Anfrage mit, sie ist Leiterin des Fachgebietes „Optische Strahlung“ beim BfS. Auch wer nur sehr kurz ungeschützt in die Sonne schaue, könne die lichtempfindlichen Zellen irreversibel schädigen. „Die Netzhaut unseres Auges ist extrem empfindlich“, sagt Weiskopf. Außerdem besitze die Netzhaut keine Schmerzrezeptoren. Dadurch mache sich der Schaden erst später durch einen dunklen Fleck oder ein verzerrtes Sichtbild bemerkbar.Auch Ferngläser, Kameras oder Teleskope sollte man nicht ohne den geeigneten Filter verwenden. Weiskopf rät auch davon ab, den Sichtschutz zu improvisieren. Sonnenbrillen oder Schweißschutzgläser eigneten sich nicht. Riskant seien schon Sonnenuntergänge: Weil wegen der Dämmerung der Abwendreflex geschwächt und die Pupille geweitet seien, treffe sogar noch mehr Strahlung auf die Netzhaut.Was muss ich noch wissen?In der Nacht auf den 13. August lassen sich auch besonders viele Sternschnuppen beobachten, die Perseiden erreichen in dieser Nacht ihren Höhepunkt. Da Neumond ist, sind die Bedingungen gut. München sei aber nicht der richtige Standort, sagt Bernhard Buchner von der Volkssternwarte. Am besten verbringe man gleich den ganzen Abend in den Bergen, um partielle Sonnenfinsternis und Meteorschauer zu verfolgen. Dann brauche es am Mittwoch nur noch einen wolkenlosen Himmel. Die nächste partielle Sonnenfinsternis in München zeigt sich schon nächsten August, wobei die Sonne dann nur zu rund 60 Prozent abgedeckt wird. Eine totale Finsternis wird sich erst im Jahr 2151 ereignen.