Sonnenfinsternis über der Schweiz: Wann wird es dunkel, wie schützt man die Augen und wo findet man noch Brillen?Am Mittwochabend schiebt sich der Mond vor die Sonne. In der Schweiz werden je nach Standort 90 Prozent von ihr verdeckt. Die wichtigsten Antworten zum Naturschauspiel.Elena Panagiotidis12.08.2026, 12.35 Uhr5 LeseminutenEine Frau in Zürich schaut zur partiellen Sonnenfinsternis am 20. März 2015 mit Brille in die Sonne.Goran Basic / NZZWas ist heute Abend in der Schweiz zu sehen?In der Schweiz ist die Sonnenfinsternis nur partiell zu sehen. Allerdings wird diese partielle Finsternis sehr ausgeprägt sein. In Zürich beginnt sie gegen 19 Uhr 24. Noch während der Finsternis geht die Sonne unter. Je nach Standort variieren aber Beginn, Maximum und Bedeckungsgrad leicht. Im Maximum werden rund 91 Prozent der Sonnenscheibe verdeckt.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Wer wissen möchte, wie die Finsternis am eigenen Wohnort aussieht, kann den Sonnenfinsternis-Simulator der NZZ nutzen. Er zeigt auch, ob Berge die Sicht auf die tief stehende Sonne verdecken.Wo lässt sich die Sonnenfinsternis am besten beobachten?Weil sich die Finsternis am Abend abspielt, steht die Sonne sehr tief. Daher ist nicht nur ein wolkenfreier Himmel entscheidend, sondern auch freie Sicht zum Horizont. Berge und Hügel können die Sonne bereits verdecken, bevor die Finsternis vorbei ist.Ein gutes Beispiel ist Rümlang im Kanton Zürich: Dort beginnt die Finsternis um 19 Uhr 24, gegen 20 Uhr 17 bleibt nur noch eine schmale Sonnensichel, um 20 Uhr 24 verschwindet die Sonne hinter dem Höhenrücken der Lägern.Wer das Ereignis gemeinsam mit anderen verfolgen will, kann auch eine Sternwarte besuchen. In Rümlang und Bülach sind Beobachtungen vorgesehen; die Sternwarte Eschenberg in Winterthur weicht wegen der Bäume am eigenen Standort sogar auf bessere Aussichtspunkte aus.Ob am eigenen Standort Berge im Weg stehen, lässt sich mit dem NZZ-Simulator «Freie Sicht?» überprüfen.Wird es in der Schweiz dunkel?Nicht schlagartig. Auch wenn rund 90 Prozent der Sonne verdeckt werden, bleibt eine schmale, aber sehr helle Sonnensichel sichtbar. Walter Bersinger, Co-Präsident der Sternwarte Rümlang, vergleicht den Effekt deshalb eher mit einem raschen Dimmen als mit einem Lichtschalter, der plötzlich ausgeht.Bei einer totalen Sonnenfinsternis ist das anders. Dann verschwindet die helle Sonnenoberfläche vollständig, es wird für kurze Zeit deutlich dunkler, und die Sonnenkorona, der Millionen Grad heisse kranzförmige Lichtring, wird sichtbar.Warum ist in Spanien und Island die Finsternis total, nicht aber in der Schweiz?Während einer Sonnenfinsternis wirft der Mond seinen Schatten auf die Erde. Der Bereich, in dem die Sonne vollständig vom Mond verdeckt wird, ist nur ein schmaler Streifen. Wer sich darin befindet, erlebt eine totale Finsternis. Die Schweiz liegt am Mittwoch ausserhalb dieses Streifens.Die Totalitätszone verläuft am 12. August unter anderem über Grönland, Island und Spanien. Schon einige hundert Kilometer können deshalb darüber entscheiden, ob die Sonne vollständig oder nur teilweise verschwindet.Wann gibt es die nächste Sonnenfinsternis in der Schweiz?Schon am 2. August 2027 ist in der Schweiz und in Deutschland wieder eine partielle Sonnenfinsternis zu sehen. Dann werden maximal rund 55 Prozent der Sonne verdeckt sein. Am 26. Januar 2028 folgt eine weitere mit bis zu 75 Prozent Bedeckung.Auf eine totale Finsternis muss man dagegen deutlich länger warten. Die nächste Totalitätszone verläuft gemäss dem NZZ-Rechner am 3. September 2081 auch über Teile der Schweiz; für Zürich wird die Finsternis total sein.Wer nicht so lange warten will, kann am 2. August 2027 unter anderem über Spanien, Marokko, Algerien, Tunesien und Ägypten eine totale Finsternis beobachten.Darf man kurz ohne Schutzbrille in die Sonne schauen?Nein!Bei einer Sonnenfinsternis ist der direkte Blick besonders gefährlich, weil die teilweise verdeckte Sonne weniger blendet und man sie dadurch länger fixiert. Das gebündelte Sonnenlicht schädigt die Netzhaut innert kürzester Zeit, zunächst unbemerkt und schmerzlos.Im NZZ-Interview weist Matthias Becker, Chefarzt an der Augenklinik des Stadtspitals Zürich, warnend darauf hin, dass solche Schäden dauerhaft bleiben können. Eine normale Sonnenbrille reicht nicht aus. Geeignet sind spezielle Sonnenfinsternisbrillen nach der Norm ISO 12312-2:2015. Wer keine mehr bekommen hat, kann die Finsternis indirekt mit einer Lochkamera beobachten.Oder auch, völlig risikolos, über den Livestream der ESA.Wo gibt es noch die speziellen Schutzbrillen zu kaufen?Die Schutzbrillen sind fast überall ausverkauft. Wer in den letzten Tagen Optikergeschäfte abgeklappert hat, kann davon ein Lied singen. Auch in Quartier- und Flohmarkt-Chats wird verzweifelt nach den begehrten Brillen gesucht. In vielen anderen Ländern ist das nicht anders, beispielsweise berichtete die BBC: «Solar eclipse glasses sold out everywhere as people look for alternatives».Auf Plattformen wie Ricardo versuchen zudem Anbieter, die sich mit Brillen eingedeckt haben, noch kurzfristig zu verdienen. So gab es dort am Mittwoch noch Angebote von 195 Franken für eine Brille inklusive 20 Franken für die Lieferung noch am selben Tag. Bei kurzfristigen Angeboten gilt es, besonders sorgfältig die ISO 12312-2:2015 und das CE-Zeichen zu überprüfen, zudem darf die Folie nicht beschädigt sein.Behelfsmässig kann man auch eine Art Camera obscura bauen. Mit einer Nadel sticht man ein kleines Loch in eine Seite eines Schuhkartons; auf der gegenüberliegenden Innenseite befestigt man ein weisses Blatt Papier als Projektionsfläche. Dann stellt man sich mit dem Rücken zur Sonne und richtet die Schachtel so aus, dass das Sonnenlicht durch das Loch fällt und auf dem Papier ein kleines Abbild der Sonne erscheint. Wichtig hierbei: Nie durch das Loch in Richtung Sonne schauen, sondern nur das projizierte Bild im Karton betrachten.Spezielle Schutzbrillen für die Sonnenfinsternis sind heiss begehrt und vielerorts ausverkauft: Am Dienstag standen die Leute in Bern vor einem Geschäft dafür Schlange.Peter Schneider / KeystoneWarum gibt es überhaupt totale Sonnenfinsternisse?Dass der Mond die Sonne vollständig verdecken kann, ist ein kosmischer Zufall. Die Sonne ist ungefähr 400-mal so gross wie der Mond, aber weil sie auch etwa 400-mal so weit von der Erde entfernt ist, erscheinen uns beide am Himmel ungefähr gleich gross. Wenn der Mond genau zwischen Erde und Sonne hindurchzieht, kann er die Sonnenscheibe vollständig verdecken.Das geschieht allerdings nicht bei jeder Sonnenfinsternis. Die Entfernung des Mondes von der Erde verändert sich im Lauf seiner elliptischen Bahn. Wenn er weiter entfernt ist, erscheint er etwas kleiner als die Sonne. Dann kann er sie nicht vollständig bedecken, und um den Mond bleibt ein heller Sonnenring sichtbar. Man spricht dann von einer ringförmigen Finsternis.Totale Sonnenfinsternisse sind zudem nur vorübergehend Teil der Erdgeschichte. Der Mond entfernt sich langsam von der Erde. In Hunderten von Millionen Jahren wird er deshalb am Himmel zu klein erscheinen, um die Sonne noch vollständig abzudecken.Passend zum Artikel
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